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Die pensionierten Flugkapitäne Friedhelm N. (71, links) und Peter H. (76) legten eine perfekte Notlandung hin.

Notlandung: Kühne Piloten erzählen ihre Geschichte

Oberschleißheim - Was machen zwei pensionierte Flugkapitäne, die in einem Sportflugzeug auf die Freigabe zur Notlandung warten? Sie schauen sich – relativ entspannt – eine Stunde von oben die Gegend an!

 So geschehen am Donnerstagabend über dem Flugplatz Oberschleißheim. Dort stellten Friedhelm N. (71) und Peter H. (76) um 15.50 Uhr im Landeanflug fest, dass sich das linke Hauptfahrwerk nicht korrekt ausfahren ließ. „Statt drei grünen Kontrolllampen leuchteten nur zwei.“

Nach einer gescheiterten Notausfahrung stand nun fest: „Wir mussten uns auf die Notlandung vorbereiten.“ Schon brach am Boden hektische Betriebsamkeit aus. 50 Feuerwehrleute gingen in Position, weitere 50 Polizisten rasten in Streifenwagen heran. 40 Biergarten-Gäste mussten ihre Plätze sicherheitshalber verlassen. Vier Polizei- und Rettungs-Hubschrauber stiegen auf. Aus luftiger Höhe beobachten die beiden Berufspiloten den Aufmarsch: „Wir haben uns gefragt: Was machen die da? Wir sind doch kein Jumbo!“ Wohl wahr: Die kleine, rund 800 Kilo schwere Sportmaschine (HB 207 Alfa) gehört Peter H. Sie ist ein Unikat, die der pensionierte Flugkapitän vor neun Jahren aus einem Bausatz in ungezählten Arbeitsstunden zusammensetzte. Damit flogen die beiden Freunde am Montag nach Bayreuth.

Bilder: Notlandung auf Flugplatz Schleißheim

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Peter H. und Friedhelm N. verbindet die Freundschaft und eine jahrzehntelange Flugerfahrung. Beide flogen bis zur Pensionierung für Hapag Lloyd die Boeing 727, Boeing 737 und zuletzt den Airbus. Friedhelm N.: „Ich habe zunächst als Co-Pilot viel von Peter gelernt und seine große Ruhe bewundert.“ Die war auch am Montag wieder hilfreich: Um 16.20 setzte die kleine Maschine auf der Graspiste zur Notlandung an. „Wir rollten auf zwei Rädern. Ich habe die Tragfläche so lange wie möglich hoch gehalten.“ Ohne das linke Rad kippte die Maschine schließlich nach links weg, beschrieb einen kleinen Halbkreis – und blieb mit nur leichten Beschädigungen liegen. Sauber gelandet, nichts passiert.

Friedhelm N: „Mit einer großen Maschine möchte ich das nicht machen.“ Kurz danach dankten die Piloten Polizei und Feuerwehr für die Unterstützung, Angst hatten die beiden zu keinem Zeitpunkt und gefeiert haben sie auch nicht: „Ich bin gerade auf Diät. Und Peter trinkt ausschließlich Cola, Wasser und Saft.“ Sobald die Maschine repariert ist, heben die beiden wieder ab – „solange der Flieger-Arzt uns eben lässt.“


Dorita Plange

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