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Mutige Retter bangen um eigene Gesundheit

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Belobigt: Mathias K. (24, li.) und Sebastian H. (23) haben den Gewalttäter niedergerungen und entwaffnet.
Belobigt: Mathias K. (24, li.) und Sebastian H. (23) haben den Gewalttäter niedergerungen und entwaffnet. © Klaus Haag

München - Sie haben eingegriffen, als andere in Not waren. Doch nun müssen die beiden Helden Mathias K. (24) und Sebastian H. (23) selber um ihre Gesundheit bangen. Ein von ihnen überwältigter Gewalttäter hatte sie gebissen - und womöglich mit Hepatitis C infiziert.

Es war Freitagnacht auf der Wiesn, 26. September, kurz nach 23 Uhr, als die beiden Freunde vor der Ochsenbraterei in der Wirtsbudenstraße ein paar Schokofrüchte kaufen wollten. „Plötzlich taumelte einer mit Blut am Hals auf uns zu“, erinnert sich Sebastian H. „Dann sahen wir auch schon den Typ mit dem Springmesser.“ Bei ihm handelt es sich um einen 33 Jahre alten Serben, der auf der Suche nach Streit einen 18-jährigen Pakistani und einen 22 Jahre alten Inder angepöbelt und mit dem Messer attackiert hatte. Dem 18-Jährigen rammte er das Messer gegen den Oberschenkel. Glücklicherweise wurde der Stich durch das Handy, das der 18-Jährige in seiner Hosentasche trug, abgeblockt, so dass er unverletzt blieb. Dem Inder zog der Serbe das Messer über die rechte Halsseite und verpasste ihm so eine blutende Wunde.

Vor der Ochsenbraterei kam es auf der Wirtsbudenstraße zu der Messer-Attacke durch den 33-jährigen Serben.
Vor der Ochsenbraterei kam es auf der Wirtsbudenstraße zu der Messer-Attacke durch den 33-jährigen Serben. © Marcus Schlaf

Dies war der Moment, da Mathias K. und Sebastian H. auf die Situation aufmerksam wurden. Ohne zu zögern packten die beiden Freunde den Angreifer: „Wir haben ihn am Kopf und am Arm fixiert und angeschrien, dass er das Messer fallen lassen soll“, erzählt Mathias K. „Doch der hat sich heftig gewehrt und gebissen.“ Sebastian H. erlitt dabei eine blutige Bissverletzung am Unterarm, Mathias K. an der Schulter. Schon die Sanitäter vor Ort sagten, dass sie die Bisswunden dringend untersuchen lassen sollen. Seit der Gewalttat sind fünf Wochen vergangen, Gewissheit haben die beiden Retter aber noch nicht. „Wegen der möglichen Hepatitis-Infizierung müssen wir uns noch behandeln lassen“, sagt Sebastian H. Eine endgültige Gewissheit, ob sie womöglich angesteckt wurden, werden sie erst in ein paar Wochen haben.

Hepatitis C ist eine Entzündung der Leber, die durch das Hepatitis-C-Virus verursacht wird. Die Erkrankung wird vor allem durch Blut übertragen. Etwa 70 Prozent der Fälle verlaufen chronisch, was heißt, dass die Erkrankung länger als sechs Monate dauert. In Deutschland sind etwa 0,4 bis ein Prozent der Bevölkerung Träger des Virus. Hepatitis C ist nach zu großem Alkoholkonsum die zweithäufigste Ursache für Leberzirrhose und Leberkrebs. Eine Impfung existiert nicht.

Trotz ihrer ungewissen Situation bereuen Mathias K. und Sebastian H. ihr Handeln nicht. „Wenn mich jemand verletzt, hoffe ich ja auch, dass jemand hilft“, sagt Sebastian H., der wie Kumpel Mathias Fahrzeugtechnik an der Hochschule München studiert. Schon davor haben sich die beiden bei einer Lehre zum Kfz-Mechatroniker kennen gelernt.

Für ihre Zivilcourage wurden Mathias K. und Sebastian H. am Mittwoch im Polizeipräsidium ausgezeichnet. Beide erhielten neben einer Dankesurkunde je 200 Euro von Kriminaldirektor Harald Pickert. Der Serbe sitzt seit seiner Tat in Untersuchungshaft. Gegen ihn wird wegen des Verdachts des versuchten Totschlags ermittelt.

Sven Rieber

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