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Neuer Ärger mit der Variotram

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München - Die Probleme mit der neuen Variotram reißen nicht ab. Nach einer Odyssee bis zur vorläufigen Betriebsgenehmigung sind die Fahrzeuge nun nach drei Monaten Einsatz schon wieder kaputt. Der Ärger darüber ist groß.

Es war Anfang Dezember, da glaubte sich die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) endlich am Ziel. Nach einem schier unendlichen Genehmigungsverfahren für die neue Variotram schaltete die Regierung von Oberbayern das Signal auf Grün: Und die schicken blauen Züge brausten los. Lange währte die Freude aber nicht. Gestern teilte die MVG mit, dass neun von elf einsatzfähigen Variobahn-Zügen von einem Serienschaden betroffen seien. Deshalb müsse man die für das Frühjahr angekündigte Taktverdichtung auf den Linien 15/25 sowie 27 weiter verschieben.

Das Problem steckt in den Rädern der fast drei Millionen Euro teuren Züge. Zwischen dem äußeren Radreifen und der inneren Radscheibe sitzen Gummiteile, die zum Teil Risse aufweisen. Die Ursache ist nach Angaben des Herstellers, der Firma Stadler aus Berlin, derzeit unklar, teilte die MVG mit. „Wir sind bestürzt, dass es bei nagelneuen Zügen bereits Schäden gibt“, sagte MVG-Chef Herbert König. Man stelle sich die Frage, wo die Ursache liege. „Stadler steht in der Pflicht, schnellstmöglich Antworten zu liefern.“ Vergleichbare Schäden sind nach Informationen der MVG auch bei den in Nürnberg eingesetzten Variobahnen aufgetreten.

Die Angelegenheit ist schon deshalb heikel, weil für die neuen Tramzüge noch gar keine endgültige Zulassung der Technischen Aufsichtsbehörde bei der Bezirksregierung vorliegt. Auch die Verlängerung der vorläufigen Zulassung habe die Aufsichtsbehörde davon abhängig gemacht, dass der Hersteller „belastbare Nachweise zur Sicherheit der fraglichen Teile“ vorlege, hieß es bei der MVG.

Der Austausch der schadhaften Gummikörper soll sich über Wochen ziehen, weil für die Reparatur mitunter sogar die Motoreinheiten ausgebaut werden müssen. Deshalb könne es zu Wagenausfällen im Linienbetrieb kommen, hieß es. In diesem Fall will die MVG die Tram-Bahnen so weit wie möglich durch Busse ersetzen. Dies sei gestern bei einem Zug der Linie 21 der Fall gewesen.

Der Ärger der MVG über den Hersteller ist offenbar groß. Nach einem kurzfristig anberaumten Treffen in München machten die Verkehrsbetriebe das Problem publik. Eine Sprecherin des Berliner Fahrzeugherstellers wollte sich gestern noch nicht zu dem Serienschaden äußern.

Eine Gefahr für die Fahrgäste besteht laut MVG aber nicht. „Die reparierten Räder werden laufend kontrolliert“, erklärte Betriebsleiter Michael Richarz. Sollten erneut Schäden an den Gummikörpern auftreten, werde man nicht zögern, die Züge außer Betrieb zu nehmen, bis Stadler das Problem gelöst habe.

Der Hersteller ist ohnehin noch Eigentümer der neuen Züge bis zur endgültigen Zulassung der Variotram. Aus Mangel an Ressourcen hat das Unternehmen die Reparatur an die MVG übertragen.

Matthias Kristlbauer

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