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Auf eigene Gefahr: Viele Radler missachten schonmal Verkehrsschilder.

„Noch ist München nicht Radlstadt“

Nach tödlichem Rad-Unfall: Das fordern Experten jetzt von der Stadt

Der tödliche Rad-Unfall der kleinen Loreeley hat eine Diskussion über die Verkehrssicherheit der Radler in München ausgelöst. Experten nennen klare Forderungen.

Baustellen, Engpässe und Fahrradwege, die im Nichts enden - der Weg durch die Stadt ist für Radlfahrer oft höchst gefährlich. Brennpunkte in der Stadt gibt es zahlreiche.

Gerade der tote Winkel ist eine der Hauptursachen für schwere oder gar tödliche Fahrrad-Unfälle, wie nun der schreckliche Unfall der kleinen Loreeley (9) wieder zeigt. Das bestätigt auch Dr. Wolfram Hell von der Abteilung Verkehrssicherheit am Institut für Rechtsmedizin der Ludwig-Maximilians-Universität. Hell forscht seit über 20 Jahren zu schweren Unfällen im Straßenverkehr. „Ideal wäre es, wenn wir eine gesetzliche Pflicht für den Einbau von Totwinkel­erkennungssystemen in Lkws hätten“, empfiehlt der Experte, der auch an der Entwicklung eines neuen Verkehrssicherheitskonzepts des Kreisverwaltungsreferats beteiligt ist. Neue Auswertungsmethoden und eine digitale Unfallkarte sollen beim Entschärfen von Unfallschwerpunkten helfen. „Wir wollen mitunter herausfinden, wie die Radverkehrsströme in München sind, um dann Brennpunkte auszuweisen“, so Hell.

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ADFC sieht großen Handlungsbedarf

Ein weiteres Problem ist: Manche Radler halten sich nicht an die Regeln. 2017 ahndete die Polizei in München 14.265 Radl-Verstöße. „Noch ist München Autostadt und nicht Radlstadt“, kritisiert Andreas Groh vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) München. Der Handlungsbedarf sei hoch. Mangels Regelungen - beispielsweise an Baustellen oder an zugeparkten Radwegen - würden sich Radler oft selbst Lösungen suchen. „Man erzieht sie dazu“, so Groh. Breitere Radlwege und der Lückenschluss im Radverkehrsnetz München sind wichtige Forderungen des Vereins.

Die will auch Grünen-Stadtrat Paul Bickelbacher (54). „Wir haben unzählige Strecken mit zu schmalen Bordstein-Radwegen. Entspanntes Radeln erfordert, dass man andere Radler überholen kann, um zügig durch die Stadt zu kommen.“ Positivbeispiel: die abgetrennten Radstreifen auf der Kapuzinerstraße. „Hier hat man sich was getraut - und es funktioniert.“ Solche Leuchtturmprojekte sollte es mehr geben - zum Beispiel an der Lindwurmstraße mit ihren schmalen, schlecht ausgebauten Radwegen. Groh kritisiert, dass die Stadt zu wenig Bereitschaft gezeigt habe, den Radlern mehr Raum zu geben - denn das ginge zu Lasten der Autofahrer.

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Sieht die Stadt in der Pflicht: Andreas Groh vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) München fordert bessere Bedingungen für Radler.

Weiße Ghostbikes sollen an tödlich verunglückte Radler erinnern

Mit weißen Ghostbikes - wie auch jetzt an Loreeleys Unfallstelle - wollen ADFC und ÖDP im Stadtrat an die tödlich verunglückten Radler erinnern. „Unser Ziel ist Vision Zero - also null Verkehrstote und null Schwerverletzte. Dieses Ziel hat die Stadt jetzt zum Glück übernommen“, sagt Groh.

Von dieser Bilanz ist die Realität leider noch weit entfernt. Zwar sind die Verkehrsunfälle mit Fahrradfahrern von 2016 auf 2017 um rund zwei Prozent auf 2862 zurückgegangen - knapp die Hälfte der beteiligten Radler (1314) waren Verursacher oder Teilverursacher. Die Zahl der schwer verletzten Radler erhöhte sich aber um 13 Personen auf 310. Fünf Radfahrer starben vergangenes Jahr bei Verkehrsunfällen (Verkehrstote insgesamt: 27).

D. Schmitt

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