Notdienst im Dunkeln: Apothekerin klagt

München - Da wiehert der Amtsschimmel: Apothekerin Birgit Lauterbach klagt gegen die Apothekerkammer, weil sie den Notdienst nicht in der schwer zugänglichen und nachts unheimlichen Filiale im OEZ, sondern in der nahen und sicheren Drive-in-Filiale machen will. Die aktuelle Rechtslage lässt das aber nicht zu.

Streng nach dem Gesetz gehen oder den Verbrauchern bessere Bedingungen ermöglichen? Birgit Lauterbach kämpft dafür, ihren Kunden eine bessere Versorgung zu bieten. Sie klagt gegen die Bayerische Landesapothekerkammer in zweiter Instanz. Es geht um die Notdienste ihrer beiden Apotheken in Moosach. Die Apotheke SaniPlus, die sich mitten im Olympia Einkaufszentrum (OEZ) befindet, ist nach Geschäftsschluss für Kunden nur schwer zu erreichen. „Wenn wir Notdienst haben, müssen die Kunden durch das Parkhaus, sich eine Karte ziehen und uns umständlich suchen. Nachts ist es zudem dunkel und auch ein bisschen unheimlich dort“, erklärt Lauterbach.

Deshalb besaß sie eine Genehmigung der Landesapothekerkammer, die Notdienste für SaniPlus in ihre Filiale MediPlus verlegen zu dürfen. Diese Filiale liegt nahe dem OEZ an der Ecke Hanauer-/Pelkovenstraße, direkt vor der U-Bahn-Station. Dort können Kunden auch am Autoschalter ihre Medikamente abholen, ohne aussteigen zu müssen. Das gibt gerade Frauen ein Sicherheitsgefühl.

Doch das geht nun nicht mehr. Kurz nachdem 2009 in Würzburg ein Gericht urteilte, derlei Ausnahmeregelungen seien rechtswidrig, bekam Lauterbach Post. Die Apothekerkammer teilte ihr und 79 weiteren Apotheken in Bayern mit, dass es Sonderregelungen nicht mehr geben könne.

Katrin Gast, Sprecherin der Bayerischen Landesapothekerkammer, bedauert dies einerseits. Andererseits sagt sie: „Wir sind gezwungen, Begünstigungen zu widerrufen. Es geht darum, dass alle Apotheker gleich behandelt werden müssen. Nur weil eine Apotheke eine schlechtere Lage hat, kann sie nicht vom Notdienst ausgenommen werden.“ Die Gesetzeslage besage, dass jede Apotheke einen Notdienst leisten muss. „Und was ist mit der Kundenfreundlichkeit?“, fragt Lauterbach empört. Die Sondergenehmigung sei von der Kammer damals sogar mit der Begründung erteilt worden, dass die Versorgung der Bevölkerung damit verbessert würde. „Da wiehert doch der Amtsschimmel!“.

Doch die Antwort der Kammer ist eindeutig: Ein Notdienst gelte nicht als Vollversorgung, sondern eben als Notversorgung. Der Notdienst sei apothekenbezogen zu sehen und nicht apothekerbezogen. Ausnahmen seien nicht möglich. Das sieht Lauterbach anders. „Die Kammer hätte sehr wohl einen Ermessensspielraum. Wenn das Würzburger Urteil so eindeutig gewesen wäre, hätte ich nicht geklagt. Wenn die Kammer etwas mutiger wäre, könnte es durchaus eine Lösung geben.“ Die Kammer nehme eine schlechtere Versorgung in Kauf. Immerhin: Solange das Verfahren läuft, darf Lauterbach ihre alte Regelung bestehen lassen.

Karin Neumeier

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