Neubebauung des Paulaner-Areals: Zoff um Bürgerbeteiligung

München - Paulaner verlässt die Au - und bei der Neugestaltung des Areals soll der Bürger mitreden. Doch es gibt Zank: Der Bezirksausschuss fühlt sich verschaukelt und fordert mehr Mitsprache. Grundstückseigentümer und Stadt weisen die Kritik zurück.

Ein halbes Jahr ist es her, da wurde der Umzug von Paulaner nach Langwied verkündet. Bereits im Oktober soll der Stadtrat über den Architekturwettbewerb zur Neubebauung des Areals entscheiden. Die Planungen lösen unterschiedliche Gefühle aus: Euphorie herrscht beim Eigentümer, der Münchner Hausbau, die zur Schörghuber Unternehmensgruppe gehört. Unmut verspüren die Anwohner, die Luxusbauten in der Nachbarschaft fürchten.

In den Neubauten rund um die Paulaner-Gaststätte am Nockherberg an der Hoch- und Regerstraße, entlang der Ohlmüllerstraße sowie an der Welfenstraße sollen rund 3000 Menschen in 1500 Wohnungen unterkommen. Dazu kommen Geschäfte, Büros und 71 000 Quadratmeter Grünflächen. Insgesamt 150 000 Quadra-meter Geschossfläche sollen entstehen.

Parallel zur Planungsgeschichte läuft von Anfang an eine Debatte zur Bürgerbeteiligung. Und das Interesse an der Entwicklung nach dem Wegzug ist groß. Die letzte Bürgerversammlung zum Thema am 22. Mai besuchten 300 Bürger.

Es zeigte sich, dass viele von ihnen dezidierte Vorstellungen haben: Mindestens 30 Prozent sozialen Wohnungsbau möchten sie, eine architektonische Anpassung an die Umgebung, keine Hochhäuser an der Isarhangkante und öffentlich zugängliche Grünflächen. Zudem soll die Stadt Gelände erwerben, um es an Genossenschaften oder Bauträgergruppen zu vergeben.

Doch es gibt Streit um diese Forderungen. Sie lägen - in Form unzähliger Anträge - beim Planungsreferat, „unbeantwortet“, sagt Adelheid Dietz-Will, Vorsitzende des Bezirksausschusses Au-Haidhausen. Sie seien „umfassend im Zuge der außerordentlichen Bürgerversammlung behandelt“ worden, sagt dagegen das Planungsreferat.

Bernhard Taubenberger, Sprecher der Bayerischen Hausbau, sieht die Forderungen der Bürger in den ersten Entwürfen sehr wohl erfüllt. Sozialer Wohnungsbau sei eingeplant, 30 Prozent seien in München ohnehin Vorschrift. Außerdem seien Wohnungen nach dem „München Modell“ eingeplant. Der durchschnittliche Quadratmeterpreis betrage etwas mehr als 4000 Euro, ein „guter Preis“ für München. „Natürlich gibt es auch Penthousewohnungen für 7400 Euro pro Quadratmeter“, so Taubenberger, das sei nötig, um Wohnungen im unteren Segment mitzufinanzieren.

Die Lokalpolitiker fühlen sich trotzdem „verschaukelt“, wie es Dietz-Will ausdrückt. Real würden keine 30 Prozent sozialer Wohnungsbau erfüllt. Auch der Vorschlag, als Gewerbefläche ausgeschriebene Bereiche an der Welfenstraße für einen Gewerbehof zu nutzen, sei überhört worden. Läden sollen zu wenige und an der falschen Stelle entstehen. Und: Zehnstöckige Gebäude seien geplant, für Dietz-Will ein weiteres Beispiel, dass auf Bürgerwünsche nicht eingegangen wird.

Vor allem die Vorgehensweise der Bayerischen Hausbau hat die Lokalpolitikerin überrumpelt, sie nennt die Kommunikation der Unter-nehmensgruppe eine „Katastrophe“. „Bürgerbeteiligung ist, wenn man gefragt wird, solange noch nichts festgelegt ist.“ Dabei seien die Eckdaten längst „ausgekungelt“, so ihr Vorwurf. Und: Das Planungsreferat arbeite zu eng mit dem Eigentümer zusammen - und erfülle seine Prüfungsaufgabe nicht, sagt sie.

Die Kritik weist Marc Binder vom Planungsreferat zurück: Man habe „frühzeitig und freiwillig“ die Bürger eingebunden, da klar war, dass großes Interesse herrsche. Dass bereits ein Entwurf vorhanden sei, bevor die Bürger von erführen, sei normal: „Es ist üblich, dass Bauträger einen Testentwurf erstellen.“

Auch Taubenberger von der Bayerischen Hausbau sieht in der Au ein Vorzeigeprojekt in Sachen Bürgerbeteiligung. Die Maßnahmen gingen „über das gesetzlich vorgeschriebene Maß hinaus“. Es werde eine Podiumsdiskussion geben, bevor der Stadtrat am 17. Oktober über den Eckdaten- und Aufstellungsbeschluss entscheidet. Der ist Grundlage für den Architekturwettbewerb, der dieses Jahr ausgelobt werden soll. Über fünf Siegerentwürfe wird anschließend in einem Workshop diskutiert. Taubenberger: „Das ist eine entscheidende und neue Form der Bürgerbeteiligung.“

Über den endgültigen Entwurf soll im Mai 2013 entschieden werden. 2018 soll der Bau beginnen. Die Zeit will Dietz-Will nutzen: Sie wartet auf die Einladung zur Podiumsdiskussion - und fordert eine weitere außerordentliche Bürgerversammlung.

Von Lea Hampel

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