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Überfüllte U-Bahnen: Viele S-Bahn-Fahrgäste mussten, wie hier am Bahnhof Giesing, umsteigen.

Umdenken im Nahverkehr gefordert

So kann‘s nicht weitergehen: Politiker nehmen Bahn in die Pflicht

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Die S-Bahn-Pannenserie der vergangenen Tage reißt nicht ab. Auch am Donnerstag kam es im Bereich der Stammstrecke wieder zu Zugausfällen und erheblichen Abweichungen vom Fahrplan. Jetzt sollen die Pannen politische Konsequenzen haben.

München - Seit Tagen stehen die Münchner wie Pinguine auf den Bahnsteigen. Die Hände tief in die Taschen vergraben, die Wangen im eisigen Wind. München friert - und wartet auf den öffentlichen Nahverkehr. Nach Angaben der Bayerischen Eisenbahngesellschaft hat es seit Anfang des Jahres mehr als 130 Störungen auf den Schienen gegeben.

Nach der S-Bahn-Pannenserie zum Start der Woche sieht die Landtags-SPD die Staatsregierung in der Pflicht. „Das S-Bahn-Chaos wird ein parlamentarisches Nachspiel haben“, verkündete Fraktionschef Markus Rinderspacher, „die Staatsregierung hat die Pendler sehenden Auges dem winterlichen Verkehrsdurcheinander bei der S-Bahn ausgesetzt.“ Verkehrsminister Joachim Herrmann (CSU) reagierte prompt: „Die S-Bahn-Pannenserie ist auch aus meiner Sicht kein Ruhmesblatt der Deutschen Bahn. Die Zuverlässigkeit der S-Bahn muss deutlich besser werden.“

Die Rettung: Eine S-Bahn fährt auf dem Bahnhof Pasing ein.

Jeden Tag neue Probleme bei der MVG

Am Montag hatte es wegen Defekten massive Einschränkungen auf der Stammstrecke gegeben. Am Dienstag legte eine Stellwerkstörung den Bahnverkehr von und zum Flughafen lahm. Am Mittwochmorgen war wegen einer Weichenstörung der Ostbahnhof für etwa eine Stunde gesperrt. Donnerstagvormittag führte eine Signalstörung am Rosenheimer Platz erneut zu Ausfällen. Die Folgen für die Fahrgäste: „unzumutbar“, findet Manuel Pretzl, der Fraktionsvorsitzende der Stadtrats CSU. „Sollte tatsächlich die Kälte für das Chaos verantwortlich sein, erwarte ich, dass die Bahn tätig wird.“

Im vergangenen November hatte Markus Rinderspacher bereits einen 45 Fragen umfassenden parlamentarischen Katalog an die Staatsregierung geschickt, um zu erfahren, wie es um die Winterfestigkeit des Schienenverkehrs in Bayern bestellt ist. Der SPD-Politiker erkundigte sich etwa nach dem Ausbaustand spezieller Heizeinrichtungen in betriebswichtigen Weichen, der Bereitstellung von Schneeräumfahrzeugen und den Kapazitäten für Enteisungsanlagen. Die Fragen blieben jedoch nach Angaben der SPD-Landtagsfraktion größtenteils unbeantwortet. Mit der Begründung, dass es keine Berichts- und Dokumentationspflichten der Eisenbahnunternehmen gegenüber dem Freistaat gebe. Außerdem erklärte Staatssekretär Gerhard Eck, dass „die im Winter entstandenen Zugausfälle deutlich unter den Jahresdurchschnittswerten liegen und somit keine spezielle Problematik im Winter erkennen lassen“.

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Bahn-Sprecher: „Störungen haben verschiedene Ursachen“

Nun hakt die CSU-Stadträtin Evelyne Menges noch einmal nach. In einem Brief an OB Dieter Reiter (SPD) erkundigte sich Menges, ob es zutreffend sei, dass die Infrastruktur der Münchner S-Bahn nicht auf die Kälte ausgelegt sei. „Die eingetretenen Störungen haben viele verschiedene Ursachen, die nicht alle der Kälte zuzuschreiben sind“, erklärt ein Bahn-Sprecher auf Anfrage unserer Zeitung. Man entschuldige sich für die Unannehmlichkeiten. Außerdem wies der Sprecher darauf hin, dass sich mit der App München Navigator alle S-Bahnen innerhalb Deutschlands in Echtzeit verfolgen lassen. „Im Störungsfall erhalten Nutzer eine genaue Übersicht der Zugabfahrten an den jeweiligen Bahnhöfen.“

Während die Deutsche Bahn derzeit an einem langfristigen Konzept arbeitet, pocht Markus Rinderspacher auf sofortige Verbesserungsmaßnahmen. Etwa hinsichtlich der Informationspolitik. Außerdem gehe es um die Frage nach Entschädigungen. Angesichts der aktuellen Pannenserie hat die Bayerische Eisenbahngesellschaft die Deutsche Bahn Netz AG schriftlich aufgefordert, einen konkreten Maßnahmenplan vorzulegen, so Joachim Herrmann. „Wenn das Konzept nicht überzeugend ist, werde ich mich umgehend persönlich bei der Deutschen Bahn und auch im Bundesverkehrsministerium für durchgreifende Verbesserungen stark machen.“

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Überfüllung: Zahlreiche Kunden wollen auf einen U-Bahnsteig.

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Umfrage unter Fahrgästen

„Ich fahre täglich mit der S2 von Grub nach München und was den Fahrgästen da zugemutet wird, ist unerträglich. 40 Minuten lässt man uns in der Kälte frieren, ohne Informationen, ohne Hilfe… Man wird einfach alleingelassen. Mit dem Ersatzverkehr dasselbe. Wenn er überhaupt kommt, dann unangekündigt. Ich habe absolut kein Vertrauen.“
Valeria S. (26), Kinderpflegerin

„Die S-Bahn kommt immer zu spät, man friert in der Eiseskälte - und wenn sich dann mal eine Bahn erbarmt, dann muss man jedes Mal um einen Platz kämpfen. Ich fahre mit der S3 und warte Ewigkeiten in Holzkirchen. Es wäre mal etwas Erfrischendes, wenn die Bahn halten würde, was sie verspricht: Pünktlichkeit.“
Nathalie Heigl (22), Krankenschwester aus München

„Es ist wirklich kalt, liebe Leute von der Bahn! Und wenn ihr es schon nicht schafft, pünktlich einzufahren, dann sorgt doch wenigstens dafür, dass es im Zug warm ist. Mehr heizen, bitte! Aber das ist ja nicht mal das Schlimmste... Man kriegt überhaupt keine Infos. Weder über die App noch - und das ist viel schlimmer - über E-Mail.“
Michael Franik (19), Verwaltungsfachangestellter aus München

Sarah Brenner

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