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Nichts geht mehr: Die Geldkarten-Schlitze der mobilen MVG-Automaten sind zugeklebt.

Nahverkehr

MVG mustert die Geldkarte aus

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München - Die Münchner Verkehrsgesellschaft hat ihr Angebot zum Fahrplanwechsel an etlichen Stellen verbessert. Doch ein Service ist gestrichen worden: Die Geldkarte ist in U-Bahn, Bus und Tram nichts mehr wert – zum Ärger jener, die sie gern genutzt haben.

Es war praktisch: Wer auf seiner EC-Karte den Geldkarten-Chip hatte, brauchte sich nie um passendes Kleingeld zu kümmern. Einfach Geldkarte einstecken, und der fällige Betrag wurde abgebucht – mit einem Zuckerl: Geldkarten-Nutzer bekamen die Einzelfahrt zum Streifenkarten-Preis.

Doch das ist Vergangenheit. Die Geldkarten-Schlitze der Ticketautomaten in Bussen und Trambahnen sind zugeklebt. Ein Aufkleber wirbt hier für die Smartphone-App „MVG Fahrinfo“. Warum der Schlitz zugeklebt wurde, erfährt der Fahrgast an dieser Stelle nicht.

„Ein Hinweis wäre mehr als angebracht gewesen“, grollt MVG-Kunde Paul Peter P. in einem Schreiben, das der Redaktion vorliegt. „Kundenfreundlich ist diese ,Nacht-und-Nebel-Aktion‘ ganz und gar nicht“.

In der Tat hat die MVG den Ausstieg aus der Geldkarte eher sparsam kommuniziert. Ein Hinweis an die Medien ging vielfach im vorweihnachtlichen Trubel unter. Doch ganz überraschend kam die Abkehr von der Bezahltechnik nicht: Bereits im Herbst 2014 hatte das schöne Bild der sicheren bargeldlosen Bezahlmethode Risse bekommen: Damals brachten die Banken Geldkarten mit einem neuen Chip heraus, die in den alten Automaten nicht mehr funktionierten. Etwa die Hälfte der mobilen MVG-Automaten in Bussen und Bahnen waren damit für die Besitzer neuerer Geldkarten wertlos. Nur in den neueren Geräten und in stationären Automaten an den Bahnhöfen funktionierten die neuen Karten noch. Gleichzeitig gaben Volks- und Raiffeisenbanken bekannt, dass sie aus dem Geldkartensystem aussteigen wollen. Seit 1. Oktober 2014 werden hier nur noch EC-Karten ohne Geldkarten-Chip ausgegeben. Das System werde im Verhältnis zu den Kosten, die es verursache, zu wenig genutzt, hieß es zur Begründung.

Keine Nachfrage nach der Geldkarte mehr

„Das System Geldkarte hat keine Zukunft mehr“, konstatiert jetzt auch die MVG. Die Nachfrage sei kontinuierlich zurückgegangen und tendiere inzwischen gegen Null. „In den letzten Monaten lag der Umsatzanteil der Geldkarte am MVG-Automatenverkauf bei lediglich 1,5 Prozent“, heißt es in einer Mitteilung des Münchner Verkehrsunternehmens. „Schon in den Jahren zuvor sei die Nachfrage äußerst gering gewesen, 2014 zum Beispiel zwischen 2 und 3 Prozent. Auch andere Verkehrsunternehmen, etwa die Hamburger Hochbahn, hätten sich aus diesem Grund schon vor einiger Zeit von der Geldkarte verabschiedet.

Die MVG verweist darauf, dass es immer mehr alternative Angebote zur bargeldlosen Zahlung gebe. „Insbesondere die EC-Karte zeigt eine deutliche Zunahme als Zahlungs-mittel“, beobachtet das Unternehmen. Die stationären Automaten an Haltestellen und in Bahnhöfen würden bereits seit 2010 durch EC-und kreditkartentaugliche Automaten ersetzt. Auch in ersten neuen Bussen und Trambahnen sind Automaten mit Internetanbindung montiert, in denen man mit EC- und Kreditkarte bezahlen kann. „In Kürze“ wolle man damit beginnen, auch die alten mobilen Ticketautomaten auszutauschen.

Ferner verweist die MVG auf das Handy-Ticket. Seit dessen Einführung im Dezember 2013 seien damit knapp 2,5 Millionen elektronische Fahrscheine verkauft worden. Der Umsatzanteil liege bereits bei rund sieben Prozent.

Enttäuschung für Geldkarten-Fans

Für Technik-Skeptiker sind das nur bedingt Alternativen. Der Charme der Geldkarte liegt für sie unter anderem darin, dass es als ausgeschlossen gilt, das Hacker über diese Karte auf das Bankkonto des Benutzers zuzugreifen. Den Verdacht, dass dies bei EC- und Kreditkarten möglich sei, konnten die Banken dagegen nie ausräumen.

Die gute Nachricht für Geldkarten-Nutzer: Außerhalb des MVG-Reichs ist diese Bezahlmethode noch in Betrieb. Die Geldkarte funktioniere nach wie vor an den Automaten der S-Bahn, und es gebe keine Pläne, das zu ändern, teilte die Bahn auf Anfrage mit. Auch die städtischen Parkautomaten akzeptieren die Geldkarte – oft auch dann, wenn Münzen nur noch durchfallen. Man habe nicht vor, daran etwas zu ändern, heißt es im Baureferat. Die Zahlen gehen allerdings auch hier zurück: Im vergangenen Jahr lag der Anteil der Geldkarten-Zahlen bei mageren vier Prozent.

Beim Unternehmen „Euro Kartensysteme“, das die Geldkarte im Auftrag der Banken betreut, will man von einem Sterben der Geldkarte nicht reden. Mit der neuen kontaktlosen Technik „girogo“ solle der Markt vielmehr erweitert werden, heißt es.

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