Am Feierabend: Erst Arzteinsatz, dann Stau bei der S-Bahn 

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Der dritte Versuch: Der Tunnelabschnitt in Haidhausen bereitet den Planern besonders Kopfzerbrechen. Die neue Lösung mit dem Namen "Haidhausen3" (rote Linie) hat einen unterirdischen Halt am Orleansplatz.

Neuer S-Bahn-Tunnel sorgt für Ärger

München - Tunnel oder Südring – was ist die beste Lösung für die S-Bahn? Noch im April sollen dazu die Weichen gestellt werden. Dass die Bahn ihre Pläne für den zweiten Tunnel nun abermals geändert hat, sorgt im Stadtrat keineswegs nur für Freude.

Der Mittwoch nächster Woche könnte ein entscheidender Tag für die Zukunft des Münchner Nahverkehrs werden. Im Rathaus sollen Experten noch einmal die Vor- und Nachteile eines zweiten S-Bahn-Tunnels und eines Ausbaus des Bahn-Südrings vorstellen. Offenbar hatten die Planer eine Überraschung präsentieren wollen: eine neue Tunnelführung in Haidhausen.

Durch einen Bericht unserer Zeitung sind die Pläne nun schon vorab bekannt geworden. Die Verzweigung des Tunnels in einen Ast Richtung Leuchtenbergring und einen zum Ostbahnhof wurde aufgegeben. Stattdessen soll die neue Trasse von den Maximiliansanlagen Richtung Südosten verlaufen. Auf Höhe der Kreuzung von Keller-/Metzstraße macht die Strecke eine Linkskurve in Richtung Orleansplatz. Neu bei der Lösung ist, dass nun S-Bahnen zum Flughafen auch am Ostbahnhofen halten. Dazu soll es 36 Meter unter der Weißenburger Straße und dem Orleansplatz einen Tiefbahnhof geben, derüber Rolltreppen vom Orleansplatz und dem Pariser Platz erschlossen wird.

Gerade bei Befürwortern des Südrings sorgen neuen Entwürfe für Unmut. Dass die Pläne erst nächsten Mittwoch vorgestellt werden sollten, sei eine „Brüskierung des Stadtrats“, schimpfte Grünen-Stadträtin Sabine Nallinger. Auch in der CSU werden die Kritiker lauter. „Die Zeit milliardenteurer Halblösungen ist vorbei“, warnte Stadtrat Georg Kronawitter. „Eine Vorfestlegung auf den zweiten Tunnel ist kontraproduktiv“.

FDP-Fraktionschef Michael Mattar bezweifelte unterdessen, dass der Tunnel billiger werde als geplant. Bisher wurde das Bauwerk auf 1,64 Milliarden Euro kalkuliert. Eine erste Nutzen-Kosten ergab, dass das Projekt auch ohne den zweiten Tunnelast Richtung Giesing wirtschaftlich sei. Dieser könnte später gebaut werden. Eine Abzweigestelle ist bereits eingeplant.

Nach dem Aus des Transrapid gilt als unwahrscheinlich, dass der Freistaat gegen den Willen der Stadt den Tunnel bauen wird. Das Experten-Hearing im Rathaus hat deshalb große Bedeutung. Die Gefechtslage im Stadtrat aber ist schwierig. Die SPD hält an den Tunnelplänen fest. „Stadt und Freistaat wollen den Tunnel“, erklärte OB Christian Ude. „Ich hoffe, dass es bei der breiten Mehrheit bleibt.“ Ganz so üppig ist die jedoch nicht. Votiert die CSU für den Südring, könnte sie mit den Grünen und der FDP die Mehrheit erzielen. Die Grünen riskieren aber den Koalitionsfrieden mit der SPD.

Die Zukunft des Münchner Nahverkehrs droht nun zum Polit-Geschacher zu werden. Das zeigt schon die Rednerliste für das Hearing. Es fehlt darauf ausgerechnet der Chef der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG), Herbert König. „Das ist schon merkwürdig“, sagte FDP-Fraktionschef Mattar. „Ich vermute mal, dass er dem Südring zuneigt.“ Das zuständige Planungsreferat sprach indes von einem „Büroversehen“. Mittlerweile sei König eingeladen worden.
Ob er tatsächlich ein Befürworter des Südrings ist, dazu äußerte sich König nicht. Allerdings hatte der MVG-Chef schon öfter überfüllte U-Bahnhöfe beklagt. Mit dem zweiten Tunnel könnte das Problem noch wachsen.

Befürworter des Südrings verweisen indes darauf, dass dies mit ihrer Lösung wegen neuer Umsteigemöglichkeiten von der U- zur S-Bahn nicht der Fall sei. Zudem sei der Vollausbau der Trasse genauso leistungsfähig bei deutlich geringeren Kosten. Das Verkehrsplanungsbüro Vieregg-Rößler schätzt die Maßnahme auf 400 Millionen Euro.

Von Matthias Kristlbauer

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