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Die neue ADAC-Zentrale - ein Blick hinter die Kulissen

Neue ADAC-Zentrale: Blick hinter die Kulissen

München - Es sind die modernsten Arbeitsplätze in München: Bis zum 23. Dezember ziehen rund 2400 ADAC-Mitarbeiter aus sieben Münchner Standorten in die neue Konzernzentrale an der Hansastraße. Ein Blick in den Neubau mit dem markanten bunten Hochhaus.

Vanessa Korb sitzt mutterseelenallein an dem großen Empfangstresen und strahlt. „Alles ist hier viel heller und freundlicher“, sagt sie und deutet mit einer weit ausholenden Handbewegung auf die Szenerie, die ihren neuen Arbeitsplatz bestimmt: Über einer drei Stockwerke hohen Fensterfront wölbt sich eine Decke aus weißen Segeln. Der Empfangstresen schmiegt sich unter die Galerie, auf der künftig Veranstaltungen für bis zu 1000 Personen stattfinden sollen.

Vanessa Korb ist als eine der ersten von der alten Zentrale am Westpark in den Neubau an der Hansastraße umgezogen. Nun beobachtet die 22-Jährige, wie der bunte Riese zum Leben erwacht.

Seit gut zwei Wochen läuft der Umzug, 200 bis 300 Mitarbeiter kommen hier jeden Tag neu an. Aus ihren alten Büros nehmen sie kaum etwas mit. „Alle Büros sind mit neuen Möbeln ausgestattet, und jeder Mitarbeiter erhält einen neuen Laptop“, sagt Michael Ramstetter, Leiter der ADAC-Öffentlichkeitsarbeit. Termingenau muss für jeden Neuankömmling das richtige Gerät bereitliegen. Bisher hat das immer geklappt. Es klappt überhaupt bemerkenswert gut, findet Vanessa Korb. 1100 Menschen sind schon hier, und keine Büroklammer ist beim Umzug verloren gegangen. Hier und da fehle es manchem noch an der Orientierung, „aber das gibt sich“.

Die neue ADAC-Zentrale - ein Blick hinter die Kulissen

Die neue ADAC-Zentrale - ein Blick hinter die Kulissen

Wer mit der Rolltreppe vom Foyer zur Galerie hinauffährt, gelangt in einen Gang, der sich durch den so genannten Ring zieht - einen vierstöckigen ovalen Bau mit drei markanten Nasen, der sich südlich an das Hochhaus schmiegt. Hier werden rund 1800 Leute arbeiten, das Gros der Belegschaft. Der Turm mit der bunten Fassade sei „eher ein architektonisches Wahrzeichen“, sagt Ramstetter.

Gang und Galerie sollen künftig eine Dauerausstellung über die ADAC-Geschichte und wechselnde Kunstausstellungen aufnehmen. „Dieses Haus ist ein öffentliches Haus“, betont Ramstetter. Gäste sind willkommen, können sich im Bistro einen Cappuccino oder Rotwein schmecken lassen. Es wird Veranstaltungen geben, und direkt neben dem Foyer entsteht ein hochmodern ausgerüstetes Kongresszentrum mit 350 Plätzen. Allerdings: Parteiverkehr wird es in der neuen Zentrale nicht geben. Man wird hier weder Schneeketten ausleihen noch Versicherungen kaufen können. Das erledigt für Mitglieder aus München und Umgebung weiterhin der ADAC-Regionalclub Südbayern an der Ridlerstraße.

Im Neubau residiert die Konzernzentrale - ein „Haus der 100 Berufe“, wie Ramstetter sagt. Ärzte und Versicherungskaufleute, Piloten und Sekretärinnen arbeiten hier - überwiegend in Großraumbüros, die „Gruppenbüros“ genannt werden. Weiche Formen und Rundungen dominieren die Architektur innen wie außen. Rechte Winkel sind die Ausnahme, in den holzgetäfelten Gängen ebenso wie in den Büros. Deren Ausstattung bietet alles, was moderne Bürotechnik hergibt - inklusive des Prinzips „Flex-Office“: Nur wenige Mitarbeiter haben ihren festen Schreibtisch. Die meisten können mit Rollcontainer, Mobiltelefon und Laptop an jedem der bis auf Stehpult-Höhe ausfahrbaren Tische arbeiten.

Angela Pape, seit 25 Jahren beim ADAC, sitzt im dritten Stock und verschrottet ein Auto - „in Norwegen“, erklärt sie lächelnd. Sie gehört zur Abteilung „Transportorganisation“ und hilft, wenn Mitglieder im Ausland ein Problem haben. Vor ein paar Tagen ist sie hier eingezogen. „Das Haus ist ganz toll“, schwärmt sie. Und das mit dem Flex-Office - nun ja, man werde sich dran gewöhnen. Es habe ja auch Vorteile, sagt Abteilungsleiterin Sabine Netting: Wer für eine komplizierte Aufgabe dem Trubel entgehen, will, kann in eines der „Cockpits“ ausweichen - kleine Büros, in denen man eine Tür hinter sich zuziehen kann.

Auf Türen stößt man ansonsten eher selten in den Büros, die in sanften Schwüngen ineinander übergehen. Das öffentliche Haus will auch intern ein offenes sein.

Wer im Hochhaus nach oben fährt, genießt von Etage zu Etage spektakulärere Ausblicke. Hier residieren die Chefs eines Konzerns mit fünf Milliarden Euro Jahresumsatz. Ganz droben, im 22. Stock, liegt der Tagungsraum des Verwaltungsrats. Man blickt hinab auf das benachbarte Fraunhofer-Hochhaus, sieht im Norden die Allianz Arena. Aus der Innenstadt, die wie ein Teppich vor den Augen ausgebreitet liegt, ragen die Frauentürme, dahinter glänzt silbern das Hypo-Hochhaus. Im Südosten fangen - gleich rechts von Neuperlach - die Alpen an, und direkt über der Rudi-Sedlmayr-Halle, die jetzt Audi Dome heißt, sieht man die Zugspitze. Ein paar Mitarbeiterinnen aus den unteren Etagen schleichen sich herein und bewundern das Panorama - schnell, bevor die Bosse einziehen.

2400 Arbeitsplätze, ein Hörfunkstudio, das modernste TV-Studio der Stadt, eine Photovoltaikanlage auf den Dächern, eine Tiefgarage mit 1000 Plätzen, deren Schranke sich dank Nummernschild-Erkennung automatisch öffnet, und, und, und: Der ADAC hat an der Hansastraße ein Bekenntnis zu München in Stahl und Beton gegossen. 320 Millionen Euro hat das gekostet, und keinen Euro davon haben die ADAC-Mitglieder bezahlt, wie Ramstetter betont. Das Geld komme vielmehr von den 30 Konzerntöchtern.

Als die Planungen 2003 begannen, wollte man noch einen Teil des Neubaus vermieten. Davon ist inzwischen nicht mehr die Rede, denn der ADAC wächst. Das Maximum wird 2020 mit 20 Millionen Mitgliedern erwartet. Der Autoklub will sich deshalb nicht von allen alten Standorten trennen. Die Gebäude im Hansapark sollen saniert werden. Vielleicht ziehen dort bald wieder ADAC-Mitarbeiter ein - in die dann wahrscheinlich modernsten Büroräume Münchens.

Peter T. Schmidt

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