Die Wände einfach zu versetzen, ist in vielen Pflegeheimen nicht möglich.

Oft Umbau nötig

Neue Standards in Pflegeheimen: Mehr Platz – aber weniger Plätze

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München - Die alten Münchner Pflegeheime genügen nicht mehr den neuen Baustandards, die der Freistaat Bayern den Trägern vorschreibt. Der erforderliche Umbau könnte die Bewohner teuer zu stehen kommen – und, weil Plätze wegfallen, im schlimmsten Fall die Versorgungssicherheit in der Stadt gefährden.

56 vollstationäre Pflegeheime mit insgesamt 7591 Plätzen gab es zum Zeitpunkt der letzten Erhebung Ende 2014 in der Landeshauptstadt. Nur 27 dieser Einrichtungen konnten einen Einzelzimmeranteil von 75 Prozent und mehr vorweisen. Das aber ist eine der Vorgaben, die die vor fünf Jahren in Kraft getretene Ausführungsverordnung zum bayerischen Pflege- und Wohnqualitätsgesetz festlegt.

Außerdem müssen Einzelzimmer von Ende August an mindestens 14 Quadratmeter groß sein, Doppelzimmer mindestens 20 Quadratmeter. Und: 25 Prozent der Zimmer müssen rollstuhlgerecht ausgebaut sein und auch entsprechende Badezimmer aufweisen.

Viele Träger von Pflegeheimen sind weit davon entfernt, diese neuen Standards in ihren Altbauten erfüllen zu können – und prophezeien, dass die Finanzierung des Umbaus die Pflegesätze für die Pflegebedürftigen in die Höhe treiben wird. Die Arbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege (Arge) hat an einem exemplarischen Beispiel ausgerechnet, dass die Anpassung einer Einrichtung an die neuen Vorgaben 235 Euro Mehrkosten pro Bewohner verursachen würde. Arge-Sprecher und Caritas-Chef Norbert Huber spricht von „tiefgreifenden wirtschaftlichen Auswirkungen“ – und weist darauf hin, dass die Träger, die über viele anzupassende Einrichtungen verfügen, „überfordert“ sein könnten.

So erschwert etwa die übliche „Schottenbauweise“, bei der die Trennwände zwischen Appartements tragende Wände sind, den Umbau. Denn: Die Wände können nicht einfach versetzt werden, um etwa aus zwei Doppel- drei Einzelzimmer zu machen.

Klar ist auch, dass das Platzangebot in den bestehenden Heimen zurückgehen wird. Ende 2014 waren die Münchner Heime zu fast 92 Prozent ausgelastet.

Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) München hat hierfür eine Modellrechnung erstellt: Baut sie ihre sieben Häuser mit insgesamt rund 800 Plätzen so um, dass die Einzelzimmerquote nur von aktuell 40 auf 55 Prozent steigt, gehen 78 Pflegeplätze verloren. Caritas-Chef Huber warnt auch hier: „Dies wäre insbesondere in Gebieten, in denen es jetzt schon nur wenige Einrichtungen gibt, fatal.“ Im Münchner Norden, etwa im Hasenbergl, gibt es bereits jetzt Engpässe. Müsste die AWO ihr Haus an der Stösserstraße für einen Umbau in Teilen stilllegen, würde sich die Situation extrem verschärfen.

Damit der vermutlich eintretende Platzrückgang ausgeglichen werden kann, hat der Stadtrat gerade im Sozialausschuss beschlossen, die städtischen Grundstücke an der Bayernkaserne und in Freiham weiter zu sichern, um dort Pflegeheime errichten zu können.

Dass ihre Einrichtungen barrierefrei sein müssen, stellen die Träger nicht infrage. Allerdings haben viele Zweifel an der Einführung des 25-Prozent-Anteils von rollstuhlgerechten Zimmern und Bädern mit mindestens 1,5 Metern Wendekreis. Die Menschen seien immer kränker und pflegebedürftiger, wenn sie in ein Heim ziehen. Die Fähgkeit, selbst mit dem Rollstuhl zu manövrieren, nehme immer weiter ab, betont Huber. Das mache größere Wendekreise überflüssig.

Ab September müssen nun eigentlich alle Heime die vom Freistaat vorgegebenen Standards erfüllen. Die Münchner Heimaufsicht kann die Umsetzungsfrist allerdings auf bis zu 25 Jahre verlängern, wenn der Umbau technisch oder denkmalschutzrechtlich nicht möglich ist – oder wirtschaftlich nicht zumutbar.

Während die Stadt München den Umbau von Einrichtungen mit einer Investitionsförderung unterstützt, hat sich der Freistaat 2014 aus diesem Förderprogramm verabschiedet.

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