Nahverkehr: Kommt jetzt der große Streik?

München - Ein Spitzentreffen am Montag könnte entscheidend sein. Die Gewerkschaften sind bereit, auch in München die Räder stillstehen zu lassen.

Am heutigen Montag könnte sich entscheiden, wie der Tarifstreit im Nahverkehr weiter geht. Wie aus Gewerkschaftskreisen zu hören war, wollen sich die Spitzenvertreter des Kommunalen Arbeitgeberverbands heute zu Beratungen treffen. Sollten die Arbeitgeber nicht bald Zugeständnisse machen, drohen die Gewerkschaften mit härteren Streikmaßnahmen. Die würden dann auch die Fahrgäste treffen.

Die Münchner haben, soweit es U-Bahn, Tram und Bus betrifft, ein ruhiges Wochenende hinter sich. Doch es könnte die Ruhe vor dem Sturm gewesen sein, denn schon am Freitag hat die Auseinandersetzung im Ton an Schärfe gewonnen.

Die MVG meldete triumphierend, in den Werkstätten habe „die Mehrzahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihren Dienst angetreten. Lediglich die Automatenwerkstatt habe nicht gearbeitet. Das habe aber zunächst einmal „keine Auswirkungen auf die Verfügbarkeit der über 1000 Automaten“. Wenn ein Automat streikt, müssen Fahrgäste, die kein Ticket kaufen können, einige Regeln beachten, um nicht als Schwarzfahrer zur Kasse gebeten zu werden (siehe Kasten). Im Kontrolldienst, so die MVG weiter, seien am Freitag „erneut über 50 Prozent der geplanten Dienste möglich“, und in den ebenfalls bestreikten MVG-Kundencentern seien „genügend arbeitswillige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Dienst erschienen“, der Kundenservice sei gewährleistet.

Waren die Warnstreik-Aufrufe der vergangenen Woche also ein Reinfall?

Ganz und gar nicht, sagt Verdi-Verhandlungsführer Manfred Weidenfelder. „Zahlenmäßig“ sei er mit der Beteiligung zufrieden, zumal unter den Streikenden „großer Zusammenhalt über die Gewerkschaftsgrenzen hinweg“ herrsche. Dass die Kundencenter nicht lahmgelegt werden konnten, sieht Weidenfelder „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“: Es sei ein Experiment gewesen, die Kundencenter hätten zuvor noch nie gestreikt. Das Ergebnis: „Am Marienplatz haben wir einen Teilerfolg erzielt, am Hauptbahnhof haben wir verloren“. Letzteres aber auch nur, weil die Mehrzahl der Schalter mit Nachwuchskräften besetzt gewesen sei, die noch in der Probezeit stehen.

Die Verhandlungen sind festgefahren, weil es auf beiden Seiten Tabuthemen gibt. Dem Vernehmen nach wollen sich die Arbeitgeber weder auf eine Sockelerhöhung einlassen, wie sie die Gewerkschaften fordern, noch sind sie für Öffnungsklauseln zu haben, mit denen Regelungen für spezifische örtliche Probleme möglich wären. Aus dem Arbeitgeberlager verlautet, die Gewerkschaften seien beim Thema Arbeitszeit nicht kompromissbereit.

Am Montag könnten diverse Gesprächsrunden, unter anderem bei den Nürnberger Verkehrsbetrieben, zeigen, wo noch Raum für Verhandlungen bleibt. Gibt es dabei keine Erfolge, wollen die Gewerkschaften gemeinsam Druck machen. Dann, so sagte der München-Chef der Nahverkehrsgewerkschaft NahVG, Hans-Jörg Tweraser, „wird auch mal in München richtig gestreikt“.

Peter T. Schmidt

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