Die Kultfabrik hat eine Gnadenfrist. Wenn hier noch fünf Jahre weitergefeiert werden soll, müssen Auflagen erfüllt werden. Foto: Oliver Bodmer

Neue Pläne hinterm Ostbahnhof

München - Die Kultfabrik hat im Moment nur ein halbes Jahr „Gnadenfrist“. Erst wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind, gibt es die avisierte Verlängerung um fünf Jahre. Dann soll sie sich von der Amüsiermeile zum Kulturpark entwickeln.

Nach Ablauf der letztmaligen Verlängerung, im Januar 2016, sollen einige Hallen der Kultfabrik, in denen heute Partys steigen, Teil des neuen Stadtquartiers „Rund um den Ostbahnhof“ (Rost) werden. Ein Vorhaben, das weitreichende Konsequenzen hätte: „Die Entwicklung von Rost steht eigentlich wieder am Nullpunkt“, erklärt die Sprecherin des Planungsreferats, Katja Strohhäcker, „die bisherigen Planungen machen keinen Sinn mehr.“ Bislang sollten auf den 40 Hektar zwischen Frieden-, Mühldorfer-, Aschheimer- und Rosenheimer Straße hauptsächlich neue Wohnungen und einige Bürogebäude, sowie ein großer Park entstehen. 2007 hat der Stadtrat dafür ein Strukturkonzept verabschiedet.

Nun aber sollen vier alte Fabrikhallen des früheren Pfanni-Werks, auf dem zum Teil heute die Kultfabrik steht, erhalten werden. Pfanni-Enkel und Kultfabrik-Chef Werner Eckart will sie ins spätere Rost-Quartier integrieren - für kulturelle Nutzungen im neuen Viertel. Dafür aber müssen die ursprünglichen Bebauungspläne überarbeitet werden. „Das Wohnen soll Richtung Osten, hinter den Park, verlagert werden, um die Störungspotentiale auseinander zu ziehen“, erläutert Strohhäcker. Die Kulturnutzung soll Richtung Rosenheimer Straße gebündelt werden.

„Nur Kultur, nicht das Vergnügungs-Remmidemmi und die Flatrate-Kisten“ - dem Chef des Bezirksausschusses (BA) Berg am Laim, Josef Koch (SPD), ist dieser Unterschied überaus wichtig. Das Ganze werde bei weitem nicht mehr die derzeitigen Dimensionen haben. „Nicht so komprimiert, nicht diese Vielzahl an Clubs, das ist dann ganz anders einzuordnen, verträglicher.“ Weshalb der Bezirksausschuss, der bislang stets heftig gegen das Kultfabrik-Gelände wetterte, die Verlängerung um weitere fünf Jahre plötzlich völlig gelassen diskutiert. „Es geht dabei um einen fließenden Übergang, dass sich aus der bis dato nur Vergnügungsmeile endlich was entwickelt“, so Koch.

Ob unter dem Deckmantel Kultur in den Hallen dann weiter Party gemacht werde, werde man sehen. Koch setzt hier auf eine einfache Logik. Je mehr Wohnungen es auf der einen Seite gebe, desto weniger lautstarkes Amüsement werde auf der anderen Seite noch möglich sein.

Derzeit ist jedoch alles nur Zukunftsmusik. Im Moment habe die Kultfabrik nur ein halbes Jahr „Gnadenfrist“, betont Koch. In diesen sechs Monaten müssen alle Eigentümer des Rost-Areals den neuen Plänen zustimmen und der neue Bebauungsplan vom Stadtrat gebilligt werden. „Schau’n wir mal, ob da alle so mitspielen“, warnt Koch. Außerdem muss Eckart die versprochenen Verbesserungen auf dem Kultfabrik-Gelände durchführen. Dazu gehört unter anderem mehr Sauberkeit, freie Gehwege, mehr Beleuchtung, keine Flatrate-Partys oder After-Hour-Veranstaltungen mehr. Man werde genau schauen, ob sich hier im nächsten halben Jahr was bewege, kündigt Koch an und pocht im Namen des BA auf eine Klausel im Verlängerungs-Vertrag für die Kultfabrik. In der sei geregelt, was bei Nichterfüllung der Auflagen passiere. . .

Carmen Ick-Dietl

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