Neue Verkehrsregeln für die Altstadt

München - Vom 1. Juni an müssen sich Autofahrer in der Altstadt mit neuen Regeln vertraut machen. In fast allen Straßen gilt dann Tempo 30. Zudem muss im Stadtzentrum künftig auch nach 19 Uhr eine Parkgebühr bezahlt werden. Radler können dafür bald auf mehr Freiheiten hoffen.

Manch einem dürften sie vielleicht schon aufgefallen sein: Die Arbeiter, die seit gestern in der Altstadt Verkehrsschilder austauschen oder neue Markierungen auf den Asphalt pinseln. Man wird sie noch häufiger sehen in den nächsten Wochen - denn sie haben viel Arbeit vor sich: Die Altstadt steht vor einer regelrechten Verkehrs-Reform. Vom 1. Juni an gelten gleich mehrere neue Bestimmungen, die der Stadtrat beschloss.

In fast allen Straßen innerhalb der sogenannten Blauen Zonen (siehe Grafik) gilt künftig die Höchstgeschwindigkeit von 30 Stundenkilometern. Diese Neuerung geht auf eine Initiative der Grünen im Stadtrat zurück. Von der Regel ausgenommen sind nur breite Verkehrsadern wie die Maximilianstraße oder der Oberanger. Auch das Tal bleibt vorerst außen vor. Wenn dort, wie geplant, in kommenden Jahren die Fahrbahn verschmälert wird, könnte es ebenfalls zur Tempo-30-Zone werden. Mit dem neuen Tempolimit will die Stadt das Bummeln und Flanieren in der Altstadt sicherer und angenehmer gestalten.

Sehen Sie hier die neuen Zonen in der Altstadt

Die Blauen Zonen umfassen vom 1. Juni an fast die gesamte Altstadt. Denn im Angerviertel kommt eine vierte Zone hinzu (siehe Grafik). Das bedeutet: Zum einen gilt dort künftig das Tempolimit 30. Zum anderen gibt es - wie in den anderen Blauen Zonen - eine einheitliche Parkregelung. Stellplätze auf der Straße sind statt mit vielen Verkehrsschildern nun mit blauen Strichen am Boden gekennzeichnet. Das Parken dort ist für Besucher kostenpflichtig, für Anwohner mit Parkausweis umsonst.

Es gibt einen weiteren Grund dafür, die Altstadt zur Tempo-30-Zone zu machen: Dieser Schritt ist Voraussetzung dafür, einige der Einbahnstraßen im Zentrum in beiden Richtungen für Radler zu öffnen - ebenfalls ein Anliegen der Grünen. Das Kreisverwaltungsreferat hat eine Liste von Straßen erarbeitet, die in Frage kommen - sie wird gerade mit den Bezirksausschüssen abgestimmt. Derzeit geht das KVR davon aus, dass mehr als 20 Einbahnstraßen nach und nach für Radler geöffnet werden. Sehr gut stehen die Chancen etwa für die Damenstift- und die Herzog-Wilhelm-Straße. Die Umwandlung könnte im Spätsommer beginnen.

Schlechte Nachrichten für Nachtschwärmer - sie werden zur Kasse gebeten: Bislang ist das Parken nach 19 Uhr umsonst, doch vom 1. Juni an wird die Stadt auch von 19 bis 23 Uhr eine Gebühr verlangen. Sie soll einen Euro pro Stunde betragen und damit geringer ausfallen, als die Gebühr untertags (2,50 Euro). Zudem soll es abends keine Höchstparkdauer geben, sodass Besucher etwa ins Kino gehen können, ohne Sorge, dass ihr Parkticket abläuft. Die Stadt begründet die Entscheidung damit, dass der Parkdruck auf die Altstadt am Abend immer größer wird. Das liegt auch daran, dass die umliegenden Viertel Parklizenzgebiete sind. Das heißt: Dort muss man schon heute bis 23 Uhr zahlen - und es ist generell oft schwer, dort einen Parkplatz zu finden. Dies führt dazu, dass Besucher, die etwa im Glockenbachviertel ausgehen, zum Parken in die Altstadt „flüchten“. Um die Anwohner im Zentrum zu entlasten, hält die Stadt die Parkgebühr daher für unumgänglich.

Johannes Patzig

Rubriklistenbild: © dpa

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