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Für manche der Horror pur: Fahrkartenkauf für S-Bahn, U-Bahn, Bus und Tram. 

Das hat nicht nur Vorteile

MVV plant „Modernstes Tarifsystem Europas“

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München - Der MVV will bis Ende des Jahres das „modernste Tarifsystem Europas“ für München und Umland finden. Doch die Auswahl des neuen Modells ist schwierig – jedes hat Vor- und Nachteile.

MVV-Geschäftsführer Alexander Freitag kramt im Geldbeutel und zieht eine Streifenkarte hervor. Dann zückt er das Handy. Das Handy mit dem elektronischen Fahrschein ist die Zukunft, sagt der 62-Jährige. Und die Streifenkarte? Als Papierticket Vergangenheit.

Wenn es doch so einfach wäre: Der Verkauf der Streifenkarte auf dem Handy ist erst angelaufen, im Dezember verkaufte der MVV gerade mal 1000 Stück. Das ist wenig im Vergleich zum traditionellen Papierticket: 2014 wurden hiervon 7,5 Millionen Stück verkauft, fast 100 Millionen Euro erwirtschaftete der MVV damit.

Für MVV-Geschäftsführer Alexander Freitag ist die gute alte Streifenkarte ein Auslaufmodell. 

Ob es die Streifenkarte in Zukunft unverändert geben wird, ist eine der Fragen, die nun die Planungsbüros Civity und Intraplan untersuchen werden. Der Arbeitsauftrag: drei Vorschläge, wie der MVV das „modernste Tarifsystem Europas“ einführen könnte. Streifenkarten, Wochenkarten, Abos, Ausbildungstarife – alles kommt auf den Prüfstand. Bis Jahresende sollen Vorschläge für eine Reform vorliegen, sagte Freitag gestern vor Landräten und Bürgermeistern auf der Sitzung des Regionalen Planungsverbands München. Die Planer werden sich an mehreren Modellen orientieren, von denen aber wohl keines in Reinkultur verwirklicht wird.

Eingeführt werden soll auch ein Sozial- und Jugendticket

Ganz innovativ klingt ein Modell, das der Frankfurter Rhein-Main-Verbund gerade mit ausgewählten Fahrgästen testet: die kilometer- und centgenaue Abrechnung von Fahrten mit Bus oder Bahn per Handy. Das von Freitag präsentierte Beispiel einer Fahrt von hessischen Bickenbach nach Frankfurt ließ aufhorchen – das Preis sank von 11,60 Euro auf 8,92 Euro. Freitag warnte allerdings: Diese Differenz werde jemand zahlen müssen – am Ende wohl der Steuerzahler. Die Landräte hörten das mit Skepsis. Schon jetzt, sagte der Ebersberger Kreischef Robert Niedergesäß (CSU), butterten die acht Landkreise als MVV-Gesellschafter jährlich 40 bis 50 Millionen in den Tarifverbund.

Ein weiteres Modell, das denkbar ist, wäre der so genannte Yieldtarif – gezielte „Angebote in den Randzeiten“, etwa nachts, wenn die S-Bahnen schwächer besetzt sind und Kapazitäten frei haben. Allerdings wird sich die Masse der Pendler, die an feste Arbeitszeiten gebunden ist, kaum darauf einlassen können. Weitere Maßgaben für die Planer sind die Einführung eines Sozial- und eines Jugendtickets – solche Sonderwünsche müssen aber erst einmal finanziert werden. Auch die Erweiterung des Tarifgebiets Richtung Landsberg, Landshut und Rosenheim steht im Raum – das könnte die dortigen Fahrgäste freuen, weil die Fahrkarten dann billiger werden. Die Landkreise müssten aber das entstandene Defizit übernehmen. Freitag sprach von „Zielkonflikten“, die jedes Modell habe.

Fest steht schon jetzt, dass die Planer auf ein einfacheres Tarifgebilde achten müssen. Gewünscht wird „ein Tarif, in dem der Fahrausweis-Erwerb in der Wahrnehmung des Kunden keine Zugangshürde mehr darstellt“. Mit seiner Meinung, der MVV habe schon jetzt „den einfachsten Tarif“, stand der MVV-Geschäftsführer relativ allein. „Ein Warzenschweinvater findet sein Kind auch schön“, entgegnete Münchens OB Dieter Reiter schmunzelnd. „Wir glauben aber, dass der Tarif noch einfacher werden muss.“

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