+
Dieses Foto aus Afghanistan schickten Albert Ginthör (li.) und Pouya unserer Redaktion per Handy.

Musiker in Kabul

Nach Abschiebung: Hoffnung auf ein Visum für Pouya

  • schließen

München - Der afghanische Musiker Ahmad Shakib Pouya wurde aus München abgeschoben, daraufhin saß er in einem Hotel in Kabul fest. Nach Tagen des Bangens gibt es gute Nachrichten aus Afghanistan.

Pouya hat in den nächsten Tagen einen Sondertermin bei der Visa-Abteilung der Deutschen Botschaft, bei dem er einen Antrag auf Wiedereinreise stellen kann. „Ich glaube, ich kann bald wieder nach Deutschland“, sagte Pouya unserer Zeitung gestern am Telefon. „Ich hoffe, dass ich bald rauskomme aus diesem Loch.“ Seit Samstag harrt Pouya, Zahnarzt und Musiker, der sechs Jahre in Deutschland lebte, in einem dunklen Hotelzimmer ohne Fenster zur Straße. Draußen patrouillieren bewaffnete Sicherheitskräfte.

Begleitet und unterstützt wird Pouya, 33, von Albert Ginthör, 62, Geiger im Orchester des Münchner Gärtnerplatztheaters. Die Lage habe sich etwas entspannt, sagte Ginthör gestern am Telefon. „Ich habe ein gutes Gefühl.“ Pouya und Ginthör sind gerade von einem Termin bei der Deutschen Botschaft in Kabul zurückgekommen. Ein gepanzerter Geländewagen vom Goethe-Institut hatte sie abgeholt und durch Kabul gefahren. „Ein komisches Gefühl“, sagt Ginthör. Der Termin in der Botschaft war vom Leiter des Goethe-Instituts in Kabul, Ibrahim Hotak, vermittelt worden. Die beiden wurden in der Kulturabteilung empfangen, die Mitarbeiter hätten ein „offenes Ohren für unser Anliegen“ gehabt, sagt Ginthör. Auch der deutsche Botschafter, Walter Haßmann, habe sich informiert gezeigt über Pouyas Fall und „sehr hilfsbereit“. Haßmann habe auch den Sondertermin bei der Visa-Abteilung vermittelt.

Wann der Termin genau ist, soll aus Sicherheitsgründen geheim bleiben. Pouya und Ginthör sind jetzt damit beschäftigt, die nötigen Unterlagen für einen Wiedereinreiseantrag zu sammeln. Dazu zählen sämtliche Anfragen aus Deutschland, die Pouya als Künstler für die Zukunft erhalten hat, das Jobangebot der IG-Metall sowie ein Schreiben von Josef E. Köpplinger, Intendant des Gärtnerplatztheaters. Der möchte Pouya ins Engagement bringen. Albert Ginthör ist seinem Chef dafür „zutiefst dankbar“ – macht sich aber allmählich Sorgen um seine eigene Sicherheit. „Ich kann Pouya hier bald nicht mehr helfen“, sagt er. „Es spricht sich herum, dass ein Deutscher hier ist. Das macht es gefährlich – für Pouya und für mich.“ Ginthör will bald ausreisen, Pouya dann allein abtauchen. Und warten. Er sagt: „Jeder Tag ist wie ein Jahr hier in Afghanistan.“ 

Video: Diese Asylbewerber schiebt Deutschland nach Afghanistan ab

Tobias Scharnagl/snacktv

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Per Mausklick zum Rausch
Hubert Halemba ist Vize-Chef im Münchner Rauschgift-Dezernat. Die Frage der Legalisierung ist für ihn nur ein kleiner Teil des Problems. Größere Sorge bereiten Halemba …
Per Mausklick zum Rausch
Der Hilferuf einer Uroma
Eine Kleinanzeige, oft sind das nur zwei knappe Zeilen. Doch hinter ihnen verbirgt sich manch spannende Geschichte. Zum Beispiel die einer Uroma, die bei dem Versuch …
Der Hilferuf einer Uroma
Oktoberfest: So reagieren Stadt, Polizei und Wirte auf die Anschläge
Nizza, Berlin, London – und nun Barcelona. Die Welt wird immer öfter von furchtbaren Lkw-Attentaten erschüttert. München hat im Vorfeld der Wiesn reagiert: Der …
Oktoberfest: So reagieren Stadt, Polizei und Wirte auf die Anschläge
Dem Terror entkommen: Diese Münchner erlebten den Anschlag in Barcelona 
Münchner berichten, wie sie in Barcelona den Anschlag erlebten – einige waren nicht weit vom Ort der Tat entfernt.
Dem Terror entkommen: Diese Münchner erlebten den Anschlag in Barcelona 

Kommentare