„Checkpoint Ali“

Im Video: Promis veralbern vor Ort die Neuperlacher Mauer

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München - Der Aufruhr rund um den Neuperlacher Flüchtlingswall nimmt kein Ende. Nun wird die Mauer von Münchner Prominenten veralbert. Am Mittwoch geht‘s zum Checkpoint Ali.

August 1961: Der Checkpoint Charlie wird errichtet - der berühmteste Grenzübergang an der Berliner Mauer zwischen der DDR und der BRD. November 2016: Till Hofmann (46) und seine Truppe von Bellevue di Monaco bauen den „Checkpoint Ali“ auf - der bitter-witzigste Grenzübergang, den die Stadt München jemals erlebt hat. Am Mittwoch um 16 Uhr ist es in Neuperlach so weit …

Nach den immer schärferen Debatten der vergangenen Tage zementieren Hofmann, Konzertveranstalter und Betreiber vom Lustspielhaus, Lach & Schieß & Co., und seine Mauer-Mannen nun ein klares Statement: „Wir wollen diese, nun ja, leicht überdimensionierte Mauer ordentlich in Szene setzen. Sie symbolisiert das totale Gegenteil unserer Willkommenskultur. Hinter der Mauer sind geflüchtete Minderjährige - so ganz nebenbei wird hier ein Präzedenzfall geschaffen“, sagt Hofmann der tz am Dienstagabend kurz nach Veröffentlichung der Fotomontage auf Facebook. Darauf zu sehen ist ein illustrer Trupp aus Künstlern (und Ballkünstlern), der sich klar abgrenzt von dieser Mauer im Süden Münchens und etwaigen Mauern im Kopf. Alle sind wie zu Zeiten des Eisernen Vorhangs in Uniformen der Nationalen Volksarmee NVA gekleidet - übrigens aus dem Fundus des Volkstheaters.

Breitner: „Mauer nur noch widerlich“

Apropos Theater: Fußball-Legende Paul Breitner kann sich kaum beruhigen, wenn er an die Mauer denkt: „So eine ungeheuerliche Aktion ist mir hier noch nie begegnet. Sie zeigt, wie teils verlogen die ,Willkommenskultur‘ ist. Die Mauer ist nur noch widerlich“, sagt er der tz.

Helmut Schleich, als Franz Josef Strauß ja maßgeblich am Sturz der Mauer beteiligt, nimmt‘s in seinem Statement für die tz von der ironischen Seite: „Ich mache mit, weil die Mauer die Anwohner nicht vollständig einschließt. So funktioniert die deutsche Teilung nicht!“ Und Willy Astor hat kurz vor seinem Auftritt am Dienstag noch Zeit für einen Reim: „Erst hatten wir die Wende, / Nun bau‘n wir wieder Wände. / Das ist uns nicht egal - / Das falsche Signal!“

Jimmy Hartwig, vom einstigen Sechzger-Kicker zum gestandenen Schauspieler mutiert, zieht vom Leder: „Warum ich mitmache? Ich wäre fehl am Platze als Integrationsbotschafter des DFB, wenn ich das nicht täte. Es geht um Menschen! Erst haben wir die Mauer abgerissen, jetzt bauen wir sie wieder auf. Totaler Blödsinn!“

Original-Bellevue-Stempel für den Reisepass

Till Hofmann.

Schön, dass man den „totalen Blödsinn“ auch mit pfiffigem Blödsinn kontern kann. Und das geht am Mittwoch ab 16 Uhr so: Bellevue richtet einen Checkpoint Ali ein - mit Schreibtisch, Stuhl, Schreibmaschine, einem Holzhütterl (Hofmann: „Falls wir Zeit haben. Es wird auf jeden Fall eine schöne Büro-Atmosphäre werden“) und Stempelkissen. Stempelkissen? „Jeder, der vorbeikommt und seinen Reisepass mitbringt, kriegt von uns einen Original-Bellevue-Stempel rein und darf dann die Grenze überschreiten“, schmunzelt Kleinkunst-König Hofmann. „Wenn 30 Menschen kommen, dann ist es gut.“ Es werden wohl mehr. Wir bleiben dran.

Übrigens: Die Künstler, die auf dem Foto mitgemacht haben, können wohl nicht vor Ort sein. Aber ein Zeichen setzen sie doch. Angekündigt für ein späteres Foto haben sich noch Luise Kinseher und Michael Mittermeier. Und Hofmann selbst? Stempelt am Mittwoch vor Ort.

Fotohinweis

Die Mauer muss weg: Münchner Promis unterstützen die Aktion der Truppe von Bellevue di Monaco.

Von links nach rechts sind auf dem Bild zu sehen: Brigitte Hobmeier (40, Schauspielerin), Urban Priol (55, Kabarettist), Paul Breitner (65, ­Fußball-Legende), Peter Brugger (43, Sänger und Gitarrist der Sportfreunde Stiller), Doris Dörrie (61, Film­regisseurin), Helmut Schleich (49, Kabarettist), Claus von Wagner (38, Kabarettist), Jimmy Hartwig (62, ­Löwen-Legende und Schauspieler), Rüdiger Linhof (43, Bassist der Sportfreunde Stiller), Florian Weber (42, Drummer der Sportfreunde Stiller), Günter Grünwald (59, Kabarettist) und Willy Astor (55, Musiker und Wortjongleur).

Matthias Bieber

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