Bürgermeister will Preise deckeln

Kommt jetzt die MVV-Preisbremse?

  • schließen

Die Bierpreisbremse ist vom Tisch - doch kommt stattdessen die MVV-Preisbremse? Josef Schmid plädiert dafür, vorerst die Preise nicht zu erhöhen.

München - Im Rathaus bahnt sich der nächste Zwist um einen Deckel an. Diesmal geht es aber nicht ums Bier, sondern um die Preise für die MVV-Tickets. Wegen der Wiesn-Reform hatten sich mehrere Stadträte beklagt, weil sich Bürgermeister Josef Schmid (CSU) mit seinen Vorschlägen ohne vorherige Absprache an die Öffentlichkeit gewandt hatte. Jetzt macht Schmid den nächsten Vorstoß: Die Preise für die MVV-Tickets sollen ein Jahr lang nicht erhöht werden. Danach steht beim Verkehrsverbund ohnehin eine Reform ins Haus.

Null-Runde dank Fahrgast-Zuwächsen

Schmid sagte am Rande der Vollversammlung: „Wir können eine Nullrunde fahren.“ Dies habe auch nicht zur Folge, dass es im Öffentlichen Personennahverkehr keine Verbesserungen oder Ausweitungen des Angebotes mehr gebe. „All das lässt sich allein durch die Fahrgast-Zuwächse finanzieren“, sagte Schmid. Der Wirtschaftsreferent und Bürgermeister kündigte an, mit der SPD im Rathaus Gespräche aufzunehmen. Doch die Genossen scheinen verschnupft, weil Schmid erneut zunächst an die Öffentlichkeit geht und erst danach mit dem Kooperationspartner spricht. Anders lässt sich zumindest der spöttische Antrag von SPD-Fraktionschef Alexander Reissl nicht erklären. Er fordert die Verwaltung auf, zu prüfen, ob es nicht möglich wäre, künftig gar nichts mehr für das Ticket zu zahlen. Reissl: „Der Preisdeckel etabliert sich in München zu einem populären kommunalpolitischen Instrument. Warum so viel Kleinmut? Ja zum großen Wurf. Freifahrt statt Preisdeckel!“ Schmid reagierte verärgert. „Das ist lächerlich und kindisch.“

Das Bizarre dabei: Im Vorjahr hatten die Landräte der MVV-Gemeinden in der Gesellschafterversammlung gefordert, ein Jahr lang die Preise nicht zu erhöhen. In dem Gremium sitzen neben den Landräten auch Vertreter der Landeshauptstadt und des Freistaates. Und an eben jenen scheiterte im Vorjahr die Nullrunde. Will heißen: Es besteht heuer tatsächlich die Möglichkeit, dass es mal nicht zu einer Erhöhung der Ticketpreise kommt – zumindest bis zur MVV-Reform.

Lesen Sie auch: S-Bahn-Fahrgast erbost - sein drastisches Verspätungsprotokoll 

Neues Senioren- und Jugendticket 

Dazu hat der Stadtrat im Übrigen am Mittwoch einen Beschluss gefasst. Auf Antrag der SPD-Fraktion soll sich OB Dieter Reiter (SPD) bei der Staatsregierung für ein pauschales Jugendticket einsetzen. Zudem soll künftig das Seniorenticket nicht ans Alter, sondern an den Renteneintritt gekoppelt werden. Und schließlich soll die Verwaltung prüfen, inwieweit Ermäßigungen für Menschen mit geringem Einkommen zusätzlich oder statt der bisherigen Angebote möglich sind. Simone Burger (SPD): „Wir wollen den ÖPNV attraktiver und gerechter machen. Alle sollen sich Mobilität leisten können.“

Am Mittwoch hatte der Stadtrat eine andere Preisbremse, nämlich die Bierpreisbremse für die Wiesn, abgelehnt. Auch sie war eine Idee von Bürgermeister Josef Schmid. 

Rubriklistenbild: © Klaus Haag (Symbolbild)

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Polizei auf Oktoberfest: Italiener sind gar nicht so schlimm
Zur „festa della birra“ kommen traditionell Zehntausende Italiener nach München. Mit ihnen reisen Polizisten aus Italien auf das Oktoberfest. Das hat einen guten Grund.
Polizei auf Oktoberfest: Italiener sind gar nicht so schlimm
S-Bahn: Probleme bei der S8 wegen Polizeieinsatz 
In unserem News-Ticker informieren wir Sie über Störungen auf Münchens S-Bahn-Linien. Am Donnerstagmorgen gab es eine Störung auf der Stammstrecke. 
S-Bahn: Probleme bei der S8 wegen Polizeieinsatz 
Kommentar: Mieter sind keine Spekulationsobjekte
Die Wohnungsnot ist auch im Wahlkampf Thema. Die Mietpreisbremse erweist sich immer mehr als Flop. Und auch Immobilienkäufe werden immer unerschwinglicher. Unser …
Kommentar: Mieter sind keine Spekulationsobjekte
Bundestagswahl: Die Direktkandidaten der vier Münchner Wahlkreise im Überblick
Bei der Bundestagswahl sind 923.820 Münchner aufgerufen, in vier Wahlkreisen ihre Stimmen abzugeben. In einer Serie stellen wir die Direktkandidaten vor. Hier finden Sie …
Bundestagswahl: Die Direktkandidaten der vier Münchner Wahlkreise im Überblick

Kommentare