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Sabine Nallinger hofft auf einen OB Dieter Reiter.

Merkur-Interview

Nallinger: "Reiter hat Seele der Grünen gestreichelt"

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München - SPD-Kandidat Dieter Reiter hat erfolgreich bei den Münchner Grünen für eine Wahlempfehlung geworben. Die Grüne Spitzenfrau Sabine Nallinger erklärt, warum sie hinter Reiter steht.

Frau Nallinger, wir erleben viele rot-grüne Kuscheleien. Wie schwer wird es, Schwarz-Grün durchzusetzen, wenn Josef Schmid die Stichwahl gewinnt? 

Wir sind alle drei immer fair miteinander umgegangen - das ist auch nach der Wahl so. Aber Herr Schmid ist eben nicht von einer Wählergemeinschaft Schmid - er ist von der CSU. Die politische Nähe zur SPD war auch vor der Wahl größer. Daran hat sich nichts geändert.

Ihre Basis ist so begeistert von Reiter, die können Sie doch nicht mehr für Schwarz-Grün gewinnen. 

Ich würde nicht von einer Begeisterung reden. Das eindeutige Votum spiegelt unsere grundsätzliche Haltung zu Bündnissen mit der SPD wider, die uns nahe steht.

Sie hatten angekündigt, dass Reiter schon etwas mitbringen müsse. Wie zufrieden waren Sie mit seinen Geschenken? 

Ich denke, die Macht- und Stimmenverhältnisse haben sich extrem geändert. Herr Reiter hat selbst gesagt, dass die SPD 25 Prozent verloren hat. Wir Grüne haben klar dazugewonnen. Er will unsere grünen Themen stärker berücksichtigen und wir sollen mehr Kompetenzen bekommen. Er hat die Seele der Münchner Grünen gestreichelt.

Herr Schmid kritisiert, dass Rot und Grün in den Hinterzimmern um Posten schachern würden. 

Ich weiß nicht, worauf Herr Schmid sich bezieht. Höchstwahrscheinlich auf den zweiten Bürgermeisterposten . . .

. . . den CSU-Kandidat Josef Schmid Ihnen selbst für den Fall seiner Wahl zum Oberbürgermeister in Aussicht gestellt hat. 

Deswegen hat es mich überrascht. Herr Reiter hat mir so etwas auf jeden Fall nicht angeboten. Die Gespräche, die wir führen, sind rein inhaltlicher Natur. Natürlich gehören Positionen irgendwann dazu, um die Dinge umzusetzen.

Rot-Grün geht in sein drittes Jahrzehnt. Kann das Bündnis wirklich für frischen Wind stehen, wie Sie sagen? 

Sie sehen am Ergebnis, dass wir Grüne von unserer Attraktivität nichts verloren haben. Wir haben diese und letzte Wahl zugelegt, weil wir immer noch gestalten wollen und auch zu Selbstkritik fähig sind. Nach den ersten Gesprächen mit Dieter Reiter habe ich das Gefühl, dass Rot-Grün auch mit uns als Personen die Möglichkeit hat, sich neu aufzustellen.

Sie trauen auch Herrn Reiter als Person zu, für neuen Wind zu stehen? 

Da ich schon immer die Priorität Rot-Grün hatte, ist es doch nur konsequent, dass ich den SPD-Kandidaten unterstütze.

Fällt Ihnen auch ein netter Satz zu Herrn Reiter ein? 

Die Gespräche laufen konstruktiv und auf Augenhöhe. Da habe ich ein gutes Gefühl.

Werden die Grünen für die Stichwahl plakatieren? 

Wir werden nächste Woche für Dieter Reiter plakatieren. Ich befürchte Schlimmstes für die Wahlbeteiligung. Die Frage ist jetzt: Wer mobilisiert seine Wähler besser?

Herr Schmid wirkt etwas verschnupft über das Vorgehen der Grünen.

Was hätten wir machen sollen? Wenn wir alle Zeit der Welt gehabt hätten, hätten wir beide Kandidaten eingeladen. Das gehört zu unserem Verständnis von Transparenz.

Wäre die ÖDP ihr liebster Partner für Rot-Grün? 

Das kann ich erst sagen, wenn ich mit allen gesprochen habe. Wir reden jetzt auch mit Piraten, Linken und HUT.

Das Gespräch führten Felix Müller und Moritz Homann.

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