„Land unter“ - Gewitterfront rollt über Deutschland - Autofahrerin muss aus Geröllmassen gerettet werden

„Land unter“ - Gewitterfront rollt über Deutschland - Autofahrerin muss aus Geröllmassen gerettet werden
+
Im Auftrag des Projektes „Lies!“ verteilte Asuman B. (r.) in München den Koran.

Sie verteilten Korane in München

Salafisten-Paar war mit 8-jährigem Kind unterwegs

  • Stefanie Wegele
    vonStefanie Wegele
    schließen

München - Am Donnerstag ist ein Salafisten-Paar aus München in Österreich verhaftet worden. Die beiden waren mit dem achtjährigen Sohn der Frau auf dem Heimweg, sollen zuvor im syrisch-irakischen Kriegsgebiet gekämpft haben.

Es war ein Foto auf Facebook, das die Ermittlungsbehörden in München Mitte August alarmierte: Asuman B. (Name geändert) posiert darauf im Tarnanzug vor der schwarzen Kriegsflagge der Terrororganisation Islamischer Staat (IS). Durch das Bild ergab sich der Verdacht, dass der 20-jährige türkischstämmige Münchner nach Syrien ausgereist war und dort an Kämpfen dschihadistischer Gruppen teilnahm. Er war den Münchner Sicherheitsbehörden zuvor bereits aufgefallen, weil er und die irakischstämmigen 33-jährige Shayan B. (Name geändert), mit der er nach islamischem Recht verheiratet war, zusammen mit anderen Salafisten in der Innenstadt Korane verteilt hatten. Asuman B. soll zu dieser Zeit bei seiner Mutter am Harras gewohnt haben, seine Frau einen Wohnsitz im Dreimühlenviertel gehabt haben. Im August tauchte das Paar ab – und machte sich dadurch weiter verdächtig.

Dann tauchte auch noch das Foto von Asuman B. in Kampfmontur auf, die Staatsanwaltschaft München I. erließ daraufhin Haftbefehl gegen den 20-Jährigen und seine Frau. Grundlage dafür ist Paragraf 89a des Strafgesetzbuches: Es steht unter Strafe, wenn der „Verdacht der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat“ zu befürchten ist – von dieser Gefahr gehen die Ermittler bei islamistischen „Gotteskriegern“ häufig aus.

Als bekannt wurde, dass das Paar sich am Samstag, 11. Oktober, in einem Reisezug aus der türkischen Stadt Edirne auf den Weg nach Deutschland machte, bereiteten Fahnder die Festnahme vor: In einer geplanten Aktion nahm die österreichische Spezialeinheit „Cobra“ am Bahnhof in Maria Elend im Rosental in der Nähe von Villach die beiden Salafisten widerstandslos fest. Sie hatten den achtjährigen Sohn von Shayan B. bei sich. Der Bub wurde vorerst einer Jugendfürsorgeeinrichtung in Österreich übergeben, soll aber nach München zu Verwandten gebracht werden. Das Paar ist in Auslieferungshaft in Klagenfurt.

Laut Staatsanwaltschaft gibt es mehrere Anhaltspunkte dafür, dass die beiden im syrisch-irakischen Kriegsgebiet tatsächlich gekämpft haben. Nach Angaben von Markus Schäfert, Sprecher des bayerischen Verfassungsschutzes, ist mit Islamisten, die aus Kriegsgebieten zurückkehren, immer eine „Gefahr für die innere Sicherheit“ verbunden. „Man geht davon aus, dass bei diesen Personen die Hemmschwelle, Gewalt anzuwenden, gesunken ist, da sie sich daran in gewisser Weise gewöhnt haben“, erklärt Schäfert. Zudem finde in Krisengebieten häufig eine weitere ideologische Radikalisierung statt.

Staatsanwältin Judith Henkel betonte aber, dass es keine konkreten Hinweise darauf gebe, dass die beiden in Deutschland Terrorakte geplant haben. Waffen oder Ähnliches habe man bei den Verdächtigen nicht gefunden.

Sicher ist auf jeden Fall, dass Asuman B. und Shayan B. bereits unter Beobachtung des Verfassungsschutzes standen. Bis zum 9. oder 10. August verteilten sie in München kostenlose Exemplare des Koran – organisiert im sogenannten Projekt „Lies!”. Nach Angaben des Verfassungsschutzes nutzen Salafisten die Koran-Verteilung zur sogenannten „Dawa-Arbeit“. „Die Personen, die im Rahmen des Projektes „Lies!“ Korane verteilen, wollen damit für den Salafismus missionieren. Deshalb stufen wir diese Koranverteilaktion als extremistisch ein“, erklärt Schäfert.

Derzeit ermitteln die Staatsanwaltschaft München I und das Polizeipräsidium München. Beide betonen, dass man am Anfang der Ermittlungen stehe. Es sei nicht auszuschließen, dass der Generalbundesanwalt die Ermittlungen übernehme und das Bundes- oder das bayerische Landeskriminalamt die Polizeiarbeit weiterführe.

Stefanie Wegele

Auch interessant

Kommentare