Jurist Markus Saller von der Verbraucherzentrale warnt vor Arglosigkeit. ms

Münchnerin tappt in die Falle eines Internet-Betrügers

München - Ein Unbekannter hat einer 49-Jährigen 3000 Euro monatlich für einen einfachen Nebenjob geboten. Dann kaufte er munter auf Rechnung seines Opfers ein.

Sie wollte ihr Gehalt mit einem Nebenjob aufbessern – und tappte einem Internet-Betrüger in die Falle: Nach Angaben der Polizei schaltete eine 49-jährige Angestellte aus Neuhausen Mitte September ein Nebentätigkeitsgesuch auf dem Kleinanzeigenportal www.kijiji.de. Das erste Angebot per E-Mail ließ nicht lange auf sich warten. Ein Unbekannter bot ihr rund 3000 Euro monatlich für einen einfachen Job: Sie solle Pakete etikettieren, die ihr ein Kurierdienst liefere und diese dann nach England schicken. Gehalt und Arbeitsvertrag wolle er ihr nach einigen Wochen Probezeit zukommen lassen.

Die 49-Jährige war begeistert und übermittelte ihren Namen und ihre Adresse. Bald lieferte ein Kurierdienst die ersten Pakete, die sie etikettierte und nach England schickte – die jeweiligen Adressen waren ihr zuvor per E-Mail zugesandt worden.

Nach einigen Tagen erlebte die Frau eine böse Überraschung: 500 Euro stellte ihr der Kurierdienst in Rechnung – für den Lieferservice, den sie nicht in Auftrag gegeben hatte, sondern den der unbekannte Arbeitgeber zahlen wollte. Die Frau schaltete die Polizei ein.

Laut Ernst Neuner, Fachdienststellenleiter für Computer- und Internetkriminalität der Münchner Polizei, hatte der Unbekannte den Kurierdienst mit dem Namen der Frau beauftragt und die Nummer einer Visacard angegeben, die der Frau aber nicht gehört.

Das ist aber wohl nur der Anfang: Neuner rechnet damit, dass die 49-Jährige demnächst weitere Rechnungen bekommt – für hochwertige Elektrogeräte, die in den Paketen waren. Denn die Polizei vermutet, dass auch die Geräte mit dem Namen der Frau eingekauft worden sind.

Noch unklar ist, wieviele Pakete das waren. Neuner: „Die Frau hat den Überblick verloren.“ Ebenso unklar ist, warum die Online-Firmen, bei denen die Elektroartikel gekauft worden waren, diese ohne vorherige Zahlung verschickten. Neuner vermutet, dass einige Geräte vom Betrüger bezahlt wurden, um einen Vertrauensbonus als zuverlässiger Kunde zu erwerben.

Sollten tatsächlich Rechnungen für die Elektrogeräte ins Haus flattern, über die sich jetzt vermutlich der Unbekannte in England freut, hätte die Frau Glück im Unglück: „Der Schaden dürfte bei den Online-Unternehmen liegen, weil sie keinen Nachweis eingefordert haben, dass der Besteller wirklich existiert“, erklärt Jurist Markus Saller von der Verbraucherzentrale Bayern. Die 500 Euro für den Lieferdienst muss laut Saller die Frau bezahlen, wenn sie diesen doch selbst beauftragt haben sollte. Die Polizei fahndet nach dem Betrüger. pbst

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