Auszeichnung für Das Museum Ägyptischer Kunst

Barrierefreies Museum: Kunst zum Anfassen

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München - Anfassen erwünscht! Im Museum Ägyptischer Kunst können Blinde Steine und Skulpturen ertasten. Wie sich das anfühlt, erlebte eine Gruppe Journalisten bei einer Führung. Als erstes Museum im Freistaat wurde die Einrichtung mit dem Siegel „Bayern barrierefrei“ ausgezeichnet.

Auf dem Tisch steht eine Skulptur aus Stein, etwas größer als eine Milchtüte. Der Sockel eckig, der Stein rau. Aber was befindet sich auf dem Sockel? Mit verbundenen Augen nicht leicht zu ertasten. Die Figur fühlt sich symmetrisch an. Links und rechts auf halber Höhe könnte jeweils ein Arm sein. Vielleicht eine sitzende Katze? Falsch! Ein in Stein gehauenes Relief einer ägyptischen Figur stellt die Testpersonen ebenso vor ein Rätsel.

Der Anfassraum des Ägyptischen Museums macht antike Kunst greifbar. Blinde und Sehbehinderte können hier die Entstehung einer Statue tastend nachvollziehen. Tafeln mit Braille-Schrift liefern stichwortartig Erklärungen, dazu gibt es eine Audio-Führung. Geeignet sei der Anfassraum auch für Familien mit Kindern, die sonst in Museen die Ausstellungsstücke eben nicht anfassen dürften, sagte Direktorin Sylvia Schoske am Montag.

Die Ausstellungstische sind so konstruiert, dass Rollstuhlfahrer mit den Knien darunter fahren können und so den Exponaten ganz nahe kommen. Staatssekretär Johannes Hintersberger (CSU) probierte es selbst aus. „Barrierefreiheit ist ein Thema, das uns jeden Tag berühren muss“, sagte er. Deswegen sei es bei der Planung und Umsetzung des Museumsneubaus von Anfang an eingebracht worden.

Mit seinem Engagement für Barrierefreiheit nimmt das Ägyptische Museum eine Vorreiterrolle in Bayern ein – und hat dafür das Siegel „Bayern barrierefrei“ der bayerischen Staatsregierung verliehen bekommen. Staatssekretär Hintersberger überreichte die Auszeichnung an Museumsleiterin Sylvia Schoske. Für die Direktorin geht Barrierefreiheit weit über Aufzüge, Behinderten-WCs und ausleihbare Rollstühle oder Gehstöcke hinaus. So gibt es im Auditorium und neuerdings auch im Kassenbereich eine induktive Anlage, die Hörbehinderten das Verstehen erleichtert. Erklärungen in Braille-Schrift finden sich nicht nur im Anfassraum, sondern im gesamten Museum. Ebenso eine im Boden eingelassene Leitlinie aus Metall, an der sich Gehbehinderte mit dem Stock orientieren können. Führungen für Seh- oder Hörbehinderte sowie für Menschen mit kognitiven oder psychischen Einschränkungen runden das Angebot ab. So habe eine Inklusionsklasse des Gisela-Gymnasiums mit hörbehinderten Schülern einen Multimediaguide entwickelt, der Ausstellungsstücke mit Video, Sprecher, Untertiteln und Gebärdendolmetscher erklärt, sagte Schoske.

Die Ideen, um noch mehr Barrierefreiheit zu schaffen, gehen Schoske und ihrem Team nicht aus. „Wir haben gelernt: Es wird nie fertig sein. Hier und da könnte man immer noch etwas verbessern“, sagte die Direktorin. Zurzeit seien unter anderem Tafeln mit Erklärungen in einfacher Sprache in Vorbereitung.

Auch andere Museen legen Wert auf Barrierefreiheit in ihren Häusern. Das Deutsche Museum beispielsweise ist barrierefrei zugängig. „80 Prozent unserer Ausstellungen sind über Rampen und Aufzüge erreichbar“, sagte eine Sprecherin. Auch Restaurant und Café. Für blinde und sehbehinderte sowie gehörlose Besucher bietet das Museum auf Nachfrage entsprechende Führungen an. Nach und nach soll die Barrierefreiheit verbessert werden.

Ähnlich ist die Situation in den Pinakotheken. So seien die Pinakothek der Moderne und das Museum Brandhorst als Neubauten von vornherein auf Barrierefreiheit ausgelegt worden, sagte eine Sprecherin. „In der Alten Pinakothek ist das natürlich schwieriger.“ Rampen und Aufzüge gebe es aber auch da. Im Zuge der anstehenden Sanierung soll in der Neuen Pinakothek die Barrierefreiheit optimiert werden.

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