In München leben nur wenige Menschen aus Nordafrika.

Nach den Vorkommnissen von Köln 

Straftäter aus Nordafrika? "Wir haben in München kein Problem"

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München - Seit den sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht in Köln sind Straftäter aus Nordafrika in den Fokus gerückt. In Köln laufen die Ermittlungen noch, die Münchner Polizei stellt derweil fest: In der Isarmetropole gibt es bisher kein größeres Problem mit dieser Bevölkerungsgruppe.

„Wir haben in München kein Problem mit Einwohnern oder Asylbewerbern aus den Maghreb-Staaten“, betont Marcus da Gloria Martins, Sprecher der Münchner Polizei. Zwar gab es in München zu Silvester auch fünf gemeldete Vorfälle, drei davon sieht die Polizei aber höchstens am Rande in der Nähe zu den Ereignissen in Köln. Nordafrikaner würden in keinem Deliktsbereich besonders hervorstechen, erklärt der Polizeisprecher. „Es gibt vereinzelt Fälle, wenn auch nicht im Bereich der Sexualdelikte, aber Fakt ist, dass wir kein größeres Problem mit dieser Bevölkerungsgruppe haben.“

Zuständigkeiten auf Bundesländer verteilt

In München sind nur sehr wenige Asylbewerber aus Nordafrika untergebracht. Grund dafür ist, dass die Außenstelle München des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) für die wichtigsten nordafrikanischen Herkunftsländer gar nicht zuständig ist. Deren Asylverfahren werden nach Auskunft eines Bundesamts-Sprechers nicht in München bearbeitet.

Asylsuchende, die aus dem Maghreb in München ankommen, werden in aller Regel gleich in andere Bundesländer verteilt. So werden in Baden-Württemberg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Hessen Asylanträge von Algeriern bearbeitet. Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen bearbeitet Asylanträge aus Marokko, Baden-Württemberg und Sachsen die aus Tunesien. Im Jahr 2015 kamen im Ankunftszentrum München nur rund 190 ägyptische, 590 algerische, 370 libysche, 340 tunesische und 820 marokkanische Staatsangehörige an. Nur die wenigsten blieben in München.

Auch die Anzahl der Nordafrikaner, die fest in München wohnen, ist gering. Laut Statistischem Amt lebten Ende 2014 nur 4679 Einwohner aus Nordafrika an der Isar: 1858 Tunesier 1388 Marokkaner, 993 Ägypter, 257 Algerier und 183 Menschen aus Libyen. Wie viele Jahre sie schon in München wohnen, ist aus der Statistik nicht zu ersehen. Jedenfalls ist ihre Zahl sehr klein angesichts von knapp 394 000 ausländischen Einwohnern. Gerade mal bei 1,2 Prozent liegt der Anteil der Nordafrikaner an der ausländischen Münchner Bevölkerung.

Das sagt die Statistik

Im Verhältnis zu anderen ausländischen Bevölkerungsgruppen begehen Nordafrikaner laut Polizei-Statistik tatsächlich etwas mehr Straftaten. Der Anteil an den von Ausländern begangenen Delikten lag vergangenes Jahr bei drei Prozent, (2014: 2,8 Prozent). Die absolute Zahl nordafrikanischer Beschuldigter lag bei 611 (2014: 549), für eine Millionen-Metropole ist das nicht viel. Ausländerrechtliche Verstöße sind dabei nicht berücksichtigt.

Schwerkriminalität ist eher die Ausnahme. Nordafrikaner würden in München in der Regel als Kleinkriminelle in Erscheinung treten, sagt da Gloria Martins. So sei auffällig, dass am Münchner Hauptbahnhof seit Mitte 2014 der Handel mit Marihuana deutlich zugenommen habe. Viele der Dealer seien aus Afrika. Deshalb würden die Beamten am Bahnhof verstärkt kontrollieren.

Die meiste Arbeit bereiten Nordafrikaner der Polizei mit Diebstählen, Körperverletzungen und Schwarzfahren. Vergangenes Jahr waren 47 von 236 gefassten ausländischen Taschendieben Nordafrikaner – also etwa jeder Fünfte. 2014 war es nur jeder Zehnte (21 von 210). Auffälliger waren 2014 Osteuropäer. Etwa jeder vierte Täter war Rumäne oder Bulgare.

Unabhängig von der Nationalität ist die Zahl nichtdeutscher Tatverdächtiger im Jahr 2014 deutlich gestiegen – um knapp 30 Prozent auf 32 719. Allerdings liegt das maßgeblich an einer Zunahme von Verstößen gegen das Aufenthaltsgesetz. Rechnet man diese Verstöße heraus, ist der Anstieg deutlich geringer. Ohne Aufenthaltsverstöße lag die Quote nichtdeutscher Tatverdächtiger im Jahr 2014 bei 45,5 Prozent (2013: 42,9).

Einwohner mit deutschem Pass, dazu zählen auch Münchner mit Migrationshintergrund, wurden dagegen weniger häufig straffällig: 23.530 Verdächtige wurden registriert (2013: 25.364). Die Zahlen für 2015 liegen noch nicht vor.

Polizei sieht keinen Anlass zum Aktionismus

Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins sieht keinerlei Anlass zu Aktionismus: „Wir leben in München noch immer in der sichersten Millionenstadt Deutschlands, bei manchen Statistiken sogar Europas.“

Das belegen auch die Zahlen. In München kamen 2014 rund 7800 Straftaten auf 100.000 Einwohner. Andere deutsche Städte können davon nur träumen. In Frankfurt sind es mehr als doppelt so viele Straftaten. Köln, Berlin, Düsseldorf und Hannover liegen auch fast im doppelten Bereich. Sogar im scheinbar beschaulichen Bonn ist man zweistellig und blickt vermutlich neidisch gen Süden.

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