+
Werben um Spender: Jochen Fuchs (Schulleiter Weilerschule ), Sibu Aminian ( Ü-Patenschaft), Günther Lamperstorfer ( Ü-Patenschaft), Frank Enzmann ( Vorstand SoNet ). 

Neues Projekt für Patenschaften

Flüchtlings-Schüler suchen Paten

  • schließen

München - In den Übergangsklassen für Flüchtlingskinder fehlt es an fast allem, Firmen und Bürger können helfen. 

Mehr als 100 Übergangsklassen gibt es zurzeit an Münchner Grund- und Mittelschulen. Hier werden vor allem Flüchtlingskinder unterricht – solange, bis sie gut genug Deutsch sprechen, um in Regelklassen zu wechseln. In den Ü-Klassen fehlt es an Geld, Material und Personal. Hier setzt das neue Projekt „Patenschaften für Übergangsklassen“ an.

Das Bildungsnetzwerk München (BiNet) und der Münchner Lehrer- und Lehrerinnen-Verband (MLLV) bringen hilfswillige Privatleute, Firmen und Stiftungen mit Schulen in Kontakt. Die Projektpartner übernehmen Patenschaften und helfen beispielsweise mit Geld- und Sachspenden. Nun haben Initiatoren und Paten das Projekt vorgestellt.

Ramona Haider unterrichtet eine Ü-Klasse in der Weilerschule, in der vor allem Kinder aus Syrien und Afghanistan betreut werden. Die Lehrerin berichtet von den täglichen Problemen, mit denen sie zu kämpfen hat. Anfangs hätten die Kinder weder Schulmaterial noch warme Kleidung besessen. Hier hätte die Schule mit Sachspenden helfen können. Für den Turnunterricht könnten sich viele Familien keine Sportkleidung für die Kinder leisten, manche brächten nicht die 15 Euro Essensgeld im Monat auf und auch Ausflüge seien quasi nicht zu finanzieren. Ein Mädchen benötige eine Brille, doch die Eltern könnten den finanziellen Eigenbeitrag nicht stemmen. Für solche Ausgaben hätten Schulen kein Budget, sagt Haider. Umso wertvoller sei hier die Unterstützung der Paten. Sie könnten in den Klassen gezielt und ganz konkret helfen.

Ähnliche Erfahrungen hat Anna Deutschendorf gemacht, die an der Ichoschule unterrichtet. Die Klassen seien überaus heterogen. Manche Kinder waren noch nie zuvor in einer Schule und hatten noch nie einen Stift in der Hand. Andere Schüler hätten in ihren Herkunftsländern Schulen besucht und sprächen zum Teil mehrere Sprachen. Doch auch sie müssten nun Deutsch lernen. Um den verschiedenen Anforderungen der Kinder gerecht zu werden, fehle es an Unterrichtsmaterial und auch an Personal. Der Bedarf reiche von Kopiergeld bis hin zu Traumatherapie. Die Pädagoginnen sind begeistert von der Paten-Initiative.

„Integration funktioniert nur, wenn die Kinder ihre neue Heimat wirklich kennenlernen“, sagt MLLV-Berater Harun Lehrer. Deswegen seien gerade Ausflüge – und sei es nur in einen Supermarkt – enorm wichtig. Die Kinder lernten im Alltag die Sprache am ehesten.

Bereits für 13 Klassen hätten sich Paten gefunden, berichtet Gerlinde Wouters von BiNet. So engagierten sich unter anderem bereits die Stiftungen Kick ins Leben und Castringius sowie die Firma TalentGarden. Der finanzielle Bedarf einer Übergangsklasse liege bei jährlich 1000 bis 2000 Euro.

Wer helfen will, kann sich beim MLLV, Tel. 089/ 721 001 808, oder bei BiNet, Tel. 089/599 890 870 melden.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Bewaffnete Sicherheitswacht? 100 Sheriffs für München
München - Die Stadt soll sicherer werden. Deshalb wird das Personal für den Sicherheitsdienst zum kommenden Jahr deutlich aufgestockt. Die Sheriffs sollen auch bewaffnet …
Bewaffnete Sicherheitswacht? 100 Sheriffs für München
Königliches Liebesdrama in Hanfstaengls Atelier
München - War es Liebe auf den ersten Klick? Auf jeden Fall sollen sich Herzogin Sophie Charlotte und der Sohn des Fotografen Franz Hanfstaengl im Atelier näher gekommen …
Königliches Liebesdrama in Hanfstaengls Atelier
Bierpreisbremse: SPD stimmt wohl dagegen
München - Die Bierpreisbremse scheint selbst in der Großen Koalition nicht nur Freunde zu finden. Offenbar würde die SPD gegen den Plan von Bürgermeister Josef Schmid …
Bierpreisbremse: SPD stimmt wohl dagegen
Dom im Dunklen und Gratis-Friseurbesuche
München - Am Samstagabend ging plötzlich das Licht aus. Denn München beteiligte sich an der Earth Hour. Für Obdachlose gab es derweil ein anderes Highlight.
Dom im Dunklen und Gratis-Friseurbesuche

Was denken Sie über diesen Artikel?

Kommentare