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„Wir sind für alle Menschen da“: Münchenstift-Geschäftsführer Siegfried Benker mit Besucherin Lamia Zubcevic.

Münchenstift

Neues Konzept der Stadt: Multikulti im Pflegeheim

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München - Viele Kulturen prägen die Münchner Stadtgesellschaft – eine Vielfalt, die sich in den Pflegeheimen noch nicht wiederfindet. Vor einem Jahr hat die Stadt deshalb ein „Konzept zur interkulturellen Öffnung der Langzeitpflege“ entwickelt. Im Haus Heilig Geist zeigt die Münchenstift nun, wie sich alle Kulturen wohlfühlen sollen.

Zu wenig Farbe, der Flur wie im Krankenhaus, zu still – es gab viele Dinge, die Michaela Ortner zu hören bekam. Sie ist beim städtischen Altenheim-Träger Münchenstift zuständig für die kulturelle Öffnung. Immer wieder hat sie Menschen mit Migrationshintergrund in die Heime eingeladen und genau zugehört, was ihnen beim Rundgang aufgefallen ist, was bemängelt wurde. Denn darum soll es künftig gehen: dass sich auch Menschen, die nicht in Deutschland geboren sind, in den Pflegeheimen willkommen und wohl fühlen.

Immerhin mehr als eine halbe Million Münchner haben ihre Wurzeln im Ausland. Doch ihr Anteil an der Bewohnerschaft in den Pflegeheimen ist nach wie vor gering. Das soll sich ändern. Und im Haus Heilig Geist am Dom-Pedro-Platz zeigt die Münchenstift nun, wie das funktionieren könnte.

Es sind viele kleine Bausteine, aus denen sich das neue Konzept zusammensetzt. Im Eingangsbereich auf dem Teppich und auf der Wand hinter der Rezeption steht „Willkommen“ in verschiedenen Sprachen. In einer digitalen Bilderschau sind Fotos der Bewohner zu sehen: Familienfeste, Urlaubsfotos, der Ausflug mit dem VW-Käfer – „die Bilder ähneln sich, egal ob sie von deutschen oder von Bewohnern mit Migrationshintergrund stammen“, sagt Martina Ortner.

Neue Ideen, die bei den Bewohner ankommen

Inspirationen hat sich die Münchenstift von einigen Künstlern geholt. Mit Hilfe des Kurators Michael Härteis – ein Künstler, der bereits für einige Altenhilfeeinrichtungen tätig war – wurde vieles umgesetzt. Zu Statisches wurde aufgebrochen, etwa indem Bilder anders aufgehängt wurden, insgesamt kam mehr Farbe ins Spiel, etwa durch Mosaikstreifen an der Wand. Unterstützung kam hier von der Akademie für Gestaltung. Studenten hatten sich damit beschäftigt, wie welche Farbe auf ältere Menschen wirkt.

Doch es geht nicht nur um die Optik. Auch bei der Tagesstruktur, den Angeboten und dem Essen wurde an den Stellschrauben gedreht. Internationale Gerichte haben im Speisenangebot Einzug halten. Da gibt es neben dem Schweinsbraten auch mal den Lammeintopf oder das Couscous. Insgesamt beschreibt Martina Ortner die Ausrichtung als „mehr mediterran“, also mit vielen Speisen aus dem Mittelmeerraum. Dazu gibt es spezielle Angebote: Es gibt mehr anderssprachige Zeitungen. Ein afrikanischer Abend fand bereits statt und ein griechischer. „Das waren Ideen von Mitarbeitern“, sagt Martina Ortner, „Sie sind bei allen Bewohnern super angekommen.“

Es werden nicht die letzten sein, denn die Belegschaft der Münchenstift ist längst multikulti: 60 Prozent haben einen Migrationshintergrund, bei den Auszubildenden sind es sogar 85 Prozent. Sie alle durchlaufen ein umfangreiches Fortbildungsprogramm. Es geht um den Umgang mit den verschiedenen Kulturen und dem damit verbundenen Verständnis von Pflege, den Erwartungen der unterschiedlichen Bewohner.

„Als städtische Gesellschaft haben wir den Auftrag, für alle Menschen der Stadt da zu sein“, sagt Münchenstift-Geschäftsführer Siegfried Benker. Das neue Konzept solle das Gefühl vermitteln, dass „Vielfalt gewünscht ist“. Dabei gehe es nicht um plumpe Anbiederungen an einzelne Gruppen, etwa indem man den Speisesaal wie eine griechische Taverne einrichte. Benker: „Die Vielfalt muss für alle funktionieren.“

Nach und nach soll das Multikulti-Konzept in allen Häusern umgesetzt werden. Schon im vergangenen Sommer hatte die Münchenstift in ihrem Hans-Sieber-Haus an der Manzostraße einen Wohnbereich speziell für Muslime eröffnet.

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