Radlparkplatz: Ab 2013 soll die Richtlinie gelten. Foto: ms

Neue Vorschrift für Radl-Stellplätze

München - Nur zu gerne rühmt sich München als Radlhauptstadt der Republik. Trotzdem: Nicht alles ist so toll, wie es der Name verspricht. Vielerorts fehlen Stellplätze. Das will die Stadt nun ändern - mit Hilfe einer Satzung.

Es ist ein bekanntes Bild: An Zäune, Straßenlaternen und Schilder gekettet versperren Räder die Gehwege. Nicht einmal vor der eigenen Haustüre findet sich immer ein freier Fahrradständer. Das soll sich nun ändern. Werden künftig Häuser neu errichtet oder umgebaut, will die Stadt in Zukunft vorschreiben, wie viele Stellplätze geschaffen werden müssen. In der Bürokratie kursiert die Regelung unter dem Namen „Fahrradabstellplatzsatzung“. Ab 2013 soll diese in Kraft treten.

Für Autoparkplätze ist das schon seit Jahren so geregelt. Jetzt soll es auch konkrete Vorgaben fürs Radl geben: Werden 40 Quadratmeter Wohnfläche gebaut, muss der Hausherr jeweils einen Stellplatz schaffen - vorausgesetzt es handelt sich nicht um ein Ein- oder Zweifamilienhaus. So steht es in dem Entwurf, den der Stadtrat den Bezirksausschüssen und Verbänden zur Stellungnahme vorgelegt hat. Gegen Ende nächsten Jahres wird endgültig ein Beschluss gefasst.

„Das ist ein wichtiger Schritt zu einer fahrradfreundlicheren Stadt“, sagt Traudl Schröder vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) aus München. Vieles, was der Radlclub schon lange fordere, finde sich in dem Entwurf wieder: So müssen die Stellplätze mindestens 1,5 Quadratmeter groß, ebenenerdig zu erreichen und mit Fahrradständern versehen sein. Mehr als die Hälfte von ihnen muss ein Dach vor Regen schützen.

Skepsis herrscht hingegen beim Haus- und Grundbesitzerverein. „Diesen Luxus kann sich München nicht leisten“, meint der Vorsitzende Rudolf Stürzer. Denn die Fläche, die Bauherren mit Wohnungen bebauen könnten, werde um die Größe der Stellplätze verkleinert. Das könnte am Ende den Preis der Wohnung und der Miete erhöhen.

Auch für andere Bauten will die Stadt Vorschriften machen. Je mehr Betten beispielsweise eine Jugendherberge hat, desto mehr Radlständer müssen vor die Tür. Auch für Büros, Baumärkte, Schulen oder Sporthallen wird ein Katalog mit Richtwerten entscheiden.

„Grundsätzlich stehen wir dem aufgeschlossen gegenüber“, sagt Sibylle Bauer, Sprecherin der hiesigen Industrie- und Handelskammer (IHK). Dennoch fürchtet sie, dass kleine Geschäfte im Nachteil sind: Für jeweils 75 Quadratmeter müssen sie einen Stellplatz schaffen, wenn die gesamte Verkaufsfläche kleiner als 400 Quadratmeter ist. Ist sie hingegen größer, wird jeweils nur ein Stellplatz auf 100 Quadratmeter fällig.

Die Stadt hofft, dass mit der Regelung mehr Münchner ihr Auto stehen lassen. Den Anteil der Fahrräder auf den Straßen möchte sie bis 2015 von 14 auf 17 Prozent erhöhen. „Das ist ein Mosaikstein von vielen“, sagt ADFC-Sprecherin Schröder. Zu den Maßnahmen zählt etwa auch das umstrittene Vorhaben, in der Altstadt Kfz-Parkplätze in Fahrradstellplätze umzuwandeln.

Andere Städte haben vorgemacht, dass eine Regelung für Radlstellplätze helfen kann, zum Beispiel Münster. Die Vorschriften gelten dort schon seit 16 Jahren - allerdings nur für Neubauten. Doch gerade in der Altstadt, wo die Straßen am engsten sind, wird selten neu gebaut, sagt der Münsteraner Verkehrsplaner Stephan Böhme. „Da sind die Straßen dann immer noch voll mit Rädern, die Fußgängern die Gehwege versperren.“ Das kann so auch auf München zukommen.

Jonas Gerding

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