Wolfgang A. Herrmann, TU-Präsident, will das Verfahren „optimieren“ kh

TU muss Zulassungsverfahren korrigieren

München - Das Verfahren, mit dem die TU München Bewerber auf ihre Eignung fürs Studium prüft, verstößt nach Ansicht des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs gegen den Grundsatz der Chancenoffenheit.

Geklagt hatte ein Abiturient, der von der Technischen Universität (TU) nicht zum Bachelorstudium im Fach Architektur zugelassen worden war.

Sommer 2009: Peter F. (Name geändert) bewirbt sich an der TU für das Wintersemester 2009/2010. Sein Abitur ist durchschnittlich, in den für das Studium relevanten Fächern hat er meist ein „befriedigend“. Mehrere Jahre ist F. in Großbritannien zur Schule gegangen – Englisch beherrscht er fließend. Ein Vorteil, glaubt er, denn „sprachliche Ausdrucksfähigkeit in mindestens einer Fremdsprache“ gehört zu den Anforderungen der Uni an Architekturstudenten. In Kunst – von besonderer Bedeutung für Architekten – hat F. in seinem letzten Schuljahr in Deutschland, der 10. Klasse, die Note „sehr gut“ bekommen.

Im Juli erhält F. den TU-Bescheid. Er sei nicht zugelassen, heißt es darin. Der Grund: Der aus F.s Abi-Zeugnis errechnete relevante Notenschnitt war schlechter als 2,75. Damit galt er nach dem aktuellen „Eignungsfeststellungsverfahren“ der TU als „nicht geeignet“.

Die TU wählt ihre künftigen Studenten in zwei Stufen aus. In der ersten Stufe werden Bewerber mit guten Noten direkt zugelassen, die mit schlechten Noten werden abgelehnt. Jene, die dazwischen liegen, werden in der zweiten Stufe zu einem Auswahlgespräch geladen, auf dessen Basis dann zusätzlich zu den Abiturnoten über die Zulassung entschieden wird.

F. wollte sich mit seiner Nicht-Zulassung nicht abfinden. Es sei „zweifelhaft“, ob mit den Schulnoten die Eignung „zuverlässig überprüft werden“ könne, argumentierte er und reichte Klage ein. Das Verwaltungsgericht entschied im September, dass die TU Peter F. vorläufig für das Wintersemester zulassen muss – bis das Gericht in der Hauptsache entschieden hat. Die TU legte dagegen aber Beschwerde ein, so dass der VGH nun im Eilverfahren entscheiden musste.

In ihrem Beschluss machten die Richter deutlich, dass sie das aktuelle Zulassungsverfahren für mangelhaft halten. Zwar dürften Universitäten durchaus die Eignung der Bewerber für die speziellen Anforderungen des Studiengangs überprüfen. Doch es stehe den Hochschulen nicht frei, den Zugang „durch Eignungsfeststellungen uneingeschränkt zu begrenzen“. Bewerbern dürfe jedenfalls „nicht die Möglichkeit verwehrt werden, ihre Eignung auch durch außerhalb der Schule erworbene einschlägige Fähigkeiten nachzuweisen“, so die VGH-Richter. Sonst bestehe die Gefahr einer Aushöhlung des Rechts auf freie Wahl des Studiums.

Weil anzunehmen ist, dass die Richter in der nun folgenden Hauptverhandlung zum gleichen Schluss kommen, muss die TU ihr Zulassungsverfahren wohl ändern – und damit auch alle bayerischen Universitäten, die dasselbe Verfahren praktizieren. Er rege eine „Optimierung des bayerischen Zulassungsrechts an“, erklärte TU-Präsident Wolfgang A. Herrmann am Mittwoch. Künftig sollten bereits in der ersten Stufe des Verfahrens besondere Fähigkeiten berücksichtigt werden. Das sei bis 2008 auch der Fall gewesen, dann aber durch eine Gesetzesnovelle unterbunden worden. Generell werde sich aber die Eignungsprüfung auch künftig aus Abiturnoten und studiengangspezifischen Qualifikationen zusammensetzen, betonte Herrmann. Das Verfahren habe zu „erheblich besseren Studienerfolgsquoten“, sprich weniger Abbrechern, geführt.

Caroline Wörmann

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