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Maria (84) fühlt sich nach ihrer Not-OP gut aufgehoben. 

Die Irrfahrt einer Krebspatientin

Notstand in Münchner Kliniken: Professor empört über die Zustände

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Wenn man schwer krank ist, dann hat man keinen Kopf für organisatorische Belange. So ging’s auch Maria Heimerl (84; Name geändert).

München - Als die Blutungen und Schmerzen beim Wasserlassen immer heftiger wurden, erhoffte sie sich einfach nur schnelle Hilfe. Doch daraus wurde nichts: Die Seniorin blitzte bei gleich zwei Münchner Kliniken ab, bevor sie am Ende des Tages im OP des Uniklinikums Großhadern landete. „Ein Unding“, kritisiert dessen Chefurologe Prof. Dr. Christian Stief im tz-Gespräch. „Schließlich hatte die Patientin ein lebensgefährliches Problem.“

Marias Irrfahrt quer durch die Stadt – sie ist in erster Linie den aktuellen Behandlungsengpässen in Münchner Kliniken geschuldet (wir berichteten). Das Drama begann im Krankenhaus Barmherzige Brüder. Hier war bei Maria bereits im Januar ein Nierentumor festgestellt worden. Nachdem sich der Gesundheitszustand der Krebspatientin immer weiter verschlechtert hatte, entschied sich ihr Sohn am Freitag zum sofortigen Handeln: Er bestellte einen Krankentransport, der die Seniorin direkt in die Urologie der Barmherzigen Brüder brachte. Doch dort wiegelte eine Mitarbeiterin ab: Kein Bett mehr frei! Zuvor hatte sich das Krankenhaus bei der Leitstelle, die die Verteilung der Patienten auf die Münchner Kliniken organisiert, als Anlaufstelle vorübergehend abgemeldet. „Trotzdem haben wir auf Hilfe gehofft, weil meine Mama ja dort bereits in Behandlung war. Die Ärzte waren doch schon mit ihrem Fall vertraut.“

„Unsere Kapazitäten für eine stationäre Aufnahme waren nun mal erschöpft“

Ein Argument, dass die Krankenhaus-Chefin nicht gelten lässt: „Unsere Kapazitäten für eine stationäre Aufnahme waren nun mal erschöpft“, sagt Dr. Nadine Schmidt-Pogarell der tz, „Wäre die Patientin nicht direkt in die Urologie, sondern wie bei Notfällen üblich in unsere Notaufnahme gebracht worden, wäre sie allerdingds mit Sicherheit behandelt worden.“ Falsche Tür erwischt, leider Pech gehabt.

„Es ist unverantwortlich diese Patientin quer durch München zu karren“, Professor Dr. Christian Stief. 

Also grübelte der Krankentransport, welche Klinik er als nächstes ansteuern könnte. Womöglich das Uniklinikum rechts der Isar, denn auch dort war Maria schon mal behandelt worden? Fehlanzeige – das Klinikum hatte sich ebenfalls bei der Leitstelle abgemeldet! Ein Problem, das in den vergangenen Monaten sehr häufig vorkam.„Ich halte diese für Abschottungspraxis für inakzeptabel“, so der Großhaderner Klinikdirektor Prof. Stief zur tz. „Als Uniklinik hat man einen Auftrag, alle Notfallpatienten zu behandeln, da kann man seine Notaufnahme doch nicht tagelang abmelden. Noch schlimmer finde ich allerdings die Praxis vieler Privatkliniken, die sich überhaupt nicht am Notfallsystem beteiligen.“

Aktuelle Grippewelle macht Probleme

Dagegen wirbt das Klinikum rechts der Isar vor dem Hintergrund der aktuellen Grippewelle um Verständnis: „Trotz abgemeldeter internistischer Notaufnahme wies die Leitstelle dem Klinikum rechts der Isar allein im Januar und Februar 2018 fast 150 internistische Akut-Patienten zu, an einzelnen Tagen bis zu acht Patienten“, teilte die Pressestelle mit und verspach: „Das Klinikum ist bestrebt, die Kapazitäten und Strukturen an die steigenden Patientenzahlen anzupassen.“

Krebspatientin Maria Heimerl landete letztlich in Großhadern. Dort wurde der Rückstau in ihrer Niere, der sich inzwischen gebildet hatte, in einer Not-OP beseitigt. „Dafür bin ich sehr dankbar. Jetzt fühle ich mich in Sicherheit“, erzählt die 84-Jährige der tz. „Wenn man alt und krank ist, kann man sich nur schwer wehren. Das mir so was mal in München passiert, hätte ich nicht für möglich gehalten.“

Andreas Beez

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