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Der Busfahrer mal zwei: Ein Urban Sketcher, ein "Stadtzeichner" im MVG-Museum. 

Auch in München

Neuer Trend: "Urban Sketchers" - Die Zeichner der Großstadt

München - Ein kreativer neuer Trend: Weltweit entstehen und wachsen „Urban Sketchers“-Gruppen – auch in München ziehen die Hobbymaler umher. Worum es dabei geht...

Schwarz-weiß oder in Farbe: Judith S. und Miriam B. (re.) zeigen ihren Werke. 

Miriam Benmoussa sitzt im MVG-Museum auf dem Boden, angelehnt an eine Säule. Auf den Knien liegt ihr Skizzenbuch. Strich für Strich zeichnet sie mit Füller und wasserfester Tinte, was sie gerade vor sich sieht: eine alte Münchner Tram. In einer halben Stunde ist das Bild fertig. Dann zieht sie einen Mini-Aquarellkasten aus ihrem blaugestreiften Kosmetikbeutel und koloriert die Zeichnung noch schnell. Benmoussa gehört zur Münchner Gruppe der „Urban Sketchers“. Sie zeichnen, was ihnen gerade ins Auge fällt. Ohne großen Aufwand, einfach aus dem Bauch heraus. Manche fokussieren sich auf Objekte oder Architektur, andere auf Menschen. Wichtig ist: Es müssen Motive aus der Realität sein. Porträts oder Posen gehören nicht dazu. „Wir wollen den Alltag einfangen“, erläutert Benmoussa. Gemäß dem großen Motto der Urban Sketchers: die Welt zeigen, Zeichnung für Zeichnung.

Das Urban-Sketching ist eine Art visueller Journalismus. Die „Stadtzeichner“ zeigen das Leben, wie es gerade geschieht, wie sie es sehen. Entstanden ist die Bewegung im Jahr 2007 in Amerika. Inzwischen gibt es eine weltweite, vernetzte Gemeinschaft. Menschen, die Städte, Orte und Dörfer zeichnen, in denen sie leben oder die sie bereisen. Auch in München. Die hiesige Gruppe gibt es seit mittlerweile drei Jahren. Und sie wird immer größer.

Die Skizze muss vor Ort entstehen

"Die Welt zeigen, Zeichnung für Zeichnung", lautet das Sketchers-Motto - hier Giuseppa Milazzo (44) beim Zeichnen. 

Einmal im Monat trifft man sich an einem öffentlichen Ort zum so genannten Sketchcrawl. An diesem Januarsonntag haben sich die Urban Sketchers im Münchner MVG-Museum verabredet. Rund 50 Stadtzeichner sitzen oder stehen zwischen den Ausstellungsstücken, auf den Emporen, in den Aufgängen. Auch das gehört zum Manifest der Bewegung: Die Skizze muss vor Ort entstehen, Fotos als Vorlage sind untersagt. Die direkte Beobachtung ist wichtig. „Jeder erzählt ein bisschen seine Geschichte“, meint Benmoussa. Wer zeichne, nehme beim Gang durch die Stadt auch deutlich mehr wahr.

Ob mit Tusche, Bleistift, Fineliner, Aquarell oder Kreide – erlaubt ist, was gefällt. „Richtig oder falsch gibt es nicht“, sagt Urban-Sketcherin Judith Suwald. Genau so wenig wie die Aussage: Das kann ich nicht! „Wir sind fast alle Autodidakten und Hobbyzeichner, nur ein paar haben einen künstlerischen Hintergrund.“ So wie Philipp Höhnel. Der 23-Jährige studiert Design mit Fokus Zeichnen. Er ist zum ersten Mal dabei. „Ich find’s cool, dass es so gemischt ist, jeder sieht was anderes.“ Gerade diese Vielfalt mache das Urban-Sketching so spannend, bestätigt Benmoussa.

Momentaufnahmen auf Papier

Jeder könne zeichnen, wenn er regelmäßig übe. „Man muss einfach Lust haben, einfach loslegen.“ Anfänger würden oft den Fehler machen, nicht das zu zeichnen, was sie tatsächlich sehen, sondern wie es ausschauen soll, weiß Judith Suwald. „Man muss gar nicht fotorealistisch zeichnen, der krumme Strich ist viel natürlicher.“ Der Reiz liege nicht in der Perfektion.

Zum ersten Mal bei den Urban Sketchers: Design-Student Philipp H. (23)

So entstehen schnelle Skizzen aus dem Alltag. Momentaufnahmen auf Papier. Suwald hat ihr kleines Skizzenbuch und das Mäppchen mit den Stiften immer dabei. In der Mittagspause, beim Spaziergang, auf Reisen. „Man kommt schnell runter, wenn man zeichnet“, sagt sie. Abschalten, sich auf das Sehen und Zeichnen konzentrieren, „das hat schon was Meditatives“. Schwierig sei manchmal das Format. „Ich fange irgendwo an und dann merke ich, dass nicht alles draufpasst.“ Da wird der Kirchturm dann schon mal um die Ecke gebogen. Benmoussa malt lieber groß. „Details sind mir zu fusselig.“ Für andere ist gerade das die Herausforderung.

Sich nach einem Zeichentag noch zusammenzusetzen, das gehört bei den Urban Sketchers unbedingt dazu. „Der Austausch ist fast das Wichtigste bei den Treffen“, meint Benmoussa. Dabei gibt es keine Kritik, „nur positives Feedback“. Die schönsten Bilder werden dann unter www.urbansketchersmunich.blogspot.de im Netz gezeigt. 

Carmen Ick-Dietl

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