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Ende des Jahres soll mit der Sanierung des Landshuter-Allee-Tunnels begonnen werden. Staus werden die Folge sein. 

Mittlerer Ring

Die nächste Staufalle wartet schon

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Der Mittlere Ring ist die staureichste Straße Deutschlands. 93 Stunden verloren Autofahrer dort voriges Jahr im Schnitt. Dank des neuen Luise-Kiesselbach-Tunnels fließt der Verkehr inzwischen flüssiger, doch die nächste Staufalle ist absehbar. Ende des Jahres wird der Landshuter-Allee-Tunnel saniert.

Der Mittlere Ring bleibt die verkehrsreichste Straße Deutschlands. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Auswertung des Verkehrs-Dienstleisters Inrix. Auf den 28 Ring-Kilometern verlieren Autofahrer im Jahr durchschnittlich 93 Stunden. Drei Teilabschnitte befinden sich alleine für sich unter den Top zehn der verkehrsreichsten Straßen im Land.

Laut der Inrix-Studie standen Autofahrer in München letztes Jahr 4,5 Stunden länger im Stau als noch 2014. Rund 53 Stunden mussten sie durchschnittlich im Verkehr warten. Das entspricht einer Verschlechterung der Stausituation um zehn Prozent. Damit klettert München von Platz sechs auf Platz vier der schlimmsten Stau-Städte – hinter Spitzenreiter Stuttgart, Köln und Karlsruhe.

Auf dem Mittleren Ring ist die Situation am Donnerstagabend um 18 Uhr am schlimmsten. Um die 28 Kilometer rund um das Münchner Zentrum zurückzulegen, braucht man dann statt einer halben Stunde etwa eine Stunde und 25 Minuten. Der Verkehr rollt zu dieser Stauzeit nur noch mit 20 Kilometern pro Stunde.

Die Teilstücke zwischen Innsbrucker-Ring-Tunnel Richtung Ifflandstraße, der Lerchenauerstraße Richtung Ifflandstraße sowie der gesamte südliche Ring zwischen Donnersbergerbrücke und Schlüsselbergstraße sind am stärksten belastet und fallen unter die Top zehn der schlimmsten Stau-Straßen Deutschlands. Zwar sorgt der neue Luise-Kiesselbach-Tunnel für eine spürbare Entspannung auf dem südwestlichen Teil des Rings, und auch die Sanierung des Trappentreutunnels südlich der Donnersbergerbrücke ist inzwischen abgeschlossen. Die nächste Staufalle ist aber bereits absehbar. Ende dieses Jahres beginnt die Sanierung des 360 Meter langen Landshuter-Allee-Tunnels. Dies beschloss gestern die Vollversammlung des Stadtrats.

Das Bauwerk aus dem Jahr 1979 ist marode. Es hätte sich angeboten, mit der Sanierung zu warten, bis in einigen Jahren ohnehin der Neubau des Tunnels unterhalb der Landshuter Allee beginnt. Die Sicherheit für Autofahrer ist ohne zeitnahe Maßnahmen allerdings nicht mehr gewährleistet, heißt es von Seiten des Baureferats, denn die Technik ist zum Teil völlig veraltet. Deshalb muss die Stadt nun rund 3,2 Millionen Euro in ein Bauwerk investieren, dessen Tage gezählt sind.

Das Baureferat hofft, dass ein Großteil der neuen Bauelemente, etwa Leuchten oder Schaltanlagen, im Rahmen des geplanten Neubaus wiederverwertet werden können – oder als Ersatzteile für andere Tunnel dienen könnten. Dass ein großer Teil der 3,2 Millionen Euro dadurch gerettet werden kann, ist aber unwahrscheinlich.

Die Bauarbeiten sollen Ende 2016 beginnen und werden rund sechs Monate dauern. Ausgetauscht wird zunächst die Tunnelbeleuchtung, die seit dem Jahr 1978 nicht erneuert wurde. Die Abgase haben der Technik über die Jahrzehnte arg zugesetzt, so dass ein Wechsel der Leuchtstoffröhren nicht mehr möglich ist. Die komplette Anlage muss ersetzt werden.

Das Baureferat schätzt, dass die derzeit eingebauten Leuchtmittel noch 8000 bis maximal 16 000 Stunden arbeiten. Anschließend sei mit dem „irreparablen Ausfall der Tunnelbeleuchtung zu rechnen“. Im Sinne der Gefahrenprävention begann das Baureferat deshalb schon vor dem gestrigen Beschluss des Stadtrats mit der Entwurfsplanung.

Allein für die neue Beleuchtung werden rund 1,6 Millionen Euro fällig. Der zweitgrößte Posten bei der Sanierung des Tunnels ist der Austausch der energietechnischen Schaltanlagen, die ebenfalls noch original aus dem Jahr 1978 sind. Die Kosten belaufen sich auf 1,2 Millionen Euro. Wesentlich günstiger ist der Austausch der Brandmeldeanlage. Diese wurde zwar 1992 erneuert, nach 23 Jahren hält die Stadt einen Austausch jedoch für geboten. 320 000 Euro werden investiert.

Die Arbeiten sollen ab Ende 2016 durchgeführt werden. Da im Landshuter-Allee-Tunnel in beide Fahrtrichtungen ein durchgehender Standstreifen vorhanden ist, sind Sperrungen von Fahrspuren nur in Ausnahmen erforderlich. Vollsperrungen wird es ausschließlich nachts geben. Der Standstreifen wird für die Dauer der Bauarbeiten auch tagsüber für die Lagerung von Material und Geräten gesperrt. Aus Sicherheitsgründen wird deshalb die erlaubte Höchstgeschwindigkeit während der Bauphase reduziert, was wiederum Rückstaus provozieren wird. Den Titel staureichste Straße Deutschlands dürfte der Ring auch im Jahr 2016 behaupten.

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