Atomprotest gestern und heute: Auch 1985 demonstrierten Tausende in München. Immer profitieren die Grünen. Juchelka/schlaf

Nach Landtagswahlen: Münchner Grüne im OB-Rausch

München - Nach den Wahlerfolgen der Grünen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz fühlen sich auch die Münchner Ökos im Aufwind. Doch reicht das, um 2014 den OB zu stellen? Die parteiinternen Querelen lassen Zweifel aufkommen.

Da war er wieder, der grüne Überschwang. Er kam um 11.55 Uhr in den Redaktionen an - in Form einer Presseerklärung. „Chance auf OB-Sieg gewachsen“, verkündete die Überschrift. In 17 Zeilen erklärten die Stadtvorsitzenden Nikolaus Hoenning und Katharina Schulze, warum das so ist. Von Bürgerbeteiligung war die Rede und davon, dass die Grünen „inhaltlich sehr gut aufgestellt“ seien.

Vor allem der Regierungswechsel in Baden-Württemberg mit den Grünen als zweitstärkster Fraktion und Winfried Kretschmann als designierten grünen Ministerpräsidenten hat die Münchner Ökos beflügelt. Schon seit geraumer Zeit träumen sie davon, 2014 den OB in München zu stellen und im Stadtrat zumindest auf Augenhöhe mit SPD und CSU zu agieren. Gennauer gesagt: Es sind vor allem die jungen Wilden in der Partei, die das glauben.

Die Voraussetzungen für die Grünen, bei der Kommunalwahl in drei Jahren einen Erfolg einzufahren, sind gewiss besser denn je. Das Zugpferd der SPD, OB Christian Ude, geht in Ruhestand. Die Zahl der Grünen-Mitglieder wächst beständig - allein in den vergangenen zwei Jahren von rund 700 auf nun 1100. Bald unaufhörlich, so scheint es, steigen die Ökos in der Gunst der Wähler. Nicht zuletzt lebt auch noch die Anti-Atomkraftbewegung wieder auf - jetzt, nach dem Gau im japanischen Kernkraftwerk Fukushima.

Die Wahlergebnisse in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz könnten zusätzlich Schub bringen - stünde man sich im grünen Stadtverband nicht selbst auf den Füßen herum. Nicht immer war zuletzt klar, für welche Position die Partei steht: Für Olympia 2018 oder doch dagegen? Die Basis sagte nein, die Fraktion im Rathaus ja. Die Debatte um den zweiten S-Bahn-Stammstreckentunnel förderte ein ähnliches Zerwürfnis zu Tage.

Dahinter steckt ein Generationenkonflikt. Denn meist kämpft Jung gegen Alt oder der Stadtvorstand gegen das Establishment im Rathaus. Schon oft krachte es. So sehr, dass schon eine Psychotherapeutin um Rat gefragt wurde. Der Termin aber platzte.

Auch der jüngste Streit um das Verfahren, einen OB-Kandidaten zu finden, fußt auf dem Konflikt. Der junge Stadtvorstand sprach sich - beseelt vom Wunsch nach Transparenz - für einen Modus aus, bei dem die Kandidaten in Diskussionsforen antreten. Bürgermeister Hep Monatzeder protestierte: Es gebe ja nicht mal einen Gegenkandidaten.

Selbst in der Bewertung der Chancen für 2014 spalten sich Jung und Alt. „Wir werden wachsen und mehr Mandate kriegen“, trommelt Hoenning (39). „Wenn dabei jemand an der Handbremse fummelt, werden wir nicht tatenlos zusehen.“ Andere, oft ältere Grüne äußern hinter vorgehaltener Hand indes Zweifel, dass es klappt mit dem OB. Denn die Partei müsste gewaltig zulegen. Bei der Wahl 2008 kam OB-Kandidat Monatzeder nur auf 3,4 Prozent. Im Stadtrat erhielten die Grünen immerhin 13 Prozent. Die Situation in München sei eben anders als in Baden-Württemberg, meint Fraktionschefin Lydia Dietrich. „Wir haben hier eine traditionell starke SPD.“ Dennoch sollte das Ergebnis in Baden-Württemberg den Münchner Grünen Mut machen.

Auch Hep Monatzeder gibt sich zuversichtlich. Wenn Baden-Württemberg einen grünen Ministerpräsidenten bekomme, „dann sehe ich durchaus Chancen für die Münchner Grünen, den OB zu stellen“, sagt der Bürgermeister. Die Wahl werde aber „in der Mitte gewonnen“. Er meint: im bürgerlichen Spektrum. Es sollte wohl ein Fingerzeig sein, dass mit dem 62-jährigen Winfried Kretschmann in Baden-Württemberg ein nicht mehr ganz junger Herr Ministerpräsident werde. Monatzeder wird im August 60. Er hält sich aber für jung genug, 2014 noch einmal in den Ring zu steigen.

Matthias Kristlbauer

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