Nach Missbrauchsskandal Riekofener Pfarrer im März vor Gericht

Regensburg - Nach dem Missbrauchsskandal im oberpfälzischen Riekofen muss sich der 40 Jahre alte vorbestrafte Ex-Pfarrer der Gemeinde am 13. März vor dem Landgericht Regensburg verantworten.

Die Staatsanwaltschaft hat den Geistlichen wegen 22 sexueller Übergriffe auf einen Ministranten angeklagt. Der Priester ist wegen Kindesmissbrauchs bereits vorbestraft, er saß wegen der neuen Vorwürfe seit August 2007 zunächst in Untersuchungshaft und wurde dann in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen.

Das Bistum Regensburg war wegen des Einsatzes des pädophilen Pfarrers in Riekofen massiv in die Kritik geraten. Die Diözese hatte damit auch gegen entsprechende Richtlinien der Deutschen Bischofskonferenz verstoßen.

Für den Prozess vor der Jugendschutzkammer sei zunächst nur ein Verhandlungstag geplant, sagte ein Regensburger Justizsprecher am Dienstag. Die Richter gehen davon aus, dass das Verfahren wegen des angekündigten Geständnisses des 40-Jährigen schnell beendet werden kann. Der Verteidiger des Priesters hatte erklärt, dass sein Mandant die Taten bedauere. Er werde sich bei dem Opfer entschuldigen und Schadenswiedergutmachung anbieten, sagte der Rechtsanwalt.

Der Priester soll sich Anfang 2004 erstmals an dem damals elf Jahre alten Buben vergangenen haben. Danach soll es zweieinhalb Jahre lang immer wieder zu Missbrauchsfällen gekommen sein. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Schuldfähigkeit des Geistlichen erheblich vermindert war. Der Mann soll deshalb eine Therapie machen. Die Ermittler befürchten ansonsten eine große Wiederholungsgefahr. Die Staatsanwaltschaft hat für den Prozess zehn Zeugen und einen psychiatrischen Sachverständigen benannt.

Der Pfarrer war im Jahr 2000 vom Amtsgericht Viechtach zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden, weil er sich während der Kaplanstätigkeit in Niederbayern bereits an einem Jungen vergriffen hatte. Bereits ab 2001 half der Mann noch während seiner Bewährungszeit als Seelsorger in Riekofen aus, ab September 2004 wurde er dann dort offiziell Ortspfarrer. Mit dem Einsatz des einschlägig vorbestraften Priesters in der Gemeinde hatte das Bistum Richtlinien Bischofskonferenz missachtet, die ausschließen sollen, dass verurteilte Priester später jemals wieder mit Kindern und Jugendlichen arbeiten.

Die Diözese hat ihr Vorgehen damit verteidigt, dass laut eines früheren Gutachtens bei dem Pfarrer angeblich keine pädophile Fixierung vorgelegen habe. Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller hat es immer wieder abgelehnt, sich bei den Bürgern in Riekofen für den Einsatz des Pfarrers zu entschuldigen. Die Gläubigen in dem Ort wussten von der Vorstrafe des Geistlichen jahrelang nichts.

dpa

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