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Neuaubing/Westkreuz am westlichen Rand Münchens ist das größte Sanierungsgebiet Bayerns. Das Paul-Ottmann-Einkaufszentrum auf der Rückseite des "Ramses"-Hochhauses am Westkreuz wird bald abgerissen. 

Bayerns größtes Sanierungsgebiet

Neuaubing/Westkreuz: Schönheitskur für 16 Millionen Euro

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München - Neuaubing und Westkreuz werden in den kommenden Jahren mit 16 Millionen Euro Fördermitteln aufgehübscht. Auftakt ist der Abriss und Neubau des maroden Paul-Ottmann-Einkaufszentrums am Fuße der Ramses-Hochhaussiedlung. Bald soll es losgehen.

Das größte Sanierungsgebiet Bayerns würde wohl kaum einer ausgerechnet in der Landeshauptstadt vermuten. Doch genau da liegt es: Ganz am westlichen Rand Münchens, in unmittelbarer Nähe zum neu entstehenden Stadtteil Freiham. In Neuaubing/Westkreuz sollen bis zum Jahr 2021 fast 16 Millionen Euro an Städtebauförderungsmitteln investiert werden, damit das Viertel lebenswerter wird. Bund und Freistaat steuern 60 Prozent bei, der Rest kommt von der Stadt. Neben dem Spitzenplatz in Bayern soll das Sanierungsgebiet in Bezug auf die Größe auch europaweit die Rangliste anführen.

Ein riesiges Projekt

„Durch die Städtebauförderung haben wir die Möglichkeit, festgestellte städtebauliche Missstände zu beheben“, erläutert Stadtbaurätin Elisabeth Merk. 350 Hektar umfasst das Gebiet, 23.000 Menschen leben dort. Die energetische Sanierung des Altbestands ist eine der Hauptaufgaben, schließlich befinden sich laut einer Erhebung der Stadtwerke in dem Bereich nur ein Prozent Neubauten. Der bautechnische Standard vieler Wohnungen ist nicht mehr zeitgemäß. Sie sind nicht barrierefrei, mit Aufzügen, die im Zwischengeschoss halten. Private Eigentümer können dank des Status Sanierungsgebiet in den Genuss von Fördergeldern kommen.

Vom Sanierungsgebiet soll aber vor allem der öffentliche Raum im Quartier profitieren. Geplant ist, brach liegende Flächen zu Naherholungsgebieten zu entwickeln, Lichtmasten und Parkbänke sollen den Aufenthalt im Viertel angenehmer machen. Zudem werden zwei Ladenzentren abgerissen und neu gebaut, um einen „Trading-down-Effekt“ zu vermeiden, bei dem es zu einer Zunahme von Billiganbietern oder gar Leerstand kommt.

Das Einkaufszentrum wird durch etwas modernes, grünes ersetzt

Eines der ersten Projekte im Sanierungsgebiet ist das angestaubte Paul-Ottmann-Einkaufszentrum am Westkreuz, das abgerissen und durch ein modernes, grünes Stück Architektur ersetzt wird. Es befindet sich am Fuße des 64 Meter hohen Geschosswohnungs-Riegels namens „Ramses“. Jüngst ist der Bauantrag bei der Stadtverwaltung eingegangen. Noch heuer will der Investor, die Firma SBI GmbH, mit dem Abriss beginnen. Die bisherigen Einzelhändler, darunter ein Discounter und ein Vollsortimenter, werden auch im neuen Paul-Ottmann-Einkaufszentrum vertreten sein, außerdem die Stadtteilbibliothek und eine Kindertagesstätte. Auch neue Wohnungen sind vorgesehen. Das oberirdische Parkhaus wird in Zukunft durch eine Tiefgarage ersetzt.

Neues Leben für Neuaubings Einzelhandel

Stadtteilmanager Daniel Genée will das Viertel wieder attraktiver machen. 

In der Limesstraße in Neuaubing soll dem Einzelhandel ebenfalls neues Leben eingehaucht werden. „In der Limesstraße sehen viele mit Besorgnis, dass das Niveau der Ladenstruktur sinkt, da gibt es dann mehr Handyläden als Drogerien“, sagt Bernhard Vocke, Pfarrer der evangelischen Adventsgemeinde Neuaubing, und Kenner des Viertels. Viele befürchteten, zwischen dem Nachbarstadtteil Pasing mit einem großen Einkaufszentrum und dem neuen Stadtteil Freiham unterzugehen, sagt Stadtteilmanager Daniel Genée. Doch man wolle verhindern, dass Menschen nach Freiham abwanderten. „Das Wort Sanierungsgebiet vermittelt vielleicht einen etwas falschen Eindruck. Ich denke, dass die Menschen hier gerne wohnen. Man ist schnell im Grünen und in der Stadt, die Mieten sind bezahlbar“, betont Pfarrer Vocke.

Voriges Jahr fasste der Bezirksausschuss Aubing den Beschluss, auch Altaubing ins Sanierungsgebiet zu integrieren. Im Februar befasst sich der Stadtrat mit dem Antrag. Bayerns größtes Sanierungsgebiet würde damit noch ein Stückchen größer werden.

Martina Scheffler, Ulrich Lobinger

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