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Nach Unfall: Radler trifft Joachim Gauck

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Von: Steffi Brendebach

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München - Auf dieses Treffen hat Ferhat Akdere lange gewartet: Im Sommer 2010 war er von einem Dienstwagen Joachim Gaucks angefahren und schwer verletzt worden. Jetzt traf er den künftigen Bundespräsidenten.

Update vom 6. Juni 2016: Hört das beliebte Staatsoberhauopt 2017 auf? Bundespräsident Joachim Gauck wird am Montag um 12.00 Uhr eine Erklärung abgeben, ob er sich eine zweite Amtszeit als Bundespräsident vorstellen kann - oder ob er verzichtet. Wir berichten im Live-Ticker von der Gauck-Erklärung.

Der Münchner war am 23. Juni 2010 mit dem Radl unterwegs, als er von einem Dienstwagen der Landtags-SPD erfasst wurde, mit dem Joachim Gauck zum Flughafen gebracht werden sollte. Der damals 29-jährige Akdere lag drei Tage im Koma (wir berichteten). Am Montag gab es ein Wiedersehen mit dem Bundespräsidentschafts-Kandidaten.

Es ging alles ganz schnell. Nach dem Termin im Plenarsaal rauschte Gauck davon, ein Stockwerk tiefer ins Dienstzimmer von Landtags-Vizepräsident Franz Maget. Im Schlepptau: Ferhat Akdere. Ein kräftiger, schwarzhaariger Mann, der leicht humpelte. Der Unfall hat Spuren hinterlassen: „Das Ganze hat mir nicht gut getan“, sagte er.

Was ihm damals auf der Wagmüllerstraße passiert war, wollte er mit Gauck besprechen. Der hatte im Fond des Wagens gesessen. Am Steuer: der erfahrene Chauffeur Ludwig K. (58, Name geändert). Zwischen zwei parkenden Autos war Akdere auf die Straße gefahren, direkt vor den BMW. Der Auto-Fahrer hatte keine Chance auszuweichen. Das sahen auch die Gerichte so: Ein von Akdere angestrebter Prozess wurde eingestellt.

„In den Medien wurde es dann so dargestellt, als ob ich den Wagen gerammt hätte. Aber welcher Radfahrer, der bei klarem Verstand ist, geht denn so ein Risiko ein?“, fragt Akdere. „Solche Anschuldigungen tun mir weh.“ Genauso sagte er es am Montag auch Gauck. Wie der reagierte? „Politisch korrekt“, so der 31-Jährige. Was das heißt? „Nun, Gauck sagte, dass ich noch jung bin und wieder auf die Beine komme.“ Akdere ist überzeugt, dass er heute ein besseres Leben führen würde, wäre der Unfall nicht passiert. Sein Restaurant, dass er Anfang 2011 aufmachte, ging pleite: „Weil sich durch meine Krankheit die Eröffnung verzögerte – da ging das Geld aus.“ Außerdem habe er noch Schmerzen.

Pläne für die Zukunft hat Akdere keine. Nur einen: „Den Chauffeur würde ich gern sprechen, um mit der Sache abzuschließen.“ Ludwig K. versuchte kurz nach dem Unfall, Kontakt zu Akdere aufzunehmen. Damals war der allerdings nicht gesprächsbereit.

Steffi Brendebach

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