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Droht dem Projekt das Aus?

CSU hat neue Zweifel an 2. Stammstrecke

München - In der CSU-Landtagsfraktion wächst offenbar der Widerstand gegen die zweite Stammstrecke. Kritiker befürchten explodierende Kosten. Hinter vorgehaltener Hand heißt es, dem Projekt drohe 2014 das Aus.

Es ist eine Genugtuung für den langjährigen Stammstrecken-Kritiker Martin Runge. Immer häufiger, so der Grünen-Fraktionsvorsitzende im Landtag, versicherten ihm CSU-Abgeordnete im Gespräch: „Nach der Wahl wird der Stecker gezogen.“

Rückt die CSU von der zweiten Stammstrecke ab? Meldungen über mögliche Mehrkosten sorgten für Unmut in der Landtagsfraktion. Wie Recherchen unserer Zeitung ergaben, ist die zweite Stammstrecke in der CSU offenbar immer umstrittener. Seinen Namen in der Zeitung lesen möchte zwar keiner der Kritiker. Hinter vorgehaltener Hand heißt es aber aus der Fraktion, dass das Projekt spätestens 2014 nicht mehr zu halten sein werde.

Auf 2,047 Milliarden Euro beziffert Verkehrsminister Martin Zeil (FDP) bislang die Kosten für den Tunnelbau. Dazu kommt ein Risikopuffer von 500 Millionen Euro. „Da bewegen wir uns aber schon entlang der Schmerzgrenze“, sagt ein CSU-Abgeordneter. „Jede weitere Verteuerung erscheint in der Fraktion nicht mehrheitsfähig.“ Den Planungen liegt eine Fertigstellung bis 2020 zugrunde, von Kritikern wird dieser Termin als unrealistisch bezeichnet. Noch gibt es für keinen Tunnel-Abschnitt grünes Licht, das Planfeststellungsverfahren beim Eisenbahnbundesamt läuft. Ein prominentes CSU-Fraktionsmitglied schätzt, dass es aufgrund seines Umfangs erst 2014 abgeschlossen sein wird. Wegen des verzögerten Baubeginns ergebe sich dann zwangsläufig eine neue Kostenschätzung. „Die Kosten dürften deutlich über 2,5 Milliarden Euro liegen. Das wäre eine unüberwindbare Hürde.“ Bei vielen in der Fraktion herrsche die Meinung vor, dass das Ende der Fahnenstange erreicht sei: „Ich glaube nicht, dass die zweite Stammstrecke kommt.“

Bei den überzeugten Befürwortern der Röhre, die überwiegend aus dem Münchner Umland stammen, lösen solche Überlegungen Verärgerung aus. „Offenbar ist das die Taktik aus interessierten Kreisen, den Tunnel sterben zu lassen“, sagte der Dachauer Abgeordnete Bernhard Seidenath. „Dabei ist die zweite Stammstrecke im vitalsten Interesse des Münchner Umlands.“ Er vertraue Verkehrsminister Zeil, demzufolge es keine Kostensteigerung gebe, wenn es keine Bauzeitverlängerung gebe. Einer der Kritiker aus der CSU meint dagegen: „Minister Zeil verbreitet vor der Wahl Zweckoptimismus“.

Auch Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) war Anfang der Woche schon vorsichtig auf Distanz zur zweiten Stammstrecke gegangen: „Wir wollen sie, aber kein finanzielles Abenteuer.“ Seehofer reagierte damit auf ein öffentlich gewordenes internes Bahn-Papier, das die Kosten auf 2,433 Milliarden Euro bezifferte, rund 400 Millionen Euro mehr als bisher geplant. Die Bahn ruderte anschließend zurück. Sie habe „vorsorglich in einer extrem konservativen Abschätzung“ eine Inbetriebnahme Ende 2022 geplant und mit 400 Millionen Euro Mehrkosten kalkuliert. Man strebe jedoch weiterhin eine Inbetriebnahme Ende 2020 zu den vereinbarten Kosten an.

Solche Zahlen haben laut Grünen-Fraktionschef Runge bei der Bahn „ein schnelles Verfallsdatum.“ Er prangert „Fehlplanungen grandiosen Ausmaßes“ an. Die Milliardenkosten stünden zudem in keinerlei tragbarem Verhältnis zum Nutzen. Laut Planfeststellungsunterlagen erhöhe die Röhre den Anteil des öffentlichen Nahverkehrs im Stadt-Umland-Verkehr nur minimal. Zudem weise das Konzept riesige Sicherheitslücken auf. Die Münchner Verkehrsgesellschaft hatte kürzlich bemängelt, die Umsteige-Verbindungen zwischen U-Bahn und S-Bahn am Hauptbahnhof seien „nicht ausreichend dimensioniert.“ Runges polterndes Fazit: „Man sollte aufhören, die Bürger zu verarschen. Die Politik muss endlich die Reißleine ziehen.“

Angelo Rychel

Rubriklistenbild: © dpa

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