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Hohe Frequenz: Zehntausende sind täglich zu Fuß in der Sendlinger Straße unterwegs.  

Geplante Fußgängerzone

Nächste Runde im Streit um die Sendlinger Straße

München - Das Münchner Forum kritisiert die Rathaus-Koalition wegen ihrer Entscheidung, den Fußgängerzonen-Test zu verschieben.

Die Diskussion um die Einrichtung einer Fußgängerzone in der Sendlinger Straße birgt weiterhin Zündstoff. Nach einem Protest von Anwohnern hatte die Große Rathauskoalition beschlossen, die Entscheidung über den geplanten Verkehrsversuch zu verschieben. Nun meldet sich das Münchner Forum zu Wort und kritisiert die Vorgehensweise heftig: „Eine Minderheit von Anrainern der Sendlinger Straße versucht lautstark, die Erweiterung der Fußgängerzone – vordergründig wegen persönlicher Belange – zu verhindern“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Im Prinzip gehe es den Beschwerdeführern darum, möglichst nahe an ihren Wohnungen, Praxen oder Ladengeschäften einen Parkplatz zu finden. Den Interessen weniger Anlieger stehe der Wunsch der „überwiegenden Mehrheit der Münchner“ nach einer Fußgängerzone in der gesamten Sendlinger Straße gegenüber, schreibt der bürgerschaftliche Verein, der sich seit Jahrzehnten mit Fragen der Stadtentwicklung beschäftigt. Dem Vorstand gehören unter anderem Architekten und Stadtplaner an.

Münchner Forum: Umwandlung zur Fußgängerzone möglich

Das Münchner Forum geht von einer ständig wachsenden Zahl von Fußgängern auf der Sendlinger Straße aus. Werktags dürften es etwa 30 000, samstags sogar rund 60 000 Passanten sein. Diese würden durch den fließenden Verkehr und den Park-Such-Verkehr an den Rand gedrängt. In anderen Städten gebe es längst Fußgängerzonen in Quartieren mit Wohnbevölkerung. Auch in München gebe es dafür Beispiele: in der Orlandostraße, am Weißenburger Platz, in der Heiliggeiststraße und am Sebastiansplatz. Nach Meinung des Münchner Forums hat die Stadtverwaltung überzeugend dargelegt, dass die Umwandlung der Sendlinger Straße zur Fußgängerzone möglich ist. Ein von der Stadt beauftragter Gutachter kommt zu dem Ergebnis, dass die Sendlinger Straße funktional ohnehin bereits eine Fußgängerzone sei.

Die Diskussion über die Fußgängerzone läuft schon seit 30 (!) Jahren. Die Verwaltung hatte in ihrer Beschlussvorlage die Zahl der betroffenen Anwohner im Umgriff der geplanten Fußgängerzone auf 379 beziffert, aber auch bereits Ausnahmeregelungen für Anlieger, die ihre Häuser, Tiefgaragen oder Praxen erreichen müssen, skizziert. SPD und CSU verständigten sich dennoch darauf, das Thema im Stadtrat zu vertagen, weil man noch Aufklärungsbedarf für die betroffenen Bürger sah und deren Sorgen ernst nehmen wolle. Gleichwohl möchte die GroKo den einjährigen Verkehrsversuch einführen – allerdings nun eben verzögert.

BA will im Februar Einwohnerversammlung abhalten

Die Verwaltung wollte die Fußgängerzone bereits im März 2016 bis März 2017 einrichten. Danach sollten die Erkenntnisse ausgewertet und über eine dauerhafte Einrichtung entschieden werden. Ein Zeitplan, der nun nicht mehr zu halten sein wird. So wie es aussieht, dürfte der Planungsausschuss den Beschluss über den probeweisen Versuch erst im März 2016 fassen. Zuvor gibt es Informationsveranstaltungen für die Bürger.

Ein Vorgehen, das der Bezirksausschuss (BA) Altstadt-Lehel während seiner jüngsten Sitzung ausdrücklich begrüßte. Dies sei ein gutes Beispiel dafür, dass die Demokratie noch funktioniere und dass die Politik Sorgen und Anregungen von Bürgern aufgreife. Die zahlreichen Anträge bei der Bürgerversammlung zum Aufschub beziehungsweise zur Verhinderung der Fußgängerzone wertete der stellvertretende BA-Chef Wolfgang Püschel (SPD) als Auftrag ans Stadtteilgremium, entsprechend aktiv zu werden. Der BA möchte nun am 18. Februar eine Einwohnerversammlung zum Thema Fußgängerzone in der Sendlinger Straße abhalten.

Die Stadtratsgruppe ALFA (Allianz für Fortschritt und Aufbruch, ehemals AfD) hat unterdessen beantragt, die Sendlinger Straße während des Versuchs in einen „Shared Space“ (gemeinsamer Raum) zu wandeln. Bei dieser Regelung wären alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt, Parkplätze würden teilweise erhalten bleiben, der motorisierte Verkehr allerdings zurückgedrängt werden. 

Klaus Vick

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