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Droht dem Semesterticket bereits nach drei Jahren das Aus?

Aus für das Semesterticket?

MVV-Chef: "50 Prozent Preiserhöhung sind nicht umsetzbar"

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München - Eine Preisexplosion – oder gar das Aus? Die Verhandlungen über die Zukunft des Semestertickets gestalten sich zäh. Hier erklärt MVV-Chef Alexander Freitag, warum er an eine Zukunft der Karte glaubt.

Herr Freitag, können Sie versprechen, dass es im Herbst noch ein Semesterticket geben wird?

Alexander Freitag, Chef des MVV München

Alexander Freitag:Das Semesterticket wird es auch noch im Herbst geben, und zwar aus vielen Gründen: Es trifft genau die Bedürfnisse der Kundengruppe der Studierenden, das zeigt die Marktdurchdringung von rund 75 Prozent. Es wird von den MVV-Gesellschaftern verkehrspolitisch unterstützt, allen voran vom Vorsitzenden der Verbundgremien, OB Dieter Reiter.

Was macht Sie außerdem zuversichtlich?

Freitag:Der dreijährige Pilot seit Einführung des Tickets zum Wintersemester 2013/14 verläuft erfolgreich, eine wichtige Voraussetzung für eine Verstetigung des Angebotes liegt also vor. Die zweigliedrige Struktur des Semestertickets mit Unterteilung in einen verpflichtend zu zahlenden Solidarbeitrag für alle Studierenden von derzeit 62,50 Euro und ein mögliches Aufpreisticket von derzeit 157,60 Euro hat sich bewährt. Auch die Verbundverkehrsunternehmen stützen das Angebot, wenn sie dadurch keine Einnahmenverluste erleiden oder Ihnen Einnahmenverluste über die öffentliche Hand ausgeglichen werden – hier liegt die Krux.

Angeblich drohen bis zu 50 Prozent Aufschlag. Verstehen Sie die Aufregung unter den Studenten?

Freitag:Diese Aufregung kann ich sogar sehr gut verstehen. Die 50-Prozent-Forderung kann ich aber weder bestätigen, noch dementieren. Sie ist am Rande einer Sitzung des Regionalen Planungsverbandes am 10. März, die die Tarifstrukturreform als Thema hatte, in die Welt gesetzt worden. Dies aber nicht vom MVV oder den beteiligten Verkehrsunternehmen. Darauf hat das Studentenwerk an den Kultusminister einen Brandbrief geschrieben und auch der Arbeitskreises Mobilität der Studierenden hat eine kritische Pressemeldung herausgegeben. Eine Preiserhöhung in der genannten Größenordnung hält auch der MVV für nicht umsetzbar und auch für nicht marktverträglich. Nach meiner Einschätzung wird so ein Vorschlag auch nicht kommen, weil er das Ende des Tickets bedeuten könnte – was keiner will.

Können Sie uns den Konflikt nochmal erklären: Was ist eigentlich das Problem?

Freitag:Mit dem Aufpreisticket erwerben die Studierenden eine verbundweit gültige Netzkarte für ein halbes Jahr. Selbst mit dem verpflichtenden Solidarbeitrag kann man schon von Montag bis Freitag von 18 Uhr bis 6 Uhr, an Samstagen, Sonn- und Feiertagen sogar ganztägig fahren. Dieses Angebot ist günstig kalkuliert und war in dieser Form nur durch eine Bürgschaft der Landeshauptstadt zum Ausgleich der Mindereinnahmen umsetzbar. Bei einer Verstetigung des Angebotes streben wir eine bessere Kostendeckung an.

...also soll es teurer werden.

Freitag:Darüber wird gerade mit den Unternehmen verhandelt. Als Verhandlungsbasis dient auch das gemeinsam von MVV und den Verbundverkehrsunternehmen beauftragte und bezahlte Gutachten. Die S-Bahn und die MVG haben sich mit einer Pressemeldung vom letzten Freitag hinter das Gutachten gestellt, für den MVV hingegen sind noch einige Fragestellungen offen. Inzwischen hat es auch hierzu eine weitere Abstimmung mit den Unternehmen gegeben und wir streben an, dem Studentenwerk gegenüber zeitnah ein gemeinsames Angebot abzugeben.

Was könnte angemessen sein?

Freitag:Auch der MVV ist der Meinung, dass eine Preiserhöhung notwendig ist. Wie die aussehen soll, darüber wird derzeit gerungen. Die Verkehrsunternehmen wollen nicht, dass ihnen durch das Semesterticket Mindereinnahmen entstehen – eine verständliche Haltung. Wenn doch, verlangen sie einen Ausgleich durch die öffentliche Hand, wie in der Probephase bereits geschehen. Das sind die Positionen, zwischen denen wir einen gangbaren Weg suchen.

Wie könnte ein Kompromiss aussehen?

Freitag:Ziel ist es , dass wir innerhalb der beiden kommenden Wochen ein Angebot abgeben und das Studentenwerk dann über die Annahme entscheiden kann. Die nächsten Gespräche mit dem Studentenwerk werden schon am Donnerstag geführt.

Angeblich wollen Sie 20 Prozent Erhöhung. Wenn das nötig ist, ist das Semesterticket doch kein Erfolgsmodell.

Freitag:Doch, das ist es schon heute und wäre es auch noch nach einer Preiserhöhung. Konkrete Zahlen will ich hier im Moment nicht in die Welt setzen.

Das Interview führte Felix Müller.

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