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Wer hier Platz nimmt, kommt schwer wieder hoch: Auf dem Podium wurde die Sitzhöhe minimiert.

Die Bilder von der neuen Tram

München - Die neue Münchner Trambahn ist da. Im Sommer wird der erste Zug im Linienverkehr eingesetzt. Bis dahin fährt die Tram im Test. Die „Formel 1“ ist attraktiv - zeigt aber Schwächen.

Rund 120 Gäste waren zur Präsentation des neuen Gefährts ins Depot an der Einsteinstraße gekommen. Die Züge verfügen über den mittlerweile obligatorischen Niedrig-Einstieg für Behinderte. Zunächst wird die Bahn auf Testfahrten geschickt und dient der Fahrerausbildung.

Bilder von der neuen Tram

München: So sieht die neue Tram aus

Erstmals wird auch eine neue Technik erprobt. Mit Hochleistungs-Akkus soll auch die von der Stadtrats-Mehrheit geforderte Passage durch den Englischen Garten ohne störende Oberleitung ermöglicht werden (wir berichteten). Zwar hatte der Freistaat als Obergärtner den Bau einer herkömmlichen Straßenbahn-Strecke nicht erlaubt, doch ohne Masten und Fahrdraht-Verspannungen hofft die Stadt nun wieder auf grünes Licht.

Der Akku-Betrieb werde bei einzelnen Zügen in den nächsten Monaten getestet, kündigte König an. Auch OB Christian Ude erklärte: „Warum sollte das zwischen Schwabing und Bogenhausen nicht gelingen.“ Der Batteriebetrieb soll mindestens einen Kilometer überbrücken können.

Rückblende: Vom früheren bayerischen Verkehrsminister Georg von Waldenfels (CSU) hatte Ude schon die Zusage für die Passage durch den Englischen Garten bekommen. Der Münchner Minister Kurt Faltlhauser (CSU) zog die Zusage aber später wieder zurück. Gegen den Dieselbus-Verkehr auf der Strecke hatte der Freistaat nichts.

Gegenüber den letzten Modellen des Typs „R“ gibt es im Innenraum der „S“-Generation einige Neuerungen

  • Zwei Drittel der Sitzplätze sind wieder hintereinander mit Blick nach vorn angeordnet wie bei den alten Zügen, die von den 60er- bis in die 90er Jahre unterwegs waren. Die meisten Fahrgäste trauern dieser Konstellation bis heute nach.
  • Die Kritik am Arrangement in den R-Wagen seit 1994, wo sich zwei oder vier Passagiere gegenübersitzen, ist nicht verstummt. Der kleine Fußraum führte immer wieder zu Konflikten mit dem Gegenüber oder zu krampffördernden Bein-Verrenkungen. Bei den neuen Fahrzeugen ist dieses Manko nur noch auf kurzen Abschnitten in den Waggons anzutreffen.
  • Die neuen Züge bieten einige Sitzplätze, bei denen man tief sinken muss und schwer wieder hoch kommt. Kniegeschädigte und Altersschwache suchen sich besser ein anderes Plätzchen. Bedingt durch die Niederflur-Konstruktion wölbt sich der Boden stellenweise zu kleinen Plateaus. Um dennoch durchgehend im ganzen Zug eine gleiche Höhe der Stuhllehnen zu erzielen, sei die Sitzhöhe gesenkt worden, so die Begründung. König wirbt um Verständnis: „Ein Niederflur-Fahrzeug ist immer ein Kompromiss.“
  • Nach der Auslieferung der ersten vier Züge folgen weitere zehn im Jahr 2011. Gesamtrechnung: 40 Millionen Euro. Die Neubeschaffung ergänzt den Bestand nach der Ausmusterung alter Garnituren. Zudem steht der künftige Betrieb zum Frankfurter Ring und später nach St. Emmeram in Oberföhring ins Haus.

Von Eberhard Geiger

Die neue Tram-Linie 23

Die neue Trambahnlinie 23

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