Stau im Tunnel: Die Kapazitätsgrenzen der Stammstrecke sind mit 30 Zügen pro Stunde erreicht. ddp

MVV: Nur zweite Stammstrecke löst Probleme der S-Bahn

München - Tarifverbund lehnt Südring, Nordtunnel und Fahrgast-Leitsystem ab – Schnelle Umsetzung wegen auslaufender Förderprogramme gefordert.

Der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) hat alle Alternativen zu einer zweiten S-Bahn-Stammstrecke als untauglich zurückgewiesen. Sowohl ein Südring, als auch ein Nordtunnel oder eine Kapazitätserhöhung der bestehenden Stammstrecke würden nicht die Probleme lösen, mit denen die Münchner S-Bahn künftig konfrontiert sei, heißt es in einer Erklärung.

In der vergangenenen Woche hatte der Verkehrsplaner Jürgen Rauch vorgeschlagen, dass mit einem sogenannten Fahrgast-Leitsystem und Bahnsteigtüren die Ein- und Aussteigzeiten bei den S-Bahnen verkürzt werden könnten (wir berichteten). Dabei sollen Anzeigen am Bahnsteig den Fahrgästen signalisieren, an welcher Tür noch am meisten Platz in der S-Bahn ist. So lasse sich die Kapazität der bestehenden Stammstrecke von derzeit maximal 30 Zügen pro Stunde auf 40 erhöhen.

Der MVV räumte ein, dass vor der Einführung des 10-Minuten-Taktes über ein solches System nachgedacht worden sei. Allerdings seien damals auch noch Züge im Einsatz gewesen, in denen man nicht problemlos von einem Wagen zum anderen wechseln konnte. Man sei zu dem Ergebnis gekommen, dass ein solches System wegen hoher technischer Anforderungen und geringer Akzeptanz unter den Fahrgästen nicht sinnvoll sei.

„Statt über unrealistische Möglichkeiten von 40 Zügen je Stunde zu diskutieren, sollte besser mit Druck die Genehmigungsplanung für den zweiten S-Bahn-Tunnel abgeschlossen werden“, heißt es in der Mitteilung. Eine schnelle Umsetzung sei nötig, um noch von auslaufenden Förderprogrammen zu profitieren. Sonst bestehe die „Gefahr, dass bald die notwendigen Gelder nicht mehr zur Verfügung stehen“.

Der hohe Investitionsbedarf und die leeren öffentlichen Kassen sprächen auch gegen einen möglichen Nordtunnel. Dieser Tunnel vom Stadtzentrum Richtung Norden, der nicht nur von S-Bahnen, sondern auch von Regionalzügen, ICEs und einem möglichen Flughafen-Express genutzt werden könnte, würde laut MVV mindestens 2,45 Milliarden kosten und sei im Gegensatz zur zweiten Stammstrecke noch in der Grobplanung.

Auch der Südring sei keine Alternative zu einem zweiten Stammstreckentunnel, weil Pendler über den Südring nicht direkt ins Stadtzentrum gelangen würden, schreibt der MVV. Ein Gutachten, das einen zweiten Tunnel mit dem Südring vergleicht, wird derzeit erstellt. Ergebnisse sollen im Herbst vorliegen. MVV-Geschäftsführer Alexander Freitag appellierte, die zweite Stammstrecke dürfe nicht „verzögert oder gar zerredet werden“.

Philipp Vetter

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