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Störanfällig? Pro Bahn listet S-Bahn-Pannen auf.

Fahrgastverband Pro Bahn

Neue Zählung: Immer mehr Störungen bei der S-Bahn

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München - „S-Bahn in der Abwärtsspirale?“ – das fragt der Fahrgastverband Pro Bahn. Die Zahl der technischen Störungen sei hoch, wie eine neue Zählung belege. Eigentlich müssten die Fahrgäste entschädigt werden.

+++ AKTUELL +++ Wegen einer Stellwerkstörung am Ostbahnhof kommt es am Mittwoch zu erheblichen Beeinträchtigungen auf derS-Bahn- Stammstrecke.

Dass die S-Bahn störanfällig ist, moniert Pro Bahn seit Jahren. Im April vergangenen Jahres erstellte das Freisinger Mitglied Edmund Lauterbach schon einmal eine Liste von Störfällen. Polizei- und Notarzteinsätze sowie Suizide ließ er weg, weil da die S-Bahn nichts dafür kann. Aber auch so war die Liste recht umfangreich: 24 gravierende Störfälle in nur 15 Tagen.

Jetzt hat Lauterbach wieder gezählt. Und die Liste ist noch länger als im vergangenen Jahr: 37 Störfälle in den ersten beiden Juni-Wochen. Wenn man die so genannten Personenunfälle und Feuerwehreinsätze hinzuzähle, seien es sogar 51 Störfälle in nur zwei Wochen. „S-Bahn in der Abwärtsspirale?“, fragt Lauterbach im Mitteilungsheft „Pro Bahn Post“ (Juli 2015). Der Münchner S-Bahn fehle es an politischer Aufsicht. Das Versagen werde „aus Bequemlichkeit hingenommen“, formuliert er harsch.

Bei der S-Bahn München ist Lauterbach schon bekannt – er kritisiert öfters Störungen vor allem auf der Linie der S1, die er täglich benutzt. „Die pure Anzahl der Störungen sagt wenig aus“, erklärt ein Bahnsprecher. „Und viele Störungen sind vom Unternehmen nicht beeinflussbar.“ Die Bahn stehe, anders als von Pro Bahn behauptet, sehr wohl unter Aufsicht – durch die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG), die dem bayerischen Verkehrsministerium unterstellt ist. Jede Störung werde von der BEG moniert. Da bei der S-Bahn die Ausschreibung anstehe, „sind wir da auch hochsensibel“.

Auch die Ursachen der Störungen hat Lauterbach hinterfragt: 14 der 37 Fälle waren auf Defekte an Signalen, Stellwerken oder Bahnübergänge zurückzuführen; elf Fälle auf Fahrzeug-Störungen. Flugs folgert Lauterbach: Die S-Bahn-Züge der Baureihe 423 „werden älter“ – sie seien „wohl auch nicht auf eine so lange Lebensdauer konzipiert, wie das beim Vorgängermodell der Baureihe 420 der Fall war“. Das weist die DB scharf zurück. Der aktuelle „423er“ – die S-Bahn München hat 238 Stück der Baureihe, die nicht mehr hergestellt wird – sei „ausgesprochen zuverlässig“. Eine Fahrzeugstörung sei extrem selten. Selbst wenn ein Fahrgast eine Tür über die Notentriegelung unsachgemäß öffne, werde das als Fahrzeugstörung gewertet und im „Streckenagenten“ so angegeben. Diesen benutzt Lauterbach als Quelle für seine Statistik.

Als ärgerlich sieht es Lauterbach an, dass die S-Bahn trotz der Vielzahl an Störungen auf eine sehr gute Pünktlichkeit verweisen kann – zuletzt über 97 Prozent. Der Trick: In den meisten Störfallkonzepten fallen Züge gleich ganz aus - zum Beispiel durch Wegfall des 10-Minuten-Takts. Ausfallende Züge aber werden in der Statistik aber nicht gewertet. Ebenso bleibe unberücksichtigt, „dass in der Hauptverkehrszeit erheblich mehr Fahrgäste von Verspätungen und Ausfällen betroffen sind als zu anderen Zeiten.“ Lauterbach fordert deshalb verbesserte Fahrgastrechte. Die S-Bahn müsse Fahrkarten-Abonnenten entschädigen. „Das Bahnunternehmen muss die Probleme finanziell spüren, die Fahrgäste würden eine Anerkennung für ihren Schaden erhalten.“ Davon allerdings war in der Politik bisher nie die Rede.

Dirk Walter

 

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