+
Für Handy gibt es neuerdings die App "Orte erinnern"

Erinnerungskultur für alle Generationen

NS-Dokuzentrum: Großes digitales Angebot zum Lernen und Erinnern

München - Das NS-Dokuzentrum hat drei Millionen Euro in digitale Inhalte investiert und bietet jetzt ein großes Lernforum. Eine Smartphone-App zeigt außerdem historische Orte im Stadtgebiet.

Das NS-Dokumentationszentrum am Königsplatz ist gleichermaßen ein Lernort wie ein Ort der Besinnung. Und der weiße Würfel an der Brienner Straße fällt auch architektonisch ins Auge. Die Dauerausstellung über die Zeit des Nationalsozialismus in München haben seit Mai 2015 schon fast 200.000 Menschen besucht, Touristen aus aller Welt genauso wie Bürger aus München und Umgebung. Nun werden die Inhalte ganz zeitgemäß auch in Form von digitalen Medien vermittelt.

Das NS-Dokuzentrum hat dafür gut drei Millionen Euro investiert. Die Dauerausstellung hat nur halb so viel Geld gekostet. Zusammen mit Fachleuten wurden eine GPS-basierte Smartphone-App „Orte Erinnern“, ein multimedialer Guide in acht Sprachen sowie ein großes Lernforum mit digitaler Ausstellung, interaktiven Medientischen und Recherchestationen entwickelt. Das Angebot präsentiere sich auf dem neuesten Stand der Technik und Wissenschaft, sagt Kirstin Frieden, Sprecherin des NS-Dokuzentrums. Und sie fügt an: „Das Anliegen unseres Hauses ist es, historische Aufklärung auf vielfältige Weise und für alle Generationen anzubieten.“

Das Lernforum im Untergeschoss des Gebäudes umfasst vier große Medientische und 24 digitale Rechercheplätze, die Zugriff auf eine eigens für das Projekt entwickelte Datenbank bieten. Informationen zu mehr als 37 000 Personen sind darin erfasst und Biografien von Verfolgten aller Opfergruppen aus München aufbereitet. Deren jeweilige Wohnorte können digital im Stadtraum nachverfolgt und die Informationen per Suchfunktion über den Namen, den Ort oder weitere Stichworte abgerufen werden.

Eine weitere Installation befasst sich zum Beispiel mit dem Aufstieg der nationalsozialistischen Partei in München: Auf Karten werden die frühen Treffpunkte und Standorte der NSDAP und ihrer Untergruppen im Stadtgebiet angezeigt. Der Aufstieg der Partei aus den Hinterzimmern mitten hinein in die vornehme Maxvorstadt lässt sich dabei bildhaft darstellen. Ein digitales Lexikon gibt darüber hinaus in rund 800 Artikeln Auskunft zu Begriffen, historischen Ereignissen und Personen. Geschaffen wurde dieses hochmoderne Lernforum in Kooperation mit Hilfe des Lehrstuhls für Architekturinformatik der TU München.

Auch außerhalb des NS-Dokuzentrums kann man sich mit der Geschichte des Nationalsozialismus beschäftigen – dank der Smartphone-App „Orte Erinnern“. Auf einem Stadtplan lassen sich 120 Orte in und um München mit direktem Bezug zum Thema Nationalsozialismus lokalisieren. Zu den Orten sind historisches Bild- und Quellenmaterial sowie zum Teil auch Audio- und Videosequenzen abrufbar, die Informationen zur Geschichte des jeweiligen Ortes geben. Es gibt auch eine Schlagwortsuche. Man kann zum Beispiel nach Sophie Scholl oder der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ suchen und erhält dann Treffer über Plätze, die mit den Widerstandskämpfern in Verbindung stehen. Darüber hinaus bieten verschiedene thematische Routen die Möglichkeit, sich an die Orte der NS-Geschichte zu begeben. Die kostenlose App gibt es in deutscher und englischer Sprache für Apple- und Android-Geräte.

Die „Mediaguides“ schließlich sind das dritte Standbein der neuen digitalen Ausrichtung des NS-Dokuzentrums. Sie erklären in acht wählbaren Sprachen die Inhalte der Ausstellung und führen die Einzelbesucher durch die Stockwerke. Und die 400 Mediaguides bieten auch die Möglichkeit, die Dauerausstellung auf thematischen Pfaden zu erkunden. Es können zum Beispiel Rundgänge speziell zum Thema „Antisemitismus“ oder „Männer und Frauen“ gewählt werden. Außerdem gibt es spezielle Rundgänge für Jugendliche und Kinder.

Klaus Vick

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Scheren-Mann vom Kapuzinerplatz: Darum bin ich ausgetickt
München - Er hatte die ganze Innenstadt in Aufruhr versetzt! Am 19. Mai rannte Daniel M. (26) mit einer Schere aus dem Haus, bedrohte Passanten am Kapuzinerplatz und …
Scheren-Mann vom Kapuzinerplatz: Darum bin ich ausgetickt
Bruchgefahr: Baumfällungen an Isar und Würm
München - Viele Bäume säumen das Ufer von Isar und Würm. Bei den letzten Kontrollen hat das Wasserwirtschaftsamt darunter einige ungesunde Bäume gefunden - aus …
Bruchgefahr: Baumfällungen an Isar und Würm
Mafia-Methoden am Wertstoffhof
München - Seit Montag verhandelt das Amtsgericht jetzt gegen die Angestellten der Abfallwirtschaftsbetriebe: Acht Männer stehen vor Gericht, nur drei sind geständig. …
Mafia-Methoden am Wertstoffhof
Bei Urban Soups gibt‘s Gesundes aus der Kelle
München -  Einfach, schnell – und vor allem gesund soll es sein: Das kleine Münchner Unternehmen „Urban Soups“ hat sich auf Suppen spezialisiert. 
Bei Urban Soups gibt‘s Gesundes aus der Kelle

Kommentare