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Reise- und Tropenmediziner Prof. Thomas Löscher.

In München

Neues Zentrum für Reisemedizin: „Erreger reisen in Hochgeschwindigkeit“

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München - Sie gehören zu den Gewinnern der Globalisierung: Per Flugzeug oder Frachtschiff verbreiten sich Viren über die ganze Welt. Darüber sprechen wir mit dem Leiter des neu eröffneten „Zentrums für Reise- und Tropenmedizin“ (ZRT) in München.

„Erreger und ihre Überträger reisen heute in Hochgeschwindigkeit“, sagt auch Prof. Thomas Löscher. Die winzigen Krankmacher sind seit fast 40 Jahren sein Spezialgebiet – bis nach Tansania und zu den Philippinen haben ihn Forschungseinsätze einst geführt.

Heute leitet Löscher das neu eröffnete „Zentrum für Reise- und Tropenmedizin“ (ZRT) in München, das zur M1-Privatklinik gehört. Bis 2015 war er Direktor des Instituts für Tropenmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

Kurz vor der Eröffnung des neuen Zentrums kamen ihm seine winzigen Gegner wieder mal zuvor – die Vogelgrippe ist auch in München angekommen (wir berichteten). An einem See in Thalkirchen war vergangene Woche eine tote Gans gefunden worden, die das H5N8-Virus in ihrem Körper trug – zum Glück ein Erreger, der nur Vögel krank macht. Menschen hätten sich bislang nicht angesteckt, beruhigt Löscher, und er geht auch davon aus, dass das so bleiben werde. „Aber Viren können sich ändern“, sagt er. „Man kann nichts ausschließen.“

Die Sache mit der Vogelgrippe zeigt vor allem eins: Wie rasant sich Viren heute ausbreiten. Kaum in Deutschland angekommen, wurde der Erreger bereits in 13 Bundesländern nachgewiesen. Und so reisefreudig wie Zugvögel sind Menschen allemal: Allein Deutschland sei im vergangenen Jahr Ausgangspunkt für 81 Millionen Auslandsreisen gewesen, sagt Löscher. In immerhin vier Millionen Fällen sei dabei ein Land in den Tropen oder Subtropen das Ziel gewesen – Regionen also, in denen besonders gefährliche Erreger lauern. Wie die von Ebola, Malaria oder Dengue. Wenn sich Reisende mit solchen winzigen Krankmachern infizieren, bringen sie die teils mit in ihre Heimat. So schaffen es die Erreger manchmal sogar innerhalb weniger Stunden, viele tausend Kilometer zurückzulegen.

Schnell ging es auch beim Zika-Virus, das unlängst für Schlagzeilen sorgte. Es kann das Nervensystem befallen und vor allem bei Schwangeren zum Problem werden. Infizierte Frauen bringen teils Kinder mit zu kleinen Gehirnen zur Welt. Bekannt ist das Virus seit mehr als 60 Jahren, doch bis 2007 gab es nur sporadisch Ausbrüche in Afrika und Asien. Kaum einer habe sich also für das Virus interessiert, sagt Löscher. Dann wurde es erstmals auf einer Pazifikinsel nachgewiesen. 2014, kurz vor der Fußball-WM, folgten erste Fälle in Brasilien. Heuer tauchte der Erreger in den USA auf, im Sommer in Florida – und erst vor wenigen Tagen in Texas. Das Virus ist sexuell übertragbar, wird aber vor allem von Gelbfiebermücken verbreitet. Die gibt es in Deutschland nicht. Doch wurden punktuell bereits mehrmals Tigermücken nachgewiesen. Ob sie das Virus übertragen können, ist aber unklar.

Das Risiko, sich in Deutschland mit solchen Erregern zu infizieren, ist also eher gering. Wer eine Fernreise plant, sollte sich aber rechtzeitig beraten lassen. Vier bis sechs Wochen vor Reisebeginn, das sei optimal, sagt Löscher. Denn gegen einige Erreger kann man sich durch Impfungen schützen, wofür teils zwei oder drei Spritzen in einigen Wochen Abstand nötig sind. Doch selbst kurz vor der Abreise lohnt sich ein Arztbesuch noch: Die Hepatitis-A-Impfung etwa sei sogar noch „eine Stunde vor Abreise“ möglich, sagt Löscher. Zudem beraten Reisemediziner auch zum Mückenschutz – „eine der wichtigsten Maßnahmen“, findet der Experte. Und was man dafür braucht, kann man kurz vor knapp noch in den Koffer packen: Moskitonetz und Sprays zur Mückenabwehr.

Eine Kassenleistung ist der Besuch beim Reisemediziner nicht. Allerdings erstatten immer mehr Krankenkassen die Kosten für Reiseimpfungen und die Malariaprophylaxe als freiwillige Leistung. „Nachfragen lohnt sich also immer“, sagt Löscher.

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