Die „modernste Straßenbahn der Welt“ – zumindest laut Hersteller: Für 29 Millionen Euro haben die Stadtwerke acht Avenio-Züge bei Siemens bestellt. In dieser Simulation fahren sie schon durch München. Simulation: mvg / Fkn

Nach Vario-Panne: MVG kauft bei Siemens

München - Wegen der Probleme mit Stadler wechseln die Münchner Verkehrsbetriebe ihren Tram-Hersteller - doch auch das birgt Risiken.

Als die Vario-Tram im März 2009 präsentiert wurde, war sie der ganze Stolz der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG). Doch schnell entpuppten sich die Fahrzeuge der Firma Stadler als Problemkinder: Fehlerhafte Gummiteile in den Rädern sorgten dafür, dass die 14 Straßenbahnen zu einem Fall für die Werkstatt wurden (wir berichteten). Jetzt hat die MVG endgültig genug von den Pannenzügen und setzt in Zukunft auf einen anderen Hersteller.

MVG-Chef Herbert König überreichte Siemens gestern eine Bestellung über acht neue Straßenbahnen im Gesamtwert von rund 29 Millionen Euro. „Weil wir bei den Vario-Zügen keine endgültige Sicherheit haben“, so König, „fiel die Wahl bei diesem Auftrag auf Siemens“.

Sechs der acht Fahrzeuge sollen bereits im Dezember des nächsten Jahres in Betrieb gehen. Weitere zwei Züge sollen ab 2015 auf der geplanten Strecken-Verlängerung zum S-Bahnhof Berg am Laim zum Einsatz kommen. Die Siemens-Züge ersetzen demnach keine alten Modelle, sie ergänzen den Fuhrpark.

Die Suche nach einem neuen Hersteller bereitete der MVG einige Schwierigkeiten. „Da München ein sehr komplexes Verkehrsnetz hat, gab es nur wenige Alternativen“, sagte König. Enge Kurven und eine spitze Kuppe auf einem Streckenabschnitt stellen besondere Anforderungen an die Fahrzeuge. Die Siemens-Bahnen vom Typ Avenio sollen diese Hindernisse überwinden können.

Der Avenio sei eine Neuentwicklung des Münchner Unternehmens, die noch nie zuvor in Deutschland zum Einsatz gekommen ist. Zwar hätten sich die Vorläufer des Fahrzeugtyps in Budapest und Lissabon bewährt, doch ein Restrisiko bleibe. Das gibt auch der MVG-Chef zu: „Ob neue Züge sofort einwandfrei fahren, weiß man nie“, so König. Das Grundkonzept der neuen Bahnen entspreche aber ziemlich exakt jenem von Zügen, die bereits seit Jahren zuverlässig durch München fahren, beruhigte der Chef der Zug-Abteilung von Siemens, Jochen Eickholt.

Bevor die Züge ihre Funktionstüchtigkeit in München unter Beweis stellen können, müssen sie allerdings erst produziert werden. Nur etwas mehr als ein Jahr bleibt Siemens, um die Fahrzeuge in einem Werk in Wien zu montieren, nach Bayern zu liefern und eine Betriebserlaubnis bei der Regierung einzuholen. „Das ist eine echte Herausforderung“, erklärte Eickholt. Den Siemens-Mitarbeitern prophezeite er eine anstrengende Zeit.

Für die Fahrgäste wird sich durch dem Herstellerwechsel wenig ändern. Die - laut Siemens - „modernste Straßenbahn der Welt“ hat mit 215 bis 220 Plätzen praktisch das gleiche Raumangebot wie die Vario-Bahnen. Auch der Hublift für Rollstuhlfahrer an der ersten Tür soll erhalten bleiben.

Eine Neuheit aber gibt es dann doch: Das fast 37 Meter lange Fahrzeug ermöglicht es, die Zahl der Türen auf acht zu erhöhen. Gerade auf stark belasteten Streckenabschnitten soll so das Ein- und Aussteigen beschleunigt werden. Wenn dann auch noch die Räder ohne übermäßige Verschleißerscheinungen rollen, steht der Fahrt nichts mehr im Wege.

Patrick Schwarz

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