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Akrobaten zwischen Lehmhügeln: An der Herterichstraße haben die „Dirtbiker“ einen neuen Spielplatz.

Neue Heimat für Münchens Schmutzradler

München - An der Herterichstraße in Solln steht nun eine Anlage für den Trendsport. Sie ist für Anfänger wie Profis geeignet.

Florian Konietzko fährt mit hoher Geschwindigkeit auf den Lehmhügel zu. Dann hebt er plötzlich ab und schießt hoch durch die Luft. Im nächsten Moment ist er schon wieder gelandet und setzt zum nächsten Sprung an. Konietzko betreibt eine immer populärer werdende Trendsportart: das Dirtbiken. Die Münchner Fangemeinde wächst. Ihr ist es auch zu verdanken, dass nun in Solln für 60 000 Euro ein neuer „Dirt-Park“ eröffnet hat, der Anfänger wie Profis gleichermaßen zufriedenstellt.

Das Dirtbike, zu deutsch „Schmutz-Rad“, ist eine Variante des Mountainbikes. Es zeichnet sich vor allem durch seinen kleinen, wendigen Rahmen aus. Ziel ist es, mit dem Rad über Erdhügel zu springen und dabei möglichst spektakuläre Figuren zu zeigen.

In München gab es bisher drei Anlagen: an der Nordheide, in Pasing und in Moosach. Die Initiative für den neuen Parcours ging von Jugendlichen aus dem Münchner Süden aus. Sie äußerten letztes Jahr beim zuständigen Bezirksausschuss 19 ihren Wunsch. Erstaunlich schnell wurde das Projekt dann bewilligt. „Wir haben sehr rasch einen passenden Standort gefunden“, erklärt Michael Brunner vom Baureferat. Die Wahl fiel auf die Grünanlage an der Herterichstraße. Hier sei man weit genug weg von Anwohnern. Die Anlage liegt in der Verlängerung des Schlittenhügels „Sollner Bergl“ und passt somit gut in die Landschaft.

Die Jugendlichen wurden in die Entwicklung der 1200 Quadratmeter großen Anlage mit einbezogen. Maßgeblich am Planungskonzept beteiligt war der Mountainbike-Profi Joscha Forstreuter, der schon in ganz Deutschland Anlagen geplant hat. „Das hier ist aber mein bisheriges Highlight“, sagt der 26-Jährige. Was sie für ihn einmalig macht? „Wir haben Wert darauf gelegt, dass der Parcours für alle befahrbar ist, vom Anfänger bis zum Profi.“

Erfahrene Dirtbiker können sich an den„Dirtlines“ messen, eine rasche Abfolge von Absprung- und Landehügeln aus Lehm. Der Schwerpunkt der Anlage liegt aber auf relativ leicht befahrbaren „Pumptracks“ – Elementen, Wellen und Kurven, die der Fahrer mittels „Pumpbewegungen“ möglichst ohne Treten der Pedale durchquert. „Es dauert lange, bis einem hier langweilig wird“, findet Forstreuter.

Beim momentanen Spitzenwetter kommen die Dirtbike-Fans täglich in Scharen. In waghalsigem Tempo springen sie über die Lehmhügel. Ab und zu stürzt auch einer, bei diesen Geschwindigkeiten unvermeidbar. „Daher sollte das Tragen von Schutzkleidung selbstverständlich sein “, meint Brunner.

Das ist es auch für Leopold Schütz, der brav einen Helm trägt. Der Vierjährige dürfte der Jüngste auf dem Parcours sein. „Wir wohnen in der Nähe. Der ist hier gar nicht mehr wegzukriegen“, erzählt seine Mutter. „Ich bin hier fast jeden Tag. Manche von den älteren Fahrern bringen mir was bei“, freut sich Leopold. Dann wird er ungeduldig. „Kann ich jetzt wieder fahren?“, fragt er – und ist schon wieder auf seinem Rad.

Angelo Rychel

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