Der Zaun am Karl-Marx-Ring darf bleiben. In Zukunft soll das Gatter aber tagsüber geöffnet bleiben. foto: Kurzendörfer

Neuperlach: Umstrittener Zaun darf doch bleiben

München - Im Kellereingang lagen Drogenspritzen herum, nachts hielten die Bewohner der Hochhaussiedlung den Lärm vorbeiziehender Kneipenbesucher nicht mehr aus. Sie errichteten einen Zaun, über den sich die Bürger Neuperlachs seit zwei Jahren streiten. Der Fall landete vor Gericht.

Seit dem Sommer 2007 steht der Zaun auf dem Grundstück der Hochhaussiedlung am Karl-Marx-Ring. Nach Aussagen der Bewohner ist es jetzt ruhiger, von Spritzen sei auch kaum noch etwas zu sehen. Andere Bürger beschwerten sich allerdings, dass ein Weg vom nahen Einkaufszentrum zur Bushaltestelle versperrt war. Mit Erfolg. Auf Druck einer Bürgerversammlung nahm die Lokalbaukommission die zuvor erteilte Genehmigung für den Zaun wieder zurück.

Das entscheidende Problem war aber nicht der vielleicht längere Fußweg zum Bus. Schwerer wog, dass mit dem Zaun die Grundsätze des Planungskonzepts für die Trabantenstadt Neuperlach unterlaufen wurde. „Es ist die Art des Städtebaus aus den 60er und 70er Jahren, dass die Hochhäuser fließend in der Landschaft liegen“, erklärt Michael Hardi vom städtischen Planungsreferat. „Dazu gehören öffentliche und private Wege, die untereinander vernetzt sind, und auf denen man sich frei bewegen kann. In den Bebauungsplänen ist diese Idee rechtlich verbindlich festgeschrieben.“

Bis heute steht der Zaun, denn die Eigentümergemeinschaft legte Klage beim Verwaltungsgericht ein. Stadt und Eigentümer fanden im Gerichtssaal jetzt einen Kompromiss. Der Zaun, der auf privatem Grund steht, darf bleiben. Die Stadt zieht ihre Bescheide zurück. Die Eigentümer erklären sich im Gegenzug bereit, die Tür zwischen 8 und 18 Uhr geöffnet zu halten. In einem halben Jahr will man sehen, wie gut das funktioniert.

Über den Kompromiss zeigte sich die Vorsitzende des örtlichen Bezirksaussschusses, Marina Achhammer (SPD), nicht erfreut. „Neuperlach sollte zaunlos sein.“ Sie befürchtet, dass nun bald an anderen Stellen Zäune gezogen werden. Für das Problem, dass offenbar Drogenabhängige diesen Weg nutzten und Spritzen dort liegen ließen, müssten eher gesellschaftspolitische Lösungen gefunden werden. „Deswegen kann man nicht überall Zäune ziehen. Man kann sich nicht unter einer Glasglocke verstecken, damit die negativen Einflüsse von draußen nicht reinkommen.“

Für das Gericht ist der Streit vorerst beendet. Nach der Einigung wurde das Verfahren eingestellt.

Kolja Kröger

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