Nahverkehrskonzept München
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Diese Projekte sind in Planung oder bereits beschlossen: Die Stadt will damit das ÖPNV-Netz entlasten.

U5 bis Pasing und mehr

So will die Stadt Pendlern das Leben leichter machen

  • Ulrich Lobinger
    vonUlrich Lobinger
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München - Die ÖPNV-Netze in München platzen aus allen Nähten. S-Bahnen und U-Bahnen sind übervoll, das Gedränge an den Bahnhöfen ist unangenehm. Doch das soll ein neues Konzept ändern.

Der Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) in München hinkt dem Bevölkerungswachstum zunehmend hinterher. Die Netze sind in Spitzenzeiten überlastet, das Gedränge an den Bahnhöfen wird immer unangenehmer. Den Investitionsstau will die Stadt jetzt auflösen. Grundlage für die geplanten Investitionen in neue U-Bahn- und Trambahn-Trassen und Buslinien ist der Nahverkehrsplan, in dem alle Projekte abgebildet sind. Zuletzt war der Nahverkehrsplan 2003 aktualisiert worden, zwölf Jahre später gibt es nun eine Neuauflage. Folgende Investitionen sind in Planung oder sollen geprüft werden:

U5 bis Pasing

Die Verlängerung über die bisherige Endhaltestelle Laimer Platz bis zum Pasinger Bahnhof ist bereits beschlossen – trotz Bedenken der MVG, die einen schlechten Kosten-Nutzen-Faktor ermittelt hat. Der Wunsch der CSU nach einer Verlängerung der U-Bahnlinie bis ins Neubaugebiet Freiham könnte hingegen aus technischen Gründen scheitern, da dazu ein zweites Gleis auf dem Bahnhof nötig wäre. Die Bahn kann jedoch aus betrieblichen Gründen nicht mehr Fläche für eine oberirdische U-Bahn-Haltestelle zur Verfügung stellen. Deshalb ist eine Verlängerung nur möglich, wenn der Anschluss in Pasing unterirdisch erfolgt. Dies wiederum wäre auch wegen der dann erforderlichen Unterquerung der Würm deutlich teurer.

Der U5-Ausbau würde außerdem eine Erweiterung des U-Bahnhofs Theresienwiese erforderlich machen. Nach Angaben der MVG wäre der Bahnhof während der Wiesn nicht mehr leistungsfähig genug, da dann aus zwei Richtungen Besucher ankommen würden (siehe Bericht auf Seite 1). Der Stadtrat hat die Verwaltung beauftragt, Planungen für einen Ausbau des Bahnhofs voranzutreiben.

Über den U5-Ausbau dürften sich auch Pendler aus dem Münchner Westen freuen, S-Bahnen wie die S3 sind zu Stoßzeiten oft völlig überfüllt.

U9-Spange

Die U-Bahnlinie 9 ist das Lieblingsprojekt der SPD im Nahverkehrsplan. Laut einer Machbarkeitsstudie hätte die Spange „erhebliche positive Auswirkungen im Hinblick auf eine langfristige Sicherung der Leistungsfähigkeit des Münchner U-Bahn-Systems“. Die Trasse soll im Korridor Implerstraße – Theresienwiese – Hauptbahnhof – Pinakotheken – Giselastraße – Münchner Freiheit auf sechs Kilometern Länge verlaufen und die Linien U2 und U3/6 entlasten. Auf Antrag der SPD wurde die Stadtverwaltung gestern offiziell beauftragt, die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie zur U9 weiter zu konkretisieren.

U4-Ost

Derzeit wird die Verlängerung der U4 vom Arabellapark nach Englschalking sowie alternativ auch eine Verlängerung der Straßenbahn nach Englschalking beziehungsweise nach Johanneskirchen geprüft. Das Planungsreferat der Stadt hält auch den Ausbau von U-Bahn- oder Straßenbahn-Linien über die S8 hinaus nach Osten, zum Beispiel zur Messestadt oder nach Aschheim, für denkbar. Die Ergebnisse der Untersuchungen sollen 2017 vorliegen.

Zweite Stammstrecke

Der Bau der Zweiten S-Bahn-Stammstrecke wäre aus Sicht der Verwaltung ein „Quantensprung“ für den Nahverkehr in München. Das Milliarden-Projekt sei „alternativlos“, um die wachsenden Verkehrsbeziehungen zwischen Stadt und Umland verträglich abwickeln zu können, heißt es von Seiten des Planungsreferats. Im ersten Quartal 2016 sollen endlich valide Zahlen über die Kosten vorliegen. Bis für alle Abschnitte Baurecht besteht, dürften Jahre vergehen. Ingo Mittermaier (SPD) warnte vor einem Scheitern des Projekts. „Wenn die Zweite Stammstrecke nicht kommt, stehen wir in der Stadt vor einer kaum lösbaren Situation.“ Selbst der massive Ausbau des Tram- und U-Bahnsystems könne dies nicht kompensieren, sagte Mittermaier.

U26

Die Tangential-Verbindung zwischen den Linien U2 (Haltestelle Am Hart) und U6 (Kieferngarten) im Norden, Arbeitstitel U26, ist Wunschprojekt des Autobauers BMW und der CSU. Der Stadtrat hat entschieden, das Projekt in Zusammenarbeit mit der MVG zu vertiefen.

Ulrich Lobinger

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