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Bei mehr als der Hälfte der Prüfungen stellten die Kontrolleure Mängel fest.

Mängel an jeder zweiten Konrolle

Neuer Heim-Bericht: Der Pflege-Schock

München - Die Heimaufsicht hat wieder mehr Pflege-Mängel festgestellt. Bei mehr als der Hälfte gab es etwas auszusetzen. Pflege-Experte Claus Fussek spricht von einer Abwärtsspirale.

Die Kontrolleure haben 60 Senioren-Einrichtungen in den vergangenen beiden Jahren 201 Mal besucht – und hatten bei 52 Prozent der Prüfungen etwas auszusetzen! Das berichtet der Münchner Merkur. In den beiden Vorjahren waren bei etwa einem Drittel der Prüfungen Mängel festgestellt worden.

Die Probleme sind ganz unterschiedlich: Bei den 1450 genauer überprüften Bewohnern gab es Mängel bei Grundpflege, Ernährung oder Wund- und Schmerzbehandlung, heißt es im Heimbericht, der kommende Woche im Rathaus vorgestellt wird.

Alarm schlägt Blume-Beyerle erneut beim Umgang mit Psychopharmaka (tz berichtete): Dieser sei „bedenklich“. Mehr als die Hälfte der Bewohner bekommt regelmäßig Tranquilizer, weitere zehn Prozent bei Bedarf – wenn sie unruhig waren oder Schlafstörungen hatten. Für Blume-Beyerle liegt sogar der Verdacht nahe, dass „fehlendes Personal in dieser Zeit durch die Gabe von Medikamenten kompensiert“ wird.

Sechs Heime bekamen 2011 und 2012 Anordnungen, weil Mängel nicht abgestellt wurden oder so erheblich waren, dass Leib und Leben von Bewohnern in Gefahr waren. In drei Einrichtungen wurde ein Aufnahmestopp angeordnet, drei weitere nahmen freiwillig eine Zeit lang keine neuen Bewohner auf.

Die Münchner Kontrolleure sind deutlich öfter unangemeldet in den Heimen, als sie laut Gesetz müssten: Jede Einrichtung wurde im Schnitt 1,7 Mal pro Jahr geprüft. Den starken Anstieg bei den festgestellten Mängeln führt Blume-Beyerle nicht zuletzt auch auf die Vorgehensweise seines Hauses zurück: Weil die Heimaufsicht Häuser, in denen die Qualität zu wünschen übrig lässt, öfter kontrolliert, würden auch mehr Mängel festgestellt, das zeige sich in der Statistik.

Blume-Beyerle hat aber auch Positives zu vermelden: Immer weniger Menschen werden in den Münchner Pflegeheimen mit Gurten oder Gittern im Bett oder auf Stühlen fixiert.

tz-Interview mit Claus Fussek

Herr Fussek, die Mängel in Heimen sind eklatant angestiegen. Das KVR erklärt das auch mit häufigeren Kontrollen …

Claus Fussek

Claus Fussek: Nein, das ist die logische Konsequenz aus Personal- und Fachkräftemangel. Je länger die Pflegekräfte überbelastet bleiben, desto öfter werden sie krank. Und immer mehr gute Kräfte hören ganz auf. Das ist eine Abwärtsspirale in einem kranken System.

Ein System, dass offenbar auch nicht mehr ohne Psychopharmaka zur Ruhigstellung der Bewohner auskommt …

Fussek: Die werden gerade abends und nachts oft eingesetzt, da die Unterbesertzung da noch eklatanter ist. Auch das ist uns Experten kein Geheimnis. Das Thema findet nur leider fast gar nicht in öffentlichen Diskussionen und Verhandlungen statt.

Was muss sich außer besseren Rahmenbedingungen für Pflegekräfte noch ändern?

Fussek: Angehörige und Freiwillige müssen in die Pflegeheime gehen und mithelfen. Und jeder sollte bedenken: Die beste Heimaufsicht sind kritische Angestellte und Angehörige.

Caroline Wörmann/nba

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