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Glückliches Kind: Ob Lehrer für die Vermittlung von Glück zuständig sind, ist umstritten.

Münchner Grüne fordern Schulfach Glück

München - Glück kann man lernen sagen die Grünen im Münchner Rathaus. Sie wollen an den städtischen Schulen das Unterrichtsfach „Glück“ einführen. Die FDP hält das für „Schmarrn“.

Beim Spicken nicht erwischt zu werden oder an die Tafel zu müssen, wenn man ausnahmsweise mal brav gelernt hat - Glück spielt in der Schule oft eine große Rolle. Wenn es nach den Rathaus-Grünen geht, künftig auch als Unterrichtsfach. Denn dessen Einführung fordern die Politiker um Initiatorin Sabine Krieger.

„Das neue Schulfach heißt Glück, weil der Wortursprung ,gelungen ‘ auf die Voraussetzungen für ein gelingendes Leben verweist“, erklärt Krieger. So gehe es vor allem um Lebenskompetenz, Persönlichkeitsentwicklung und nicht zuletzt um Lebensfreude. Denn diese sei „schließlich nicht nur die Voraussetzung für das erfolgreiche Lernen, sondern auf lange Sicht auch für seelische und körperliche Gesundheit.“

Die Idee, Kinder und Jugendliche im Erlernen von Glück zu unterrichten, ist nicht neu. Entwickelt wurde das Konzept „Schulfach Glück“ 2007 im Rahmen eines Projektes an einer Heidelberger Schule. Seit 2010 bieten rund 100 Schulen in Deutschland und Österreich die Lehre des Glücks an - und das in nahezu allen Schularten und Altersstufen.

Wie genau der Unterricht aussehe, wisse sie nicht, meint Krieger. In Themenmodulen wie Freude am Leben, Theaterpädagogik, Zielerreichung aber auch Ernährung und Gesundheit können sich Lehrer am Fritz-Schubert-Institut im Schulfach Glück fortbilden. Und auch am Münchner Zentrum für Lehrerbildung der Ludwig-Maximilians-Universität gibt es ein derartiges Angebot. Seit diesem Jahr können Studenten eine Weiterbildung im Schulfach Glück belegen. Diesbezüglich fordern die Stadtrats-Grünen zudem, das Pädagogische Institut der Stadt solle entsprechende Weiterbildungen für Lehrer anbieten.

Kritik wird von FDP und CSU laut. Michael Mattar hält den Antrag für unsinnig. „Ich finde es einen Schmarrn, dass ständig neue Schulfächer eingeführt werden, wenn es ein Defizit in unserer Gesellschaft gibt“, sagt der FDP-Fraktionsvorsitzende. „Glücksmomente gibt es im Sport oder den Bildenden Künsten. Ich glaube aber nicht, dass beamtete Lehrer in der Lage sind, Glück zu vermitteln.“

Ins gleiche Horn stößt CSU-Fraktionsvorsitzender Josef Schmid: „Eltern und Schüler klagen über eine erhebliche schulstundenmäßige Belastung und damit einhergehenden Stress. Ich glaube daher nicht, dass ein weiteres Schulfach für Schüler und Eltern das richtige Instrument ist. Denn man müsste fragen, welches Unterrichtsfach gestrichen würde, oder in Kauf nehmen, dass die Stundenbelastung durch eine Erweiterung des Stundenplanes zunimmt. Außerdem wird Glück ja sehr individuell empfunden. Die Frage eines erfüllten Lebens ist als Querschnittsthema und daher als fächerübergreifende Lehr-Aufgabe zu verstehen.“

„Spannend“ hingegen findet Ursula Oberhuber vom Bildungsreferat die Vorstellung vom Glück-Unterricht, passe das Konzept doch „in die Schiene: Wir lernen fürs Leben und nicht für die Schule“. Und schließlich sei Persönlichkeitsentwicklung doch längst in den Leitlinien vieler Schulen wiederzufinden.

Von Andrea Steiler

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