Skurriler Prozess

Münchner Polizistin muss vor Gericht wegen ihrer Brustimplantate

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München - Brustimplantate sind kein Grund, um einer Bewerberin die Übernahme in den Polizeidienst zu verweigern. Dies hat das Münchner Verwaltungsgericht entschieden. Die Klägerin muss nun eingestellt werden.

Diensttauglich. Mit dieser Beurteilung besteht die heute 33 Jahre alte Sabine P. (Name geändert) Anfang vergangenen Jahres den Test für den Polizeivollzugsdienst. Die Sache scheint klar. Im Juli 2015 will die Münchnerin ihre Ausbildung beginnen. Doch zuvor – direkt nach dem Tauglichkeitstest – lässt sich die Frau zwei Brustimplantate einsetzen. Aus kosmetischen Gründen. Dass dies ihrer Polizeikarriere im Wege stehen könnte, damit rechnet sie nicht. Doch genau so kommt es.

Nach Ansicht des Polizeiarztes sei durch die Implantate die gesundheitliche Eignung für den Polizeivollzugsdienst nicht mehr gegeben. Insbesondere beim Selbstverteidigungstraining und bei gefährlichen Einsätzen seien Beschädigungen der Implantate zu befürchten, so die Begründung. Der Polizei-Traum von Sabine P. droht zu platzen. Dagegen klagt sie – und hat nun vorerst Recht bekommen.

Arzt: "Kein erhöhtes Verletzungsrisiko im Polizeidienst"

Nach vorläufiger Prüfung ist das Gericht in einer Eilentscheidung der fachärztlichen Einschätzung eines plastischen Chirurgen gefolgt, wonach bei der Münchnerin „kein erhöhtes Verletzungsrisiko im Polizeidienst bestehe“. Die verwendeten Implantate bestünden aus hochmodernem Material, seien sogar schnittfest. Außerdem seien sie unterhalb der Muskeln platziert – die junge Frau war bereits drei Monate nach der OP voll sportfähig gewesen. Hinzu komme laut Urteilsbegründung, dass die bei der Klägerin verwendeten Implantate verhältnismäßig klein sind und auch das Tragen von Schutzkleidung bei der schlanken und sportlichen Frau zu keiner übermäßig hohen Belastung der Implantate führen werde.

Demgegenüber ist die Bewertung des Polizeiarztes nach Ansicht der Richter zu pauschal und lässt die konkrete ärztliche Behandlung sowie den individuellen Heilungsverlauf unberücksichtigt. Die Folge: Die angeblich fehlende gesundheitliche Eignung sei nicht ausreichend nachgewiesen, erhöhte Risiken, die zum Beispiel zu erheblichen Ausfallzeiten oder einer Frühpensionierung führen könnten, seien nicht zu befürchten. Damit sei die Münchnerin, wie zunächst zugesichert, in das Beamtenverhältnis auf Widerruf einzustellen. Auch die Verfahrenskosten muss die Polizei tragen: 3460 Euro. Allerdings kann die Behörde noch innerhalb von zwei Wochen gegen die Entscheidung Beschwerde beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof einlegen. Ob dies passiert, ist noch offen.

Auf Anfrage im Polizeipräsidium hieß es am Donnerstag, dass noch geprüft werde, ob weitere juristische Schritte unternommen werden. Der Fall sei außergewöhnlich, hieß es weiter. Rund 1000 Bewerber zählt das Münchner Polizeipräsidium pro Jahr. Mögliche medizinische Ausschlusskriterien gibt es viele, von chronischen Rückenproblemen, über starke Sehschwächen bis hin zu Epilepsie. Da gebe es aber in der Regel klare medizinische Indikationen – die möglichen Gefahren durch Brustimplantate sind offenbar weitaus schwieriger abzuschätzen.

Rubriklistenbild: © dpa/Symbolbild

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