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Blick auf die alte Großmarkthalle: Viele der Gebäude stehen unter Denkmalschutz und müssen erhalten werden.

Kostenexplosion

Neuer Großmarkthalle in München droht das Aus

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München - Der Bau der neuen Großmarkthalle in Sendling droht zu scheitern. Grund ist die Finanzierung. Rund 180 Millionen Euro soll das 500 Meter lange Bauwerk kosten – 50 Prozent mehr als angenommen. 

Als „Bauch der Stadt“ wird die Großmarkthalle gerne bezeichnet. Ob es in einigen Jahren innerhalb des Mittleren Rings noch eine Anlaufstelle für Lebensmittel-Einzelhändler gibt, wo täglich frisches Obst, Feinkost oder Blumen aus aller Herren Länder gekauft werden können, ist aber fraglich. Denn die alte Großmarkthalle ist baufällig und belastet den Etat der städtischen Markthallen-Betreiber massiv. Der Stadtrat beschloss deshalb im Jahr 2013 einen Neubau an der Thalkirchner Straße. Doch ob dieser tatsächlich realisiert wird, ist ungewiss, denn die Kosten laufen aus dem Ruder. Nach Informationen unserer Zeitung sind sie auf 180 Millionen Euro empor geschnellt.

Modern und offen: So sollte die neue Großmarkthalle an der Thalkirchner Straße aussehen. 

Noch im vergangenen Jahr war der Stadtrat von rund 120 Millionen Euro für den 40 000 Quadratmeter großen Bau mit seiner markanten Glasfassade ausgegangen. Das mit der Planung beauftragte Architekturbüro Ackerman legte jedoch jüngst eine aktualisierte Kostenschätzung vor – die innerhalb der Rathaus-Koalition für Entsetzen sorgt. Angesichts der angespannten Haushaltslage und Milliarden-Investitionen in Schulen und Infrastruktur sind die Koalitionäre nicht mehr so großzügig beim Geldausgeben wie noch vor einem Jahr. „Die Baukosten für die neue Großmarkthalle kann die Stadt nicht übernehmen“, hieß es gestern aus Koalitionskreisen. Lediglich die Planungskosten werde man bezahlen.

Das Büro Ackermann hatte sich mit seinem Entwurf in einem Architektenwettbewerb gegen 13 Konkurrenten durchgesetzt und vom Stadtrat 2015 den Auftrag bekommen, die neue Großmarkthalle zu planen. Der Entwurf besticht durch seine moderne Dachkonstruktion und die gläsernen Fronten hin zur Thalkirchner Straße. Dabei dürfte es allerdings nicht bleiben. Bereits im vergangenen Jahr forderte die CSU, dass abgespeckt wird. „Wir brauchen kein Architekturdenkmal, sondern eine funktionsfähige Halle“, sagte gestern ein Stadtrat.

Die städtischen Markthallen, das Kommunalreferat und Ackermann-Architekten verhandeln bereits darüber, wie sich der Preis für die neue Halle reduzieren lässt. „Wir müssen Abstriche machen. Ich bin zuversichtlich, dass wir eine Lösung hinbekommen“, sagt Markthallen-Chef Boris Schwartz. Ziel sei es, die Kosten für die neue Halle so weit zu drücken, dass auch die Mietpreise für die Händler im Rahmen bleiben. „Wir wollen die neue Halle zu vernünftigen Preisen vermieten. Da gibt es natürlich eine Schallmauer.“

Kämpfen für den Neubau: Kommunalreferent Axel Markwardt (li.) und Markthallen-Chef Boris Schwartz.

Plan ist, die neue Großmarkthalle über Grundstücksverkäufe zu refinanzieren. Die Markthallen wollen alle Gebäude westlich der Thalkirchner Straße räumen und die frei werdenden Flächen vermarkten, etwa für Wohnungsbau. Dabei gibt es allerdings mehrere Haken. Etliche der Bauten auf dem riesigen Areal sind denkmalgeschützt. Unter anderem die Halle 1 der alten Großmarkthalle, der Verwaltungstrakt, die ehemalige Post, die Gaststätte, die Kontorhäuser I und II sowie die Kartoffelhalle.

Die Gebäude müssen erhalten und in eine künftige Planung integriert werden. Nach Schätzungen der Kämmerei aus dem Jahr 2013 ließen sich bis zu 70 Millionen Euro durch Grundstücksverkäufe erlösen. An den Meistbietenden werden die Grundstücke aber nicht verhökert werden. Die Koalition hat vereinbart, städtische Grundstücke künftig überwiegend für Sozialwohnungsbau zu verwenden. Sie sollen entweder von städtischen Wohnungsbaugesellschaften überplant oder an private Investoren veräußert werden, die einen festgelegten Anteil geförderter Wohnungen errichten. Wie viel Geld durch die Vermarktung der Flächen erzielt werden kann, ist deshalb ungewiss. Das Kommunalreferat will Ende dieses Jahres den Stadtrat in nichtöffentlicher Sitzung über Finanzierungsmodelle informieren.

In der Koalition ist man gespannt auf die Vorschläge. „Wir wollen die Großmarkthalle erhalten, aber nicht um jeden Preis“, sagt CSU-Fraktionschef Hans Podiuk. Er verweist auf die Vielzahl an millionenschweren Projekten, die in den nächsten Jahren auf die Stadt zukommen werden. Podiuk: „Wir können leider nicht alles gleichzeitig finanzieren.“

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